Die Magie des Lichtes – Die Lofoten erleben – Teil 1

Lofoten erleben

Reine auf den Lofoten
Foto: Reinhard Pantke

Die Lofoten erleben viele Menschen auf ähnliche Weise: „Noch nie habe ich so klare Farben gesehen! Die weißen Schneefelder an den blauen Bergen und das Grün so saftig. In leuchtenden Flecken und Strahlen erscheint das Spiegelbild im stillen Fjord. Es ist ein Bild einer Märchen-Phantasie; hier muss der Ort sein, wo die Prinzessin verzaubert wurde“. So beschrieb der Künstler Theodor Kittelsen, im 19. Jahrhundert die „Luchsfüsse“ . Auch heute haben die Inseln nichts von ihrer Faszination verloren und werden jeden in ihren Bann ziehen. Zusammen mit einem Freund erkundete der Globetrotter Reinhard Pantke das Inselreich der Lofoten im hohen Norden von Norwegen. Reinhard Pantke erlebt all seine Reiseziele per Fahrrad. Wer weniger sportliche Ambitionen hat, kann natürlich auch eine der vielen Touren von ZeitRäume ZR-Reisen ausprobieren, zum Beispiel die Autorundreise „Norwegen – Inselzauber Lofoten und Vesterålen„.

Die Lofoten erleben – auf aktive Weise

Svolvær ist unser Ausgangspunkt für die Erkundung der Inselwelt. Man erreicht den Ort sowohl mit Auto – als auch mit Personenfähren vom Festland aus. Mir persönlich gefällt das ein paar Kilometer westlich gelegene, beschauliche, alte Inselhauptstädtchen Kabelvåg, etwas besser. Direkt an der Hauptstraße liegt auch die große Holz-Kathedrale, die mehr als 1.200 Menschen Platz bietet. Wer die Lofoten und die Bedeutung des Fischfangs für die Insulaner besser verstehen will, sollte sich das nahe gelegene „Lofot Museet“ anschauen, wo man beeindruckende Einblicke in das entbehrungsreiche Leben der Fischer bekommt.

Henningsvær

An der Abzweigung nach Henningsvær liegt ein traumhafter, weißer Sandstrand: Glasklares Wasser verlockt zu einem Bad. Bei Windstille kommen fast mediterrane Gefühle auf, aber jeder, der mal einen Zeh in das Wasser gehalten hat, wird schnell wieder in die nordische Realität zurückgeholt! Auch die seichten Buchten an der geschützten Innenseite werden in guten Sommern nicht wärmer als 15 oder 16 Grad! An der ungeschützten Westseite der Inseln kann man sogar nur „Eisbärenwohlfühl-Temperaturen“ von 12 Grad erwarten – aber trotzdem ist der Gedanke verlockend; wer kann von sich behaupten, dass er mal 150 km nördlich des Polarkreises ins Wasser „gehüpft“ ist? Weiter als bis zur Hüfte wagen wir uns trotzdem nicht rein …

Lofoten erleben

Henningsvær auf den Lofoten
Foto: Reinhard Pantke

Auch die folgenden 8 Kilometer nach Henningsvær sind märchenhaft schön: Die schmale Straße windet sich zwischen Felsblöcken, vorbei an stillen Buchten mit durchsichtig klarem Wasser, dass verlockend blau oder grün in der Sonne blitzt. Irgendwo ziehen Paddler durch das Wasser und direkt neben der Straße erproben Kletterer ihr Geschick an den senkrecht abfallenden Granitwänden, im nahe gelegenen Henningsvær hat die nordnorwegische Kletterschule ihren Sitz. Der sich über mehrere Fels-Inseln erstreckende Fischereiort wird als das „Venedig des Nordens“ bezeichnet und zieht Künstler aus aller Welt an.

Vor dem Hintergrund der hohen Berge breitet sich ein bunter Ort mit familiären Fischereibetrieben, Booten, Cafés und vielfältigen Galerien aus. Henningsvaer ist noch heute ein lebendiges Fischerdorf: Im kleinen Hafen liegen hölzerne Fischerboote neben schnittigen Segelyachten und Speedbooten. Wer an einem sonnigen Sommerabend in einem der Cafés in den Schein der Mitternachtssonne blinzelt, wird kaum das Vorurteil vom kalten und dunklen Norwegen bestätigen können. Tatsächlich hat diese Region der Erde mehr Licht als jede andere, da die Dämmerungsphasen extrem lang sind und es selbst in der Zeit der winterlichen Polarnacht tagsüber nicht wirklich dunkel ist. Im Ort gibt es einige Galerien, wie z.B. die des Malers Erik Harr, der imposante Einblicke in die Naturgewalten der Lofoten gibt. Bevor es zur Hauptstraße zurückgeht, statten wir dem „Fiskekrogen“, dem bekanntesten Restaurant auf den Lofoten einen Besuch ab. Um das Vergnügen nicht zu schmälern verzichten wir darauf den Preis umzurechnen wie heißt es doch in einem Reiseführer: „Selbst der Sultan von Brunei zuckt zusammen angesichts der Preise in Norwegen“ … Das Mahl wird heruntergespült mit einem Bier am Hafen, jetzt zur Happy Hour kostet es „nur“ 8,- Euro …

Lofoten erleben

Haukland auf den Lofoten
Foto: Reinhard Pantke

Richtung Stamsund

Zurück zur Hauptstraße geht es munter rauf und runter. Doch von den kleinen Anhöhen und hohen Brücken hat man umso bessere Ausblicke auf die wunderschöne Küstenlinie. Es ist fast windstill, das Thermometer zeigt 21 Grad an, ich muss mir immer wieder klarmachen wie weit im Norden wir eigentlich unterwegs sind – auf gleicher Breitenlage findet man sonst in Grönland oder Sibirien Eisberge oder Permafrostboden! Bald kann man die etwas stärker befahrene Europastraße verlassen und auf einer schmalen Nebenstraße fast immer am Meer entlang in Richtung Stamsund radeln. Auf den nächsten 45 km begegnen uns nur wenige Autos.

Die nächste größere Ortschaft Stamsund ist ein geschäftiger Fischerort und zweiter Halteplatz der Hurtigruten-Schiffe auf den Lofoteninseln. Noch heute gibt es am Hafen alte, rustikale Rorbuerhütten, die früher während der Fangzeit von den Fischern bewohnt wurden. Heute werden sie von Touristen gemietet und sind ein perfekter Platz um die Seele baumeln zu lassen! Einmal in den Schaukelstuhl ans Fenster gesetzt und unter Garantie hat ein paar Minuten später etwas angebissen! Oder man schaut einfach nur den Fischern beim Entladen ihrer Boote zu.

Von hier aus radeln wir über eine kleine Anhöhe mit 130 Höhenmetern hinüber in den modernen Verwaltungsort Leknes. Viele, die gedanklich Radfahren und Norwegen im Kopf verbinden, denken ja zunächst einmal an die hohen Pässe im Süden des Landes. Auch wenn es auf den Lofoten zahlreiche Berge gibt, die höher als 1.000 m sind, so führen die Straßen hier am Fuße der Berge entlang und es gibt keine Straßenerhebungen, die höher als 130 Meter über dem Meeresspiegel liegen.

Text: Reinhard Pantke, überarbeitet von Tanja Riehm-Wagner

About the author

Reinhard Pantke

Der Globetrotter Reinhard Pantke (Jahrgang 67) erlebt seine Reiseziele grundsätzlich nur mit Fahrrad und Rucksack. Neben Fahrradtouren durch Norwegen (17x), Schweden, Island (3x), Schottland, England, Neuseeland (3x) und einigen Südseeinseln und den Kanaren war er auch in Kanada und Alaska unterwegs. Im Verlauf dieser Touren legte er in den letzten Jahren insgesamt 160.000 km per Fahrrad zurück.
Neben Artikeln in regionalen und überregionalen Zeitungen und Magazinen, Kalendern, Buchbeiträgen und Austellungen ist Reinhard Pantke auch Autor verschiedener Bildbände über Norwegen und Kanada. Im Jahr 2009 hatte der Abenteuerer bereits Kanada von Westen nach Osten durchquert. Seine große Leidenschaft ist Skandinavien, aktuell tourt er 3 Monate durch Schweden und Norwegen.

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