Irland – Bräuche zur Advents- und Weihnachtszeit

Advent in Irland, Foto: © Flickr/ John Morgan

Jedes Land hat so seine eigenen Sitten und Gebräuche. Das gilt auch für Irland in der Advents- und Weihnachtszeit.

Der Adventskranz zum Beispiel besteht auf der grünen Insel nicht aus vier, sondern aus fünf Kerzen, die auch noch bestimmte Farben haben müssen: Drei lila, eine rosa und eine weiße Kerze.  Jede Kerze hat eine besondere Bedeutung. Am ersten Advent und der darauf folgenden Woche brennt als Zeichen für Besonnenheit und Buße eine lilafarbene, ab dem 2.Advent brennt eine weitere lilafarbene. Am dritten Advent entzündet man eine rosa Kerze aus Vorfreude auf die herannahende Geburt von Jesus. Am vierten Advent erstrahlt die dritte lilafarbene Kerze und zum krönenden Abschluss der Adventszeit, leuchtet am Heilig Abend die weiße Kerze als Symbol für Christi Geburt. Auf diese Weise erzählt der Adventskranz in Irland eine ganz eigene Geschichte und gibt freundliche Hinweise, was in der Adventszeit im Vordergrund stehen sollte.

Kommen wir zum nächsten Adventsbrauch: Auch in Irland gibt es nun schon seit langem den Adventskalender aus Pappe, der mit kleinen Schokoladenfiguren bestückt ist. Wobei dieser Brauch keine traditionellen Wurzeln auf der grünen Insel besitzt, sondern aus Deutschland herüber gewandert ist. Die Iren haben diesen Brauch aber gut angenommen, die Kalender erfreuen sich wie auch bei uns größter Beliebtheit!

Eine bereits jahrhunderte alter irischer Brauch, der allerdings heutzutage nicht mehr existiert, ist der vorgezogene Beginn der Adventszeit. Zwischen 400 bis 500 n.Cr. entstand die Sitte, bereits ab dem St. Martinstag, also dem 11.11., offiziell die Vorbereitungen für das Weihnachtsfest zu beginnen. Der heilige St. Martin lebte übrigens von 316/317 bis 397 n.Cr. Der erste Advent blieb trotzdem der vierte Sonntag vor Weihnachten, also frühestens am 27.11. und spätestens am 03.12. Da sich der Kalender nicht mehr geändert hat seit dieser Zeit, liegt der Termin für den 1.Advent heute immer noch so.

Ganz im Gegensatz zu heutigen Bräuchen in Irland und anderen christlichen Ländern, wo bereits in der Adventszeit ein maßloser Süßigkeitenkonsum stattfindet, war interessanterweise in dieser so genannten „Martinmas“- und auch der anschließenden Adventszeit in früheren Jahrhunderten das Fasten üblich! Von dieser entbehrungsreichen ruhigen Zeit der Besinnlichkeit ist heute nichts mehr zu spüren, schaut man sich zum Beispiel die  irischen Büro- und Betriebs-Weihnachtsfeiern, die sogenannten „Office Christmas Parties“, und vollen Geschäfte an. Aber das ist ja nicht nur in Irland so!! Gemäß dem Motto: „Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen!“ sollten wir Deutschen darüber besser nicht lästern!

Man muss allerdings zugeben, dass der irische Brauch der vorzeitigen Adventszeit und der Fastenzeit nur sehr kurz bestand. Bereits im 6.Jh. n.Chr. wurde er wieder abgeschafft. Dafür ernannte man den St. Martinstag zum Schlacht-Festtag. Um es gleich vorweg zu nehmen: Die traditionelle Martinsgans hat mit diesem Schlachtfest nichts zu tun. Es würde jedoch zu weit führen, die vielen verschiedenen Legenden um die Martinsgans hier aufzuführen. Meistens wurde einen Abend vor dem St. Martinstag ein Schwein geschlachtet, weil es schon zur damaligen Zeit das am häufigsten vorkommende Nutztier war. Je nach dem, wie reich man war, konnte es aber auch ein Ochse oder ein Schaf sein. Ein eher unchristliches Ritual war die Beträufelung der Türschwellen mit dem Blut des Tieres, um böse Geister fern zu halten. Wesentlich christlicher und passender zu der Legende des St. Martin mutet da schon der irische Brauch an, dass das fertig zubereitete Fleisch des geopferten Tieres unter den ärmeren Nachbarn verteilt wurde.

Auch der heilige Abend hat verschiedene irische Bräuche. Am „Christmas Eve“ findet die Mitternachtsmesse statt. Hierfür werden die römisch-katholischen Kirchen Irlands sehr festlich geschmückt, anders als in Deutschland neben den uns bekannten vielen Kerzen auch mit noch mehr blühenden Blumen. Der eigentliche Weihnachtstag ist der 25.12., an dem unzählige Messen in allen Kirchen stattfinden. Auffällig sind die wunderschönen Krippen mit lebensgroßen Figuren.

Wenn Sie gern einmal die Advents- und Weihnachtszeit in Irland erleben möchten, finden Sie hier ein passendes Angebot dazu: http://www.zeitraeume-reisen.de/reisen/nordeuropa/irland/reise/531/advent-in-dublin/. Oder waren Sie vielleicht gerade in Irland und können uns ganz aktuell berichten, was noch alles zu irischer Advents- und Weihnachtszeit gehört? Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldungen!

About the author

Tanja Riehm-Wagner

Überzeugte Nordeuropa-Fanfrau, die schon in Jugendzeiten Reisen nach Island, Norwegen, Finnland, Schweden und England mit ihrer Familie in den 1980er Jahren unternommen hat. Irland folgte in 1994. Später machte sie ihr Hobby zum Beruf. Sie lernte dabei mehrere Hurtigrutenschiffe kennen und ist jetzt begeisterte Reisebloggerin für ZeitRäume.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

ZeitRäume - ZR-Reisen Individual UG (haftungsbeschränkt) Impressum - Datenschutz