Boyne Valley – Beginn der Zivilisation in Irland

Boyne Valley

Newgrange im Boyne Valley
Foto: Chris Hill

Boyne Valley passt genau als erster Blogbeitrag im  neuen Jahr! Entsprechend dem Jahresanfang, werfen wir auch in unserer Destination Irland mal einen Blick zurück wie alles begann. Denn im County Meath an der irischen Ostküste, nördlich von Dublin, liegt die Wiege der irischen Zivilisation.

Allen voran ist hier Newgrange zu nennen. Diese gigantische Megalithanlage, die vor mehr als  5000 Jahren in der Jungsteinzeit erbaut wurde, ist ein wahrer Meilenstein in der Geschichte Irlands. Aber auch die etwas kleineren Grabanlagen in Knowth und Dowth, die sich ebenfalls im Boyne Valley befinden und sogar noch älter geschätzt werden, sind prähistorische Highlights.

Aber das Tal des Boyne erlangte auch kriegerische Berühmtheit: Im Jahr 1690 war Boyne Valley Schauplatz für eine blutige Schlacht zwischen den protestantischen Nordiren und katholischen Iren.

Das geschichtsträchtige Boyne Valley

Der Fluss Boyne misst von seiner Quelle im Gebiet des Bog of Allen genau westlich von Dublin bis zu seiner Mündung weiter nordöstlich ungefähr 50 km. Mehrere für die Geschichte Irlands bedeutungsvolle Stätten befinden sich in dem unteren Teil des Boyne Valley. Auf einer Länge von 15 km erstreckt sich das Tal des Boyne zwischen den Städten Navan im County Meath und Drogheda im County Louth inmitten fruchtbarer grüner Hügel. Der Fluss Boyne ist der größte Wasserweg in den beiden Grafschaften und er mündet kurz hinter Drogheda in die irische See.

Auf Irisch heißt das Tal Brú na Bóinne, was „Lagerstätte am Fluss Boyne“ bedeutet. Der Fluss wiederum verdankt seinen Namen der Göttin Bóinne. Neben den drei zum Weltkulturerbe ernannten jungsteinzeitlichen Grabstätten lohnen aber noch weitere Sehenswürdigkeiten einen Besuch. Zum Beispiel das Städtchen Trim, das sich weiter flussaufwärts befindet. Das Trim Castle aus dem 12. Jahrhundert wurde spätestens durch den hier gedrehten Film „Braveheart“ mit Mel Gibbson zu einem echten Publikumsmagnet. Oder der  Hill of Tara – in vorchristlicher Zeit der Sitz vieler irischer Könige. Nicht zu vergessen der Hill of Slane, der in direkter Verbindung mit der Christianisierung Irlands steht, denn hier entfachte der heilige St. Patrick im Jahre 433 n.Chr. trotz Verbots ein riesiges Osterfeuer.

Entscheidende Schlacht im Boyne Valley

Eine der wichtigsten Schlachten auf irischem Boden wurde am 12. Juli 1690 im Boyne Valley geschlagen – the Battle of the Boyne. Tatsächlich ging es aber um die britische Krone. Der abgesetzte katholische König Jakob wollte wieder an die Macht gelangen und forderte den neuen britischen König – den Protestanten Wilhelm von Oranien – heraus. Ihm zur Seite standen die ebenfalls protestantischen Nordiren. In der Nähe der heutigen Ortschaft Rosenaree im Boyne Valley zwischen Slane und Drogheda siegten die Protestanten über die zahlenmäßig unterlegene irische Armee unter dem katholischen König Jakob. Seit diesem Tag wird in Nordirland bis heute von den Traditionsverbänden der 12. Juli mit Paraden gefeiert.

Weltkulturerbe Newgrange, Knowth und Dowth

Newgrange liegt ungefähr 1 km nördlich des Flusses im Boyne Valley  nicht weit entfernt von der Stelle, wo the Battle of the Boyne stattfand. Das gigantische herzförmige Hügelgrab misst 90 m im Durchmesser und ist 11 m hoch. Im 12. Jahrhundert gehörten die Ländereien, auf denen das Hügelgrab stand, einem Kloster. Dieses gab der Umgebung den Namen Newgrange, was „neues Gehöft“ bedeutet und später Namensgeber für die Grabanlage wurde.

Um 1700 entdeckte der damalige Grundbesitzer einige Teile von Newgrange, im Verlauf der nächsten 250 Jahre kamen immer wieder neue Funde hinzu. Aber erst 1962 wurde die komplette Grabanlage nach knapp 5000 Jahren im Verborgenen vollständig erfasst und 15 Jahre lang restauriert. Die Megalithe, die einst die Grabanlage umgaben, sind nicht rekonstruiert worden. Der vor dem Eingang positionierte, reich verzierte Steinblock ist aber ein Originalteil. Auch die weißen Quarzitsteine, die den Eingang umrahmen, sollen in der Jungsteinzeit in der Form auch dort gewesen sein. Der gesamte Erdhügel wurde von einer 3 m hohen Stützwand aus Granit gehalten.

Der 20 m lange  Gang in die kreuzförmige Grabkammer hinein ist nur 1 m breit und wird heutzutage aus Sicherheitsgründen von Betonpfeilern gestützt. Die Hauptkammer besitzt ein sogenanntes Krag-Gewölbe mit einer sagenhaften Höhe von 6 m, die drei von ihr abgehenden Nebenkammern sind deutlich niedriger.

Von den beiden kleineren Vorläufer-Megalithenanlagen ist Knowth zu besichtigen, Dowth allerdings nicht. Knowth befindet sich nur einieg hundert m von Newgrange entfernt.

Das Phänomen der Wintersonnenwende in Newgrange

Mystisch wird es, wenn ma sich die Tatsache vor Augen hält, dass bereits die Menschen der Jungsteinzeit in der Lage waren, den Stand der Sonne mit in die Wirkung ihres Bauwerks einfließen zu lassen. So kann man bei günstigen Witterungsverhältnissen am 21.12. alljährlich das Schauspiel erleben, dass die Sonne durch den langen Gang direkt bis in die Haupt-Grabkammer scheint. Dabei halfen die Quarzitsteine an den Wänden und am Boden dabei, dass das eindringende Licht den Gang und die Kammer auf fast schon übernatürliche Weise erstrahlen ließen. Damit die Besucher von Newgrange eine Vorstellung von diesem magischen Moment erhalten, wird bei den Führungen mit Hilfe einer künstlichen Lichtquelle die Situation zur Wintersonnenwende simuliert.

Zur Information: Man kann Newgrange nicht auf eigene Faust erkunden, sondern nur mit einer Führung. Aber davon werden täglich mehrere angeboten.

Wie man sieht, gibt es viele Gründe, das Boyne Valley auf einer Irlandrundreise zu besuchen. Oder waren Sie bereits schon einmal dort? Wir freuen uns auf ihre Reiseberichte!

 

About the author

Tanja Riehm-Wagner

Überzeugte Nordeuropa-Fanfrau, die schon in Jugendzeiten Reisen nach Island, Norwegen, Finnland, Schweden und England mit ihrer Familie in den 1980er Jahren unternommen hat. Irland folgte in 1994. Später machte sie ihr Hobby zum Beruf. Sie lernte dabei mehrere Hurtigrutenschiffe kennen und ist jetzt begeisterte Reisebloggerin für ZeitRäume.

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