Zu Besuch bei den Eisbären auf Spitzbergen -3

Eisbären auf Spitzbergen

Eisbären auf Spitzbergen
Foto: Dominic Barrington

„Da ist er endlich! Hallo Lars, du kleiner Eisbär!“ Unsere 9-jährige Tochter war vor Begeisterung ganz aus dem Häuschen als sie endlich ihre – und mittlerweile auch unsere – heißgeliebten Eisbären auf Spitzbergen erstmals in freier Wildbahn entdeckte! Was für ein Moment – seit fast zwei Jahren sehnte sie diesen Augenblick herbei und jetzt war er endlich da! Man kann es gar nicht in Worte fassen, was man empfindet, wenn man diese majestätischen Tiere einzeln, als Familie oder in Gruppen auf dem Eis entdeckt. Es ist auch nicht zu vergleichen mit einem Zoobesuch. Freilebende Eisbären verhalten sich ganz anders, weil sie einfach viel mehr Platz haben und nicht den ganzen Tag über aus nächster Nähe angestarrt werden.

Dies ist nun der dritte und letzte Teil unseres Reiseberichts über unsere Reise „Rund um Spitzbergen – Im Land der Eisbären“.

Eisbären auf Spitzbergen – Glückssache!

Dank der Tatsache, dass wir uns lange auf diese Expeditionsseereise mit der MS Fram von den Hurtigruten vorbereitet haben, hatten wir unsere beiden Töchter immer wieder vorgewarnt, dass es auch durchaus passieren könnte, dass wir keine Eisbären zu Gesicht bekämen. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit, die Eisbären während der Umrundung von ganz Spitzbergen (deswegen hatten wir uns für die lange Reise entschieden) relativ hoch war, versuchten wir trotz fieberhaftem Herbeisehnen des Moments, an dem die weißen Riesen auftauchen würden, die Kinder auch für alle anderen sehenswerten Eindrücke sensibel zu machen. Und das gelang uns glücklicherweise!

Die anderen Highlights rund um Spitzbergen

Kaum waren wir am zweiten Tag mit der MS Fram in Longyearbyen gestartet, landeten wir auch schon wieder an, um uns die erste kulturelle Sehenswürdigkeit anzusehen: Die 1932 erbaute russische Bergbausiedlung Barentsburg. Diese ist zwar nur 55 km von Longyearbyen entfernt, aber es gibt keine befestigte Straße auf der Insel zwischen diesen beiden Orten. Der Verkehr läuft zu jeder Jahreszeit über das Wasser:  Im Sommer per Schiff und im Winter per Schneemobil oder Hundeschlitten!

Wir umrundeten Spitzbergen im Uhrzeigersinn, das heißt wir bewegten uns erst einmal Richtung Norden. Nach der ersten Nacht an Bord der MS Fram, auf der sich auch unsere größere Tochter, die immer mal wieder mit Reiseübelkeit zu kämpfen hat, langsam an das Schaukeln gewöhnte, wartete der Kongsfjord an der Nordwestspitze von Spitzbergen auf uns. Die Landschaft hatte sich im Vergleich zum vorherigen Tag verändert: Weg von der Tundra, hin zum alpinen Gebirgszug mit kalbenden Gletschern. Das Abbrechen von riesigen Eisbergen war jedesmal ein besonderes Spektakel und mit einem unheimlichen Grollen und Donnern verbunden, wie bei einem herannahenden Gewitter. Die vielfältigen Blau- und vor allem Türkisschattierungen begeisterten unsere farbenliebenden Kinder! Spannend wurde es auch bei der Anlandung in Ny-Ålesund, wo wir einen authentischen Einblick in das Leben der Polarforscher bekamen, die dort an mehreren internationalen Forschungsstationen vor allem im Sommer ihrer Arbeit nachgehen.

Eisbären auf Spitzbergen

Magdalenenfjord: Eiskalter Badespaß!
Foto: Per Lillehagen

Historisch und sportlich wurde es zum Abschluss des Tages bei der Anlandung im Magdalenenfjord: Nach der Besichtigung der verwaisten und dadurch etwas gruseligen Walfangstation aus dem 16. Jahrhundert, wagten die Kinder und ich ein Bad in den eisigen Fluten des Polarmeeres – ein unglaubliches Gefühl!! Nach zwei Minuten waren wir aber schon wieder draußen und zogen uns so schnell wie möglich die nassen Bikinis vom Leib und wieder unsere warmen Wollpullis und langen Ski-Unterhosen an! Dick eingemummelt tranken wir einen heißen Tee, der uns auch innerlich wieder aufwärmte! Mit einem mächtig stolzen Gefühl im Bauch kehrten wir zurück zur MS Fram.

Familiäre Atmosphäre auf der MS Fram

Aufgrund der familiären Atmosphäre an Bord dieses überschaubaren Expeditions-Seereisenschiffs mit gerade mal 250 Passagieren, hatte bald jeder von unserem Eiswasserbad mitbekommen und besonders unseren beiden Mädels wurde der allergrößte Respekt gezollt für so viel Überwindungskraft! Das machte die beiden unglaublich glücklich.

Wir kannten auch recht bald viele Mitreisenden mit Namen und  wir fühlte uns in dieser Gruppe Gleichgesinnter sehr wohl. Es gabe sogar noch drei andere Kinder, die im ähnlichen Alter wie unsere beiden 9- und 13-jährigen Töchter waren. Dementsprechend herrschte eine freundschaftliche Stimmung an Bord und man begrüßte sich schon morgens mit ein fröhlichen „Hallo, wie geht´s?“. Nach und während der verschiedenen Erlebnisse konnte man sich so immer wieder über die vielen gesammelten Eindrücke austauschen und die Kinder hatten Gelegenheit, zusammen zu spielen.

Tierisch gute Highlights am Ostufer

Nach der Umrundung des Nordufers, wo wir auf der Insel Moffen das große Glück hatten, die dort häufig auftauchenden Walrosse auch tatsächlich zu Gesicht zu bekommen, erwarteten uns an der Ostküste spektakuläre, mehrere Kilometer lange Vogelklippen mit bis zu 350 m hohen Felsnadeln, die aus dem Meer aufragten und viele Nistplätze für die arktische Vogelwelt boten.

Die Krönung unserer Reise erlebten wir im Storfjord kurz vor dem Südkapp: Hier wurde der Traum unserer 9-jährigen Tochter endlich Wirklichkeit: Wir erblickten erstmals Eisbären auf Spitzbergen! Wie eingangs beschrieben, fehlten uns die Worte, aber es entstanden unauslöschbare Bilder in unseren Köpfen, die diese Reise unvergesslich gemacht haben! Wir sahen die Tiere zwar nur von Bord aus, aber das war auch gut so, denn sobald auf einem Landausflug die Könige Spitzbergens gesichtet werden, heißt es Rückzug! Es ist einfach zu gefährlich, auf diese größten Land-Raubtiere der Welt direkt zu treffen. Man kann nie wissen, wie hungrig sie gerade sind! Aber aus sicherer Entfernung von Bord aus, konnten wir den herrlichen Anblick in Ruhe genießen! Dank der Mitternachtssonne hatten wir sogar noch Abends viele Stunden Zeit, sogar Eisbärenmütter mit ihrem putzigen Nachwuchs zu beobachten – ein herrliches Schauspiel!

Gerade vor dem Teilstück Storfjord bangte unsere  12-jährigen Tochter, weil dies die unruhigste Ecke in Bezug auf den Wellengang sein sollte. Es schaukelte auch tatsächlich mehr, aber nach ein paar Stunden ging es wieder besser. Was ihr gut half, war das langsame Knabbern an einem Brötchen, frische Luft und der Blick an den fernen Horizont. Und genau dadurch war sie die erste, die die Eisbären entdeckte! Da war für eine ganze Weile die Übelkeit vergessen und sie suchte begeistert ihre kleine Schwester, damit diese endlich ihre heiß ersehnten Eisbären zu Gesicht bekam!

Spitzbergen

Abendhimmel über Moffen
Foto: Joe Decker

Eine erlebnisreiche Reise geht zu Ende

Bevor wir am 9.Tag wieder Longyearbyen erreichten, lag noch die imposante Bergwelt an der Westküste Spitzbergens vor uns: Am Hornsund überraschte uns der Fels Bautaen, der wie ein Wikingerschwert aufragt. Die Bergspitzen sind hier ganzjährig weiß und boten einen fantastischen Anblick, vor allem im Schein der Mitternachtssonne! Die MS Fram lief um Mitternacht im Hafen von Longyearbyen ein und verabschiedete ihre Gäste bei einer imposanten Beleuchtung.

Mit tausenden unvergesslichen Eindrücken traten wir am nächsten Morgen schweren Herzens unsere Rückreise an, natürlich nicht ohne einen letzten wehmütigen Blick auf die Inselwelt Spitzbergens und – unvorstellbar, aber wahr! – sogar auf einige Eisbären, die in der Ferne auf einem Eisberg spielten!

 

About the author

Tanja Riehm-Wagner

Überzeugte Nordeuropa-Fanfrau, die schon in Jugendzeiten Reisen nach Island, Norwegen, Finnland, Schweden und England mit ihrer Familie in den 1980er Jahren unternommen hat. Irland folgte in 1994. Später machte sie ihr Hobby zum Beruf. Sie lernte dabei mehrere Hurtigrutenschiffe kennen und ist jetzt begeisterte Reisebloggerin für ZeitRäume.

One Comment

Leave a comment
  • Hallo!
    Vielen Dank für diese 3 Artikel > Zu Besuch bei den Eisbären auf Spitzberge! Wir werden im Sommer auch mit der MS Fram von Hurtigrouten nach Spitzbergen schippern! Und bis gerade eben hatte ich relativ große Zweifel, ob es für unsere 10-jährigen Jungs eine so angemessene Reise wird… Ihr Artikel beruhigt mich sehr und die Vorfreude wird riesig! Vielen Dank! 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

ZeitRäume - ZR-Reisen Individual UG (haftungsbeschränkt) Impressum - Datenschutz