Reiseerlebnisse mit Schwedens Inlandsbanan

Inlandsbanan

Individuelle Haltestelle der Inlandsbanan mitten auf einer Brücke
Foto: Reinhard Pantke

Irgendwo auf freier Strecke hält der Zug scheinbar grundlos und aus einem im Wald versteckten, roten Holz-Häuschen schlendert eine Frau mit einem großen Korb Kartoffeln heran. Die Zugbegleiterin umarmt sie und erklärt uns gleich danach: „Das ist nur meine Mutter, immer wenn ich Dienst habe und vorbei komme, bringt sie mir einige der besten Kartoffeln Schwedens!“ In Deutschland wäre diese Szene wohl undenkbar, aber wir sind hier in der Wildnis Nordschwedens! Aber unsere Zugbegleiterin ist noch für viel mehr zuständig: Sie versorgt uns lebendig und mehrsprachig mit wissenswerten Details, Kaffee, guter Laune und singt auch schon mal mit einigen stimmgewaltigen Mitreisenden die lokale Hymnen. Die Hintergrundmelodie der Fahrt ist nur das meditativ-monotone Rattern und Klackern des Zugs, das gelegentlich unterbrochen wird durch lautes Hupen, mit dem man die Rentiere verscheucht, die wenig scheu an oder direkt auf der Bahntrasse stehen. Manchmal steigt der Lokführer noch persönlich aus, um Weichen oder Signale an der Strecke umzustellen oder Pakete einzusammeln und auszuliefern.

 Wissenswertes über die Inlandsbanan

Die insgesamt fast 1.300 km lange Inlandsbanan führt von Kristinehamn nach Gälliväre, wo sie mit dem Erz-Eisenbahnnetz und Norwegen verbunden ist. Einige Abschnitte werden heute für den Güterverkehr genutzt. Zwischen Anfang Juni und Ende August verkehren die Personenzüge zwischen Mora Östersund (1. Tag) und Östersund und Gälliväre (Tag 2). Im Winter fahren die Züge zum Samen-Markt in Jokkmokk. Die Richtung ist beliebig zu wählen, es gibt Pässe zu kaufen, die das Befahren über längere Zeiträume ermöglichen.

Inlandsbanan

Inlandsbanan – Treffen
Foto: Reinhard Pantke

Nachdem man den Passagiertransport auf der Strecke der Inlandsbanan in den 1990er Jahren offiziell eingestellt hatte, waren die Proteste der Schweden so groß, dass man sich dazu entschloss, zwischen Anfang Juni und Ende August einen regelmäßigen Liniendienst mit maximal zwei täglichen Verbindungen zwischen Mora und Gälliväre durchzuführen. Man sollte dabei die lange Bahnfahrt jedoch nicht als Möglichkeit sehen, schnell ans Ziel zu gelangen. Die Fahrt mit der Inlandsbanan in das Reich der Mitternachtssonne ist ein „Transportereignis“, das geneigten Reisenden Einblicke in die vielfältigen Landschaften bietet, die zwischen Mittelschweden und Lappland liegen.

Allein für das 900 km lange Teilstück zwischen Östersund und Mora braucht der Zug 16 Stunden. Am Wegesrand liegen riesige Wälder, unzählige in der Sonne glitzernde Seen, dunkle Moore und kleine verschlafene Orte, von denen man vermutlich noch nie etwas gehört hat. Immer wieder stoppt der Zug: Mal wegen einer Kaffeepause an einem kleinen Cafe, mal wegen dem Besuch eines Museums oder einfach mal, um eine (unbewohnte!) Bärenhöhle entlang der Strecke zu bestaunen.

So vielfältig wie die Landschaften sind auch die Mitfahrer: Wildnis-Wanderer mit riesigen Rucksäcken sitzen neben alten Leuten, die nur mal für für ein paar Tage zu ihrer Hütte in den Bergen fahren und Einheimischen mit Aktenkoffern, die nur ein paar Stationen mitfahren.

Inlandsbanan

Scheitelpunkt auf der Inlandsbananstrecke
Foto: Reinhard Pantke

Lohnenswerter Zwischenstopp in Östersund und im Nirgendwo

Auch die lebendige Kleinstadt Östersund, die am großen See Storsjön liegt, ist in jedem Fall einen längeren Zwischenstopp wert: 20 km entfernt liegt der „Moosegarden“, in dem man handzahme große und kleine Elche bestaunen, anfassen und füttern kann. Im Freilichtmuseum von Jamtli, am Stadtrand von Östersund, macht man eine Reise in die Zeit, als Östersund im 19. Jahrhundert Grenzstadt am Rande der Wildnis war. In den historischen Kulissen agieren in alten Kostümen Schauspieler und für kurze Zeit begeistert im Sommer ein Wikingermarkt.

Wenn die Sonne lacht und man dem Fahrplan nicht hinterherfährt, lässt man die Passagiere auch schon mal ohne Haltestelle  mitten in der Wildnis aussteigen, damit sie sich die Beine vertreten können oder das spektakuläre Wildwasser eines Flusses bewundern können. Aber auch der Stopp auf einer der vielen Eisenbahnbrücken ist sehr beliebt!

Das wäre ja vielleicht auch mal eine Anregung für die Deutsche Bahn, falls es mal wieder nicht so gut läuft … Alles ist etwas entspannter im hohen Norden und so eröffnen sich stets neue Horizonte für alle Freunde des langsamen Reisens.

Doch gehen Sie einfach selbst mal auf Entdeckungsfahrt in die unendlichen Weiten des wilden, schwedischen Nordens – zum Beispiel mit einer ZeitRäume-Reise nach Schweden oder Lappland.

Text: Reinhard Pantke, überarbeitet von Tanja Riehm-Wagner

 

About the author

Reinhard Pantke

Der Globetrotter Reinhard Pantke (Jahrgang 67) erlebt seine Reiseziele grundsätzlich nur mit Fahrrad und Rucksack. Neben Fahrradtouren durch Norwegen (17x), Schweden, Island (3x), Schottland, England, Neuseeland (3x) und einigen Südseeinseln und den Kanaren war er auch in Kanada und Alaska unterwegs. Im Verlauf dieser Touren legte er in den letzten Jahren insgesamt 160.000 km per Fahrrad zurück.
Neben Artikeln in regionalen und überregionalen Zeitungen und Magazinen, Kalendern, Buchbeiträgen und Austellungen ist Reinhard Pantke auch Autor verschiedener Bildbände über Norwegen und Kanada. Im Jahr 2009 hatte der Abenteuerer bereits Kanada von Westen nach Osten durchquert. Seine große Leidenschaft ist Skandinavien, aktuell tourt er 3 Monate durch Schweden und Norwegen.

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