Die Vesterålen im Winter – Unsere Kollegin Anna Lotz für Sie zu Besuch bei den Samen

Laila Inga in ihrem Lavvu

Laila Inga in ihrem Lavvu
Foto: Anna Lotz

Die Vesterålen sind eine Inselgruppe etwa 300 km nördlich des Polarkreises vor der Küste Norwegens. Sie schließen nordöstlich an die bekannteren Lofoten an. Die Ortschaft Sortland liegt im Zentrum der Inselgruppe. In Kvalsauka, in der Umgebung von Sortland, wohnen Laila und Arild Inga, ein samisches Ehepaar. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, neben der Rentierzucht den Touristen die samische Kultur näherzubringen.

Direkt nach der Ankunft wird man von Arild Inga herzlich begrüßt, der bereits in der traditionellen samischen Bekleidung in der Einfahrt wartet. Zu Fuß geht es nun bergauf zum Lavvu, der Behausung der Samen, während man im Hintergrund die faszinierende Berglandschaft der Vesterålen bewundern kann. Dort trifft man auf Laila Inga, seine Frau, die die Besucher willkommen heißt und zunächst die Besonderheiten der samischen Bekleidung erläutert. Dann geht es ins Lavvu, wo die Besucher am wärmenden Feuer bei einer Tasse Kaffee oder Tee den Erzählungen von Leila Inga lauschen . Sie erzählt zunächst, dass die Samen sich als eigenständiges Volk verstehen, deren Heimat Lappland sich über vier Staaten erstreckt: Norwegen, Schweden, Finnland und Russland. Die Region Lappland erstreckt sich von West nach Ost von Nordnorwegen über Nordschweden und Nordfinnland bis zu einem kleinen Teil Westrusslands. Die Samen siedelten bereits vor der Gründung der vier eben genannten Staaten in diesem Gebiet, weshalb diese Region mit keinem Staatsgebiet deckungsgleich ist.

Nach diesen einführenden Worten berichtet uns Leila, dass sich ihr Mann ausschließlich um die Versorgung und Züchtung der Rentiere sowie die Verarbeitung und den Vertrieb des Rentierfleisches kümmert, während sie den Touristen die samische Kultur nahebringt. Sie erzählt uns auch von ihrem achtjährigen Sohn, der in die Schule geht und dort neben Norwegisch auch Unterrricht in der samischen Sprache erhält. In diesem Zusammenhang berichtet sie von der Unterdrückung der Samen in Norwegen bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts und dem Verbot, in der Schule Samisch zu sprechen oder gar Samisch schreiben zu lernen. Unter diesem Verbot und der Ausgrenzung durch die norwegischen Schulkinder hat sie gelitten und ist deshalb froh, dass ihr Sohn diese Probleme nicht mehr hat.

Leila erklärt uns außerdem, wie ein Lavvu aufgebaut ist und erzählt uns über die Religion der Samen. Schließlich gibt es für alle Besucher einen leckeren Rentier-Eintopf, eine Art Gemüsesuppe mit Rentierfleisch-Stückchen. Zum Nachtisch erhält jeder einen hausgemachten Blaubeer-Muffin und eine Tasse Kaffee oder Tee. Währenddessen führt uns Leila vor, was ein Joik ist: ein mit dem Jodler verwandter Obertongesang, der bei jedem Samen einzigartig ist. Zwei Samen haben niemals den gleichen Joik, und der Joik, den sie sich in der Kindheit aneignen, behalten die Samen ein Leben lang. Die Besucher verlassen nun das Lavvu und werden von Leila in zwei andere Hütten geführt, wo sie uns noch Bilder von ihrem Leben als Rentierhirten zeigt. Abschließend darf man noch zu den Rentieren auf die Weide und Leila bei der Fütterung der Tiere helfen. Damit ist der Besuch bei den Samen zu Ende und die Besucher fahren weiter zu ihrem nächsten Etappenziel.

Die samische Kultur und die Vesterålen können Sie am Besten auf unserer Reise „Drei Länder Lapplands“ kennen lernen.

About the author

Tanja Riehm-Wagner

Überzeugte Nordeuropa-Fanfrau, die schon in Jugendzeiten Reisen nach Island, Norwegen, Finnland, Schweden und England mit ihrer Familie in den 1980er Jahren unternommen hat. Irland folgte in 1994. Später machte sie ihr Hobby zum Beruf. Sie lernte dabei mehrere Hurtigrutenschiffe kennen und ist jetzt begeisterte Reisebloggerin für ZeitRäume.

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