Vesterålen: die kleine Schwester der Lofoten

Vesterålen

Vesterålen in Nordnorwegen
Foto: Reinhard Pantke

Die Vesterålen (im Norwegischen in der Einzahl) steht oft im Schatten ihrer großen Schwester, der Inselgruppe der Lofoten. Dabei haben auch diese Inseln Einiges zu bieten. Sie besitzen zwar eine nicht ganz so spektakuläre Bergwelt, aber dafür sind sie zum Beispiel flächenmäßig fast doppelt so groß, es gibt dort also viel mehr zu entdecken! Und einige Bewohner auf den Vesterålen haben durchaus verstanden, wie man eine echte Attraktion über die Landesgrenzen hinaus bekannt macht: die sehr gut veranstalteten Walsafaris ab Andenes auf einer der drei Hauptinseln der Vesterålen sind der beste Beweis dafür. Trotzdem herrscht auf den Vesterålen längst nicht so ein touristischer Andrang wie auf den Lofoten, daher kann man hier auf alle Fälle noch von einem norwegischen Geheimtipp sprechen.

Die drei Hauptinseln der Vesterålen

Andøya, Langøya und Hadseløya heißen die drei größten Inseln der Vesterålen, betrachtet von Nord nach Süd. Erdgeschichtlich sind sie zwar mit den südwestlich von ihnen gelegenen Lofoten verwandt, aber haben trotzdem ein anderes Erscheinungsbild. Aus geologischer Sicht sind die Vesterålen sehr interessant, weil auf ihnen eines der ältesten Gesteine der Erde gefunden wurde, andererseits gibt es hier aber auch jüngere Gesteinsschichten, in denen man außer Fossilien sogar Kohle findet – die einzige Stelle in Norwegen! Das Archipel ist von Nord nach Süd ca. 150 km lang. Die ersten Siedlungsformen sind 6000 Jahre alt. Heutzutage leben in den sechs Gemeinden zusammengezählt um die 33.00o Menschen.
Ein echtes Markenzeichen der Vesterålen ist aber der oftmals strahlend weiße Sandstrand und das türkisfarbene Wasser.

Andøya ganz im Norden hat eine langgestreckte Form und eine eher weite, flache Landschaft, an deren Nordspitze Andenes liegt – der mittlerweile allseits bekannte Ort, wo die größeren Walbeobachtungstouren starten. Touristisch gesehen ist Andøya daher die am meisten frequentierte Insel.

Langøya liegt in der Mitte und hat die Form eines von allen Seiten tief eingeschnittenen Kreises. Auf ihr findet man gebirgsähnliche Berge und lange Fjorde. Ihre Landschaft ist der auf den Lofoten am ähnlichsten. Der Hauptort ist Sortland. Von hier führt eine lange Brücke ans Festland, unter der sogar die größten der Hurtigrutenschiffe hindurchpassen.

Hadseløya ist die südlichste der Vesterålen-Inseln. Sie ist zwar auch annähernd kreisförmig, hat aber keine tief eingeschnittenen Fjorde. Auf Hadseløya liegt im Süden die Ortschaft Stokmarknes, wo sich zum Beispiel das Hurtigrutenmuseum befindet.

Das Hurtigrutenmuseum in Stokmarknes

Vesterålen

Hurtigrutenmuseum in Stokmarknes
Foto: Klaus Becker

Stokmarknes hat ungefähr 3500 Einwohner und ist der Sitz der Gemeinde Hadsel. Bereits seit 1776 ist Stokmarknes ein eingetragenes Handelszentrum, im 19. und 20. Jahrhundert fand jedes Jahr im Sommer ein großes Markttreiben statt, das viele Norweger aus Nah und Fern anlockte. Leider gibt es diese Tradition seit dem 2. Weltkrieg nicht mehr. Immerhin konnte die Idee der 1881 von Richard With gegründeten norwegischen Dampfschiffreederei erhalten und sogar zu einer Idee mit Weltruhm werden. Es handelt sich dabei um den Vorgänger der 1893 gegründeten Postschifflinie Hurtigruten. Heutzutage ist diese auch als „schönste Seereise der Welt“ bekannt und fest in der norwegischen Linienschiffahrt etabliert.  365 Tage im Jahr fahren die 11 Schiffe der Flotte entlang der norwegischen Küste von Bergen nach Kirkenes und zurück. Sie verbinden dabei teilweise schwer zugänglichen Ortschaften auf dem Wasserweg auf schnelle und unkomplizierte Weise miteinander.

In Stokmarknes erinnert bereits am Hafenanleger ein Standbild von Richard With an dessen überragende Bedeutung für Norwegen. Hier hat auch die 1956 erbaute MS Finnmarken, die im Dienst der Postschifflinie stand, einen immerwährenden Liegeplatz, da sie jetzt als Museumsschiff genutzt wird. Sie wurde 1999 umfassend renoviert und kann seitdem besichtigt werden. Auf dem Hafengelände befindet sich außerdem das zum 100jährigen Bestehen 1993 eröffnete Hurtigrutenmuseum. Das drei Stockwerke große Gebäude zeigt in aller Ausführlichkeit die Geschichte der Postschifflinie in Norwegen in vielen Texten und Bildern, einer Diashow sowie Schiffsmodellen und alten Filmen.

Stokmarknes und die gesamte Inselgruppe der Vesterålen kann man sehr schön auf den beiden ZeitRäume-Norwegenreisen „Inselzauber Lofoten und Vesterålen“ (Autorundreise) sowie „Inselarchipel Lofoten und Vesterålen“ (Busrundreise) kennen lernen. Es besteht außerdem die Möglichkeit, die Vesterålen während eines Landausflugs auf einer südgehenden Hurtigrutenreise zu besuchen.

 

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Klaus Becker

In Tromsø schon mal den Bus zum Schiff verpasst und richtig viel Spaß bei einer samischen Familie gehabt, in Schottland schon mal versucht, alle Malt Whiskys zu probieren. Im echten Leben aber Geschäftsführer und Blogger mit Leidenschaft.

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