Extravagantes Island: Necropants und Penismuseum

Extravagantes Island

Necropants im Museum Strandagaldur
Foto: Bernard McManus/ Flickr

Extravagantes Island – das trifft in vielen Bereichen auf diese Insel im Nordatlantik zu. Island ist nicht nur räumlich der am weitesten vom Festland entfernte Teil Europas. Island ist in vielen Dingen außergewöhnlich. Am auffälligsten ist die Landschaft dieser erdgeschichtlich noch jungen Insel. Sie ist geprägt vom Vulkanismus und den heißen Wasserquellen. Aber auch die Kultur ist in vielen Bereichen anders als im europäischen Durchschnitt. Aufgrund der oft unwirtlichen Witterungsbedingungen, war und ist auch heute noch die Literatur sehr wichtig. Isländer denken sehr frei, Liberalität ist ihnen sehr wichtig. Bestes Beispiel ist das Parlament von Þingvellir, das das älteste demokratische Parlament Europas, wahrscheinlich sogar der gesamten Welt ist. Island ist auch heute sehr modern und gibt viele Impulse, auch in der Kunst- und Musikszene.

So existiert zum Beispiel im Nordwesten Islands das Strandagaldur – Museum of Icelandic sorcery and witchcraft, in dem eine weltweit einmalige Hose aus echter Haut, genannt Necropants, ausgestellt ist. Und in dem isländischen Phallusmuseum in Reykjavik und in Husavik findet man eine große Sammlung präparierter Penisse.

Extravagantes Island – wie es dazu kam

Aufgrund der isolierten Lage Islands haben sich im Verlauf der Jahrhunderte viele Bereiche sehr autark entwickelt , ohne großen Einfluss anderer Länder. Im Gegenzug sind sie aber auch in einigen Dingen länger  auf einem Stand stehengeblieben, eben weil kein Einfluss anderer Völker hinzukam. Dies ist besonders gut an der Sprache zu sehen, denn Isländisch ist dem Altnordischen, das früher in allen nordischen Ländern gesprochen wurde, am ähnlichsten geblieben. So sind viele Isländer von heute in der Lage, altnordische Sagen aus dem 10. Jahrhundert in der Urversion zu lesen. Die Rückbesinnung auf die alte Sprache begann im 18. Jahrhundert als die Dänen Island besetzten – und hält bis heute an. Isländer erfinden lieber neue Wörter oder geben alten Wörtern eine neue Bedeutung anstatt sie von anderen Ländern zu übernehmen.

Auch bei der Namensgebung für Personen zeigt sich ein extravagantes Island. Der Nachname ist geschlechterspezifisch, er endet bei allen Mädchen und Frauen auf „-dottir“ für Tochter und bei allen Jungen und Männern auf „-son“  für Sohn. Davor steht entweder der Vorname des Vaters oder der Mutter.  Zum Beispiel lautet der Nachname eines Sohn von einem Mann, der Stefan mit Vornamen heißt, Stefansson, der Sohn des Stefan. In letzter Zeit setzt sich allerdings dabei immer mehr der Vorname der Mutter durch. Eine Gemeinsamkeit hat Island allerdings mit anderen nordeuropäischen Ländern: Die Menschen sprechen sich ausnahmslos immer nur mit dem Vornamen an, das gilt auch für Premierminister und Präsident.

Extravagantes Island – glückliche Isländer

Laut einer Studie zählen Isländer zu den zufriedensten Menschen der Welt. Sie sind glücklich mit ihrem Leben und schauen optimistisch in die Zukunft. Außerdem können sich die Isländer damit rühmen, das friedlichste Volk der Welt zu sein. Auch ihr Sinn für Gleichberechtigung und politische Freiheit ist ausgeprägter als bei Bewohnern anderer Länder. 1980 wählte Island als erstes Land der Welt eine weibliche Präsidentin und hattes den ersten Premierminister, der in der Öffentlichkeit zu seiner Homosexualität stand.

Phallusmuseum in Husavik Foto: Magic Bee/ Flickr

Phallusmuseum in Husavik
Foto: Magic Bee/ Flickr

Aber wer eine belebte und moderne Kulturszene hat, sieht nicht nur alles durch die rosarote Brille. Optimismus heißt ja nicht Verklärung. Daher ist gerade hier Platz für  kritische und provozierende Kunst, wie zum Beispiel die bereits genannten Exponate im phallologischen Museum, wo die weltweit größte Sammlung von echten Penissen präsentiert wird. Sie zeigt zum Beispiel die männlichen Geschlechtsteile aller Lebewesen auf Island (vom Mensch bis zum Wal). Auch die besten Stücke der isländischen Handball-Nationalmannschaft sind hier zu bewundern. Und zwar wurden diese in Silber gegossen, weil ihre Träger es vor einiger Zeit geschafft haben, bei den olympischen Spielen die Silbermedaille zu gewinnen, was für ein so kleines Land eine echte Sensation war.

Und im Strandagaldur, dem Museum für isländische Zauberei und Magie, findet man neben den oben abgebildeten Necropants viele isländische Geschichten von mächtigen Zauberern und Hexen, die im besonderen in den Westfjorden Islands beheimatet waren – daher auch die Wahl der Örtlichkeit für dieses Museum.

Gruseliges und mystisches Island

Der Schein des gruseligen, düsteren und tristen Islands, was durch die bekannten Islandkrimis von Arnaldur Indriðason im Ausland heraufbeschworen wurde, malt nur eine von vielen Facetten dieses eigenwilligen Landes.

Aber zweifellos hat Island eine ausgeprägte mystische Seite. Isländern sind ihre Trolle und Feen sehr wichtig. Nicht nur die Kinder lieben die Sagen, die sich um diese Fabelwesen ranken. Und genau das transportieren die Isländer gerne hinaus in die Welt. Daher gibt es auch Museen wie das Icelandic Seamonster Museum, wo Seeungeheuer zum Leben erweckt werden, und das Safnasafnid Museum, wo Kunstwerke von Kindern, Laien und Behinderten, die ihre ganz eigene Fantasiewelt haben, ausgestellt werden.

Diese ungwöhnlichen Sammlungen kann man auf vielen der ZeitRäume Islandreisen bestaunen.

About the author

Tanja Riehm-Wagner

Überzeugte Nordeuropa-Fanfrau, die schon in Jugendzeiten Reisen nach Island, Norwegen, Finnland, Schweden und England mit ihrer Familie in den 1980er Jahren unternommen hat. Irland folgte in 1994. Später machte sie ihr Hobby zum Beruf. Sie lernte dabei mehrere Hurtigrutenschiffe kennen und ist jetzt begeisterte Reisebloggerin für ZeitRäume.

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