Roscommon – die fast vergessene Grafschaft und Stadt in Irland

Roscommon

Roscommon Castle
Foto: Chris Hill/ Tourism Ireland

Roscommon – eine meist von Reiseführern missachtete und auf Rundreisen umgangene Gegend in Irland. Zu Unrecht! Denn diese Grafschaft, nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Hauptstadt Roscommon, hat so Einiges zu bieten. Sie liegt im Nordwesten von Irland in der Provinz Connacht, umgeben von all den Küstenregionen, die bessere landschaftliche Highlights zu haben scheinen. Da wird eine solche Region, die nicht mit der Nähe zum Meer punkten kann, leider zu oft übersehen. Doch es wäre schade, sich Roscommon entgehen zu lassen. Der Name „Coman“ stammt von dem heiligen Coman, der  an der Stelle der Hauptstadt Roscommon im 6. Jahrhundert ein Kloster gegründet hatte. „Ros“ bedeutet so viel wie Wald. Demnach steht Roscommon für „Comans Wald“. Mit einer Fläche von rund 2.500 Quadratkilometern auf der gerade einmal 51.800 Einwohner leben, bietet Roscommon den perfekten Platz in Irland für Ruhe und Erholung. Eingegrenzt wird die Grafschaft von den Flüssen Shannon im Osten und Suck im Westen. Die idyllische Landschaft mit vielen Seen, Flüssen und Wäldern, bietet viel Raum für zahlreiche Outdoor Aktivitäten wie Angeln, Bootfahren oder Reiten. Außerdem gibt die Region mit ihren Burgen, Schlössern und Legenden auch tiefe Einblicke in die Geschichte der Iren. Auch kulinarische und kulturelle Erlebnisse kommen hier nicht zu kurz. Warum sich eine Reise nach Roscommon lohnt und was man einfach nicht verpassen sollte, haben wir zusammengestellt:

Roscommon erzählt eine aufregende Geschichte mit mittelalterlichen Schätzen und Mythen, die tief in die alte Zeit hineinragen

Roscommon Castle, ein imposantes normannisches Schloss aus dem 13. Jahrhundert, ist das Wahrzeichen der historischen Stadt Roscommon. Erbaut wurde es 1269 von Robert de Ufford und wechselte von dort an ständig den Besitzer. Mal war das Schloss in den Händen der Engländer, dann besaßen es die Iren, dann wieder die Engländer und so weiter…  bis es 1690 schließlich niedergebrannt wurde. Heute kann man die Geschichte des Schlosses, das auf einem Hügel im Norden der Stadt liegt, bei einem Rundgang näher entdecken. Große Teile der Außenmauer des Schlosses sind gut erhalten geblieben. Rundherum liegt ein Naherholungsgebiet von 14 Hektar, das mit seiner beeindruckenden Flora und Fauna, einem Aussichtspunkt und vielen Attraktionen für Kinder zu einem gemütlichen Sonntagsspaziergang einlädt.

Eine Viertelstunde südlich von Roscommon liegt bzw. lag Rindoon. Rindoon war eine fast völlig  zerstörte mittelalterliche Stadt, die 1227 von King Henry III erbaut wurde und rund 1000 Einwohner hatte. Sie war längst vergessen – 650 Jahre lang – bis sie von der St. John’s Parish Heritage Group entdeckt wurde und diese mit der Bewahrung der Überreste begann. Teile der Stadtmauer, der Pfarrkirche, des Krankenhauses, eine Windmühle und drei Türme konnten somit wieder hergerichtet werden. Ein Rundweg führt heute Touristen durch die einst vergessene Stadt Rindoon. Seit 2007 reisen mehr und mehr Interessenten nach Irland, um genau diesen historischen Schatz zu erkunden.

Etwas weiter nördlich von Roscommon stößt man auf Rathcroghan. Diese rätselhafte Gegend ist voller Spiritualität und Mythen aus der alten Zeit. Es handelt sich hierbei um eine Stadt, die über 6000 Jahre bewohnt wurde – von der Jungsteinzeit über die Bronzezeit bis hin zur Eisenzeit. Doch Rathcroghan ist nicht wie jede andere archäologische Fundstätte in Irland. Welche bedeutenden Monumente und welche rätselhaften Legenden über keltische Gottheiten oder Könige Rathcroghan bereithält, erfährt man am besten während einer geführten Tour. „Die Tour führte uns tief zu wundervollen Plätzen, die sonst unentdeckt geblieben wären. Tiefe Eindrücke erhielten wir im physischen Sinne aber auch zum historischen und mythischen Hintergrund. Eindrucksvolle Plätze, die ohne Führung nur reine Erdarbeiten auf einem Feld wären.” (Elyn Aviva & Gary White)

Roscommon

Boyle Abbey in der Grafschaft Roscommon
Foto: Chris Hill/Tourism Ireland

In der Stadt Boyle, die im Norden von Roscommon liegt, trifft man auf die Boyle Abbey. Boyle Abbey ist ein interessantes Beispiel der vielen klösterlichen Hinterlassenschaften in Irland aus dem Mittelalter. Alte römische und gotische Architektur kann hier bewundert werden. Diese architektonische Pracht macht Boyle Abbey zu einem der feinsten Reste mittelalterlicher Kunst, die bis heute in Irland überlebt haben. Die Abteikirche wurde zwischen 1160 und 1220 erbaut. Sie wurde im 16. Jahrhundert jedoch zu einer militärischen Festung und erlebte seit dem viele Überfälle, Brände und Plünderungen. Dennoch sind heute das Hauptschiff und die südliche Arkade fast vollständig erhalten. Auch detailreiche Verzierungen auf den Säulen sind noch gut erkennbar. Ein Hahnenkampf, Hunde und Männer, die einen Baum tragen, werden hier gezeigt. Heute befindet sich die Kirche im Wiederaufbau. Die imposanten Türme, alten Spitzbogenfenster und der alte Kamin werden hier bald vereint mit gläsernen Fronten und moderner Architektur.

Roscommon besitzt prunkvolle Häuser, die ein Symbol des Status und Wohlstands der alten Grafen und Könige sind

Etwas nordwestlich von Roscommon liegt der Ort Castlerea. Hier kann man nicht nur vielfältige Freizeitangebote nutzen, unbedingt besucht werden muss auch das Clonalis House. Dieses beeindruckende Herrenhaus war in früherer Zeit Stammsitz der O´Conors, die mehrere Hochkönige und Könige von Connacht stellten. Es wurde im 19. Jahrhundert in einem prachtvollen viktorianischen Stil erbaut und ist umgeben von einem riesigen, wunderschön angelegten Park. Heute ist es neu renoviert, hat jedoch den ursprünglichen Stil mit den originalen Möbeln, der Kunstkollektion und der Bücherei mit rund 7000 Büchern, die bis ins 17. Jahrhundert reichen, behalten. Wer eine gehobene Unterkunft in Irland sucht, ist hier genau richtig. Das Herrenhaus bietet nicht nur tägliche Führungen, sondern auch eine Bed & Breakfast Unterkunft oder Selbstverpflegung- Apartments. Die mit viel Liebe unterschiedlich gestalteten Zimmer bieten viel Komfort und während eines Aufenthaltes kann die heimische Atmosphäre und die interessante Geschichte des Hauses näher erlebt werden.

Ebenfalls von historischer und architektonischer Wichtigkeit ist das King House in Boyle. Es ist ein prachtvolles Herrenhaus, das um 1730 von Sir Henry King erbaut wurde. Die hohen Decken, der steinerne Boden und die dreigliedrigen Fenster zeigen, dass dieses Haus einst ein Statussymbol war.  Später wurde es eine militärische Kaserne. Heute beherbergt das Haus eine Galerie und ein „Museum zum Anfassen“, das tiefe Einblicke in das Erbe und die Kultur der Iren bietet. Man kann versuchen, mit einem Federkiel zu schreiben und alte irische Umhänge anlegen. Hier findet auch jedes Jahr im Sommer das Boyle Arts Festival statt. Neben vielen Kunstausstellungen, werden hier die Besucher durch  Konzerte, Events und Vorträge verzaubert.

Welche weiteren Highlights in Roscommon darauf warten, entdeckt zu werden, erfahren Sie auf unserem Blog in Kürze!

Wollen Sie Roscommon einmal selbst besuchen? Man kann diese Grafschaft in viele unserer Irland-Mietwagenrundreisen problemlos einbinden.

About the author

Klaus Becker

In Tromsø schon mal den Bus zum Schiff verpasst und richtig viel Spaß bei einer samischen Familie gehabt, in Schottland schon mal versucht, alle Malt Whiskys zu probieren. Im echten Leben aber Geschäftsführer und Blogger mit Leidenschaft.

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