Lappland im Winter – Ein Reisebericht von Hans-Joachim Gruda

Rentiere im Winter

Sapmi Rentierschlitten
Foto: Liane Gruda

Heute erreichte uns ein interessanter Bericht von unserem Produktberater Hans-Joachim Gruda über eine Reise im Winter zu den Rentieren und seine Motivation, die Erlebnisse für unsere Kunden in Deutschland zugänglich zu machen:

„quid novi ex Laponia?

Von Tag zu Tag ist die Sonne jetzt deutlich länger über dem Horizont. Es wird heller, es wird milder. In Sápmi nördlich des Polarkreises bereiten sich Natur, Tiere und Menschen auf die Zeit vor, die im Laufe der acht Jahreszeiten der Samen „Gïjre-daelvie“ heißt, Frühlingswinter.

Im März/April verlassen die Rentiere die Winterweidegebiete in den Wäldern des Flachlandes und ziehen in Richtung der gewohnten Plätze, an denen Jahr für Jahr die Kälber geboren werden. Auf den Tundren zeigen sich die ersten schneefreien Flächen. Die Sonne wärmt, die Tage sind hell und lang – es ist die schönste Zeit, in Sápmi auf eine Winterreise zu gehen!

Als ich (zusammen mit meiner Frau und Fotografen Liane) im Jahre 2009 gerade zu dieser Zeit von einer Skitour nach Jukkasjärvi zurückkehrte, schlossen wir uns spontan einer von unseren Freunden durchgeführten Mehrtagesreise mit Rentierschlitten von Järämä in Schweden nach Innset in Norwegen an. (Eine vergleichbare Reise kann heute jeder bei ZeitRäume – ZR-Reisen Individual buchen.) Es war die letzte Tour der Saison, die Gäste aus Mitteleuropa verabschiedeten sich. Die Rentiere wurden im Anhänger nach Järämä zurückgebracht, um dann auf die Frühjahrsweide entlassen zu werden.

Früh am Morgen fuhren wir mit drei Motorschlitten zum Gehege, der Rengärde: Nils Thorbjörn mit Carina, Peder und auf dem dritten „Gespann“ ich mit Liane und unserem Husky Čuobbu auf dem angehängten Schlitten. Die Rengärde wurde geöffnet und die Tiere zogen hinaus in die Freiheit!

Über viele Stunden, bei Sonnenschein und Windstille, zog die Herde nordwestwärts. Mit unseren drei Motorschlitten hielten wir gebührenden Abstand, denn die Tiere werden nicht „getrieben“, sondern sie ziehen von selbst. Die Renhirten achten nur darauf, dass die Herde stets zusammenbleibt. An schneefreien Stellen verweilt die Herde und auch wir Menschen und unsere Hunde genießen die Stille und die Weite auf der Tundra. Alle Sorgen und aller Stress dieser Welt sind vergessen! Der Himmel, die Sonne, die schneebedeckte Tundra mit den Vegetationsflecken, die Tiere, wir Menschen – alles vereint sich zu einem riesigen Gefühl!

Am späten Nachmittag verlassen wir die Herde, wo es genügend Zugang zu Futter gibt. Wir fahren nur noch ein kurzes Stück zur Renwächterhütte ganz nah bei der norwegischen Grenze.

Wärmendes Feuer, Essen und Trinken, Betten und Schlafsäcke – mehr brauchen wir nicht, um zufrieden zu sein. Einen Tag bleiben wir noch. Auf Skiern genießen wir die Natur. Wir bohren ein Loch in die Eisdecke des Sees und fischen. Auf einem schneefreien Platz liegen wir auf der Heide und grillen Fisch und Rentierfleisch am Feuer. Noch einmal fahren wir mit den Motorschlitten hinaus, um nach der Herde zu sehen. Am dritten Tag fahren wir gemächlich zurück nach Järämä. Der Schnee ist jetzt, Anfang Mai, schon sehr weich und um die Mittagszeit ist es richtig „schön warm“.

Nur wenige Renhirten sehen periodisch nach den Tieren und achten darauf, dass sie Zugang zu Nahrung haben und ob sich Raubtiere in der Nähe aufhalten. Es ist eine „extensive Renwirtschaft“. Aber eine Idee wollte nicht mehr aus unseren Köpfen: Nur einige wenige Gäste mitzunehmen auf die Weiden zu den Herden und sie „dabei sein“ zu lassen!

Und es wurde bei ZeitRäume – ZR-Reisen Individual Wirklichkeit! Selbst Rentierhirte sein in Lappland/Sápmi! Diese Reise hat kaum noch etwas zu tun mit „Tourismus“ – dies ist wirklich die Teilnahme an der Arbeit und am Laben der rentierzüchtenden Samen. Dies ist wahrhaft die Begegnung mit einer anderen Wirklichkeit!

Herzlich willkommen!“

About the author

Klaus Becker

In Tromsø schon mal den Bus zum Schiff verpasst und richtig viel Spaß bei einer samischen Familie gehabt, in Schottland schon mal versucht, alle Malt Whiskys zu probieren. Im echten Leben aber Geschäftsführer und Blogger mit Leidenschaft.

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