Was haben Islands Badekultur und ein Schottenrock gemeinsam?

Islands Badekultur

Baden im warmen Natur-Fluss
Foto: Icelandic Tourist Board /Randall Hyman

Islands Badekultur ist keine Erfindung des Spa-Zeitalters. Heiße Quellen gibt es schon seit Jahrtausenden auf dieser Nordatlantikinsel. Was liegt da näher als diese auch zum Baden zu nutzen?! So kam es, dass die Isländer bereits im Mittelalter ihrer Zeit schon weit voraus waren. Der isländische Autor und Historiker Snorri Sturluson genoss bereits im 12. Jahrhundert ein – wie er es nannte – „Einweichbad“. Dazu baute man ihm ein Becken, das mit dem Wasser einer warmen Quelle befüllt wurde. Nicht viel später existierten bereits 13 Schwimmbäder auf der Insel aus Feuer und Eis, vier davon findet man sogar heute noch! Im Jahr 2010 hatte das dünn besiedelte Island – es leben hier ungefähr 320.000 Menschen – stolze 169 Schwimmbäder, von denen 138 geothermal beheizt und die meisten Freibäder sind.
Schwimmen und Baden gehören zu Island wie der Schottenrock zu Schottland!

Islands Badekultur bietet viel Abwechslung

Baden und Schwimmen ist auf Island ein gesellschaftliches Ereignis. So wie man in anderen Ländern in eine Kneipe geht, besuchen die Isländer gemeinsam mit Freunden und der Familie sehr gern ihre Thermalbäder. Islands Badekultur ist das Hobby der Nation, ihre „heittar pottur“ sind ihnen heilig!

Das besondere an Islands Schwimmbädern ist das natürlich warme Wasser, das eher zum Plantschen und Relaxen einlädt als zum Sportschwimmen. Denn dazu ist es eigentlich schon zu warm! Aber es gibt ja auch einige unbeheizte Freibäder, die von den Sportschwimmern genutzt werden können. Übrigens drehen die wirklich abgehärteten Schwimmer auch gern mal eine Runde im kalten Atlantik! Wobei sogar einige wenige Stellen in Küstennähe, die durch dort austretende heiße Quellen so erwärmt sind, dass man sich wie in der Karibik fühlt: Klares, warmes Wasser und feiner weißer Sand! Ein solcher Strand befindet sich sogar ganz in der Nähe von Reykjavik!

Im Landesinneren begeistern große und kleine Wasserfans einige warme, glasklare Flüsse. Glasklar sind sie, weil der Untergrund aus Kies besteht und in diesen warmen Flüssen außerdem so gut wie keine Lebewesen vorkommen. Dies könnte auch an den verschiedenen Mineralien liegen, die hier gelöst sind.

Die Konzentration an Mineralien ist in den beiden berühmtesten Thermalbädern – der Blauen Lagune in der Nähe von Reykjavik und dem Myvatn-Naturbad Jardbodin – jedoch noch um ein Vielfaches höher. Die Mineralien sind ein wahrer Jungbrunnen für die Haut! Auch viele Menschen mit gesundheitlichen Problemen, wie zum Beispiel Hautkrankheiten, nutzen die heilenden Kräfte dieser Mineralienbäder.

Islands Badekultur

Die Blau Lagune auf der Halbinsel Reykjanes
Foto: Ragnar Th. Sigurdsson

Die Blaue Lagune – ein Abwassersee?!

Es handelt sich bei der Blauen Lagune tatsächlich um den Abwassersalzsee des geothermischen Kraftwerks Svartsengi auf der Halbinsel Reykjanes bei Reykjavik! Die dortige Umgebung ist reich an Heißwasserquellen, die bis zu 240 °C heißen Wasserdampf produzieren, der wiederum dafür genutzt wird, Süßwasser für Heizungsanlagen der umliegenden Ortschaften zu erhitzen. Sogar der nicht weit entfernte größte Flughafen Islands in Keflavik wird mit Hilfe des Svartsengi-Kraftwerks beheizt. Da hier eine so große Menge an heißem Dampf zur Verfügung steht, kann damit zusätzlich eine Turbine zur Stromgewinnung angetrieben werden.  Auch wenn es ein Abfallprodukt ist, tut das der gesunden Wirkung dieses Wasser keinen Abbruch. Im Jahre 1982 wurde das milchig-hellblaue Wasser genauestens analysiert und seine Wirkung getestet. Dabei stellte man fest, dass es tatsächlich bei einigen Hauterkrankungen eine Linderung verschafft.

Die Blaue Lagune ist unbestritten eine der Hauptattraktionen von Islands Badekultur. Die Umbaumaßnahmen, die 1999 abgeschlossen wurden, werteten das Thermalbad unter freiem Himmel architektonisch enorm auf. Die Natürlichkeit der Badebucht blieb dabei so gut erhalten, dass die Blaue Lagune sogar mit einem Umweltpreis ausgezeichnet wurde. Denn es handelte sich schon seit seiner Existenz um kein von Menschenhand erschaffenes Becken, sondern um eines mit natürlichem Untergrund aus ganz feinem, aber relativ festen Schlamm, der durch die Ablagerung der Mineralien entstanden ist. Auch Nichtschwimmer können bedenkenlos in der Bucht baden gehen, denn man kann als Erwachsener an den meisten Stellen stehen. Die Badetemperatur beträgt immer 38°C, man kann hier also auch im Winter Islands Badekultur ausleben.

Islands Badekultur

Myvatn Naturbad Jardbodin
Foto: Iceland.is

Das Myvatn Naturbad Jardbodin

Das 2004 am See Myvatn im Nordosten Islands wieder eröffnete Naturbad Jardbodin ist zwar nicht so groß wie die Blaue Lagune auf Reykjanes, aber es ist genauso mineralienhaltig und gesundheitsfördernd. Islands Badekultur können Einheimische und Gäste seit 1950 an dieser Stelle ausleben. Es begann nicht nur mit dem ebenfalls naturgegebenen Warmwasserbecken, sondern  es enstand dort auch ein Dampfbad, das zwischenzeitlich mehrere Jahre nicht betrieben wurde, aber seit 1996 wieder existiert.

„Pack die Badehose ein …“

Wasserratten sollten auf einer Islandrundreise ihr Handtuch und die Badesachen immer griffbereit haben, denn es gibt neben den öffentlichen Thermalbädern auch viele unscheinbare und gut versteckte Warmwasserbecken mitten in der freien Natur, teilweise in kleinen Höhlen, die oft nur sparsam ausgeschildert, aber dennoch sagenhaft schön sind! Hat man allerdings selbst eine solche Stelle neu entdeckt, ist dringend davon abzuraten, diese einfach alleine auszuprobieren, denn diese Becken können auch ungeahnte Gefahren bieten, wie zum Beispiel versteckte Quellen, die so heiß sind, dass man sich an ihnen verbrüht.

Heiße Quellen als Energielieferanten

Mal abgesehen von den Vorteilen für Islands Badekultur bieten die heißen Quellen auch riesige Vorteile für die Energiewirtschaft. Es gibt weltweit nur wenige Länder, die so reich von der Mutter Natur mit nutzbarer geothermaler Energie beschenkt wurden wie Island. Auch der Bedarf an Elektrizität wird zum großen Teil aus erneuerbarer Energie gedeckt. Für 90% der Gebäude Islands kann zur Beheizung auf fossile Brennstoffe verzichtet werden.

In Konkurrenz befinden sich die beiden Nutzungsformen zum Glück nicht, denn es gibt auf Island heiße Quellen in Hülle und Fülle. Die gesamte Insel ist geprägt von der Gluthitze des Erdinneren : Ob als heißes Wasser oder flüssige Lava.

Machen Sie sich auf einer Islandrundreise selbst ein Bild davon, wie die Kraft der Natur diese sagenhafte Insel aus Feuer und Eis geformt hat. Und genießen Sie unbedingt Islands Badekultur ganz nach Manier der Einheimischen in einem „heittar pottur“.

 

About the author

Tanja Riehm-Wagner

Überzeugte Nordeuropa-Fanfrau, die schon in Jugendzeiten Reisen nach Island, Norwegen, Finnland, Schweden und England mit ihrer Familie in den 1980er Jahren unternommen hat. Irland folgte in 1994. Später machte sie ihr Hobby zum Beruf. Sie lernte dabei mehrere Hurtigrutenschiffe kennen und ist jetzt begeisterte Reisebloggerin für ZeitRäume.

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