Die goldene Route Norwegens: Geiranger und Trollstigen

Die goldene Route Norwegens

Der Geirangerfjord
Foto: Reinhard Pantke

Text: Reinhard Pantke, überarbeitet von Tanja Riehm-Wagner

Die goldene Route Norwegens ist eine weitere Etappe auf meiner Mammut-Radtour durch Nordeuropa gewesen. Diese Region hat mir auch diesmal wieder unvergessliche Erlebnisse beschert, auch wenn ich hier schon öfters per Drahtesel unterwegs war und ich schon unzählige Highlights im Norden erlebt habe.

Der Geirangerfjord und der Trollstigen sind der mittlere Teil der goldenen Route Norwegens, die von Lom bis Dombas geht. Sie ist außerdem ein absoluter Touristenmagnet. Im Sommer kommen viele Reisende innerhalb einer kurzen Zeitspanne hierher. Entweder mit Kreuzfahrtschiffen, mit den Hurtigruten, mit Wohmobilen, mit Bussen oder nicht zuletzt auch manche mit Fahrrädern. Im Juli verleihen die tausenden von Touristen in dem kleinen Dorf Geiranger dem Besucher fast schon das Gefühl, als ob man sich mitten auf einem südländischen Promenade befindet.

Der Geirangerfjord auf der goldene Route Norwegens

Während man im Juli schon suchen muß, um einen Stelllplatz für sein Zelt oder das Wohnmobil auf einem Campingplatz in der Gegend zu bekommen, kann man von Mitte Mai bis Ende Juni und ab Mitte August auf der goldenen Route Norwegens wesentlicher ruhiger und entspannter unterwegs sein.

Die schönste Zeit im Geirangerfjord für mich persönlich ist die zweite Maihäfte, wenn der in den Bergen schmelzende Schnee die Wasserfälle noch dramatischer anschwellen lässt und tausende blühender Obstbäume aus den Bergwiesen aufragen und die Hänge in ein weißes Blütenmeer verwandeln.

die goldene Route Norwegens

Der Geirangerfjord
Foto: Reinhard Pantke

Auf meiner Radtour durch das bergige Fjordland Norwegens ist die Fährfahrt von Hellesylt nach Geiranger nicht nur eine willkommene Atempause zwischen zahlreichen Gebirgspässen, sondern auch eine entspannte Möglichkeit, das traumhafte Panorama an mir vorüber ziehen zu lassen. Ich kann in aller Ruhe Wasserfälle wie die „Sieben Schwestern“ und den „Brautschleier“ sowie die vielen, an den steilen Hängen „klebenden“ Bauernhöfe bewundern.

Leben und Reisen im Geirangerfjord

Viele der hier ansässigen landwirtschaftlichen Betriebe wurden zwar nach und nach aufgegeben, aber die Häuser selbst glücklicherweise nicht. Ihre Besitzer halten die traditionellen Gebäude weiterhin in Stand, bewohnen sie selbst oder vermieten sie. Dass sich in einer solchen Landschaft überhaupt so lange die Landwirtschaft gehalten hat, liegt vor allem an dem golfstrombedingten, milden Klima. Dies ermöglichte jahrhundertelang die Versorgung von Kühen und Ziegen auf kleinstem Raum sowie das gute Gedeihen zahlreicher Obstsorten, unter anderem sogar Aprikosen. Der Obstanbau wird noch immer recht fleißig betrieben.

Wer dem hochsommerlichen Rummel am Ende des ca. 20 km langen Geirangerfjordes in dem gleichnamigen Dorf entkommen will, der sollte sich in der Touristeninformation über die zahlreichen Wandermöglichkeiten informieren. Von kurzen Spaziergängen bis zu anspruchsvollen Bergwanderungen ist alles möglich. Auch für „Fußlahme“ ist der auf einer Strasse und nur im Sommer erreichbare, ca. 1.400 m hohe Dalsnibba-Berg zu schaffen. Dieser bietet wie aus der Vogelperspektive eine fantastische Fernsicht über den Fjord und den Ort Geiranger.

Die goldene Route Norwegens
Geirangerfjord und Adlerstraße
Foto: Reinhard Pantke

Über die Adlerstrasse zum Trollstigen

Mein nächstes Ziel auf der goldenen Route Norwegens liegt in der entgegengesetzten Richtung vom Dalsnibba. Langsam kurbele ich mich von Meereshöhe immer höher auf der 624 m hohen Adlerstrasse hinauf, der einzigen Verbindung, über die man das kleine Dorf Geiranger auch im Winter erreichen kann. Wer denkt, dass die 600 Höhenmeter ja gar nicht so viel sind, der sollte bedenken, dass es im Fjordland meist immer auf Meereshöhe losgeht. Für die steile Serpentinenauffahrt werde ich aber reichlich belohnt mit einem wunderbaren Ausblick auf den Fjord. Oben muß ich unter anderem auch anhalten, weil sich eine halbe Busladung japanischer Touristen mit mir und meinem Fahrrad fotografieren lassen will.

Rasend schnell geht es dafür auf der anderen Seite wieder hinunter zum Norddalsfjord und per Fähre hinüber in Richtung Valldal. Der lange Anstieg zum Trollstigen führt mich durch abwechslungsreiche Täler. Um Valldal herum gedeihen große Erdbeerplantagen, die einmal mehr zeigen, dass das Klima hier so mild und sonnig ist wie an kaum einem anderen Platz mit dem gleichen Breitengrad.

Durch das malerische Isterdalen windet sich die Strasse um schroffe Felsen un dvorbei an glasklaren, vor sich hingurgelnden und glucksenden Wildbächen. Durch einen dichten Wald strampele ich stetig und leicht immer weiter bergauf. Ich kann mein Glück kaum fassen, das Thermometer zeigt 29 Grad im Schatten, dafür fliesst der Schweiss in Strömen! Weiter oben im schattenlosen Fjell sind es fast 40 Grad in der Sonne und ich beobachte einige Schafe, die in den schattigen Mulden Schutz vor der Sonne suchen. Solche Temperaturen habe ich in Norwegen noch nie erlebt. 2014 scheint ein echter Jahrhundertsommer in Skandinavien zu sein.

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Trollstigen per Fahrrad
Foto: Reinhard Pantke

Der Weg der Trolle

Der Trollstigen ist ein alter Pfad, der früher von den Bauern für den Viehtrieb genutzt wurde und erst 1936 zur Strasse wurde. Die Aussichtsplattformen oben bieten eine fantastische Aussicht. Die Wegführung erinnert an Mikadostäbe, die sich verwirrend im Zick-Zack in 12 % und mehr Steigung förmlich den Berg hinaufschrauben und dabei auch einen Wasserfall kreuzen. Der Pass ist oft bis in den Mai gesperrt und manchmal sogar im Sommer kurzzeitig wegen Steinschlag oder Lawinen bei schlechtem Wetter geschlossen. Der Trollstigen ist sicher die schönste und eindrucksvollste Bergstraße Norwegens. Immer wieder lege ich eine Pause ein, um nicht nur das fantastische Panorama des weiten Tales zu geniessen, sondern auch, um die Bremsen zu kühlen, die bei über 12 % Gefälle schnell glühend heiß werden.

Mir kommen die Teilnehmer eines Radrennens entgegen, die die 824 m hohe Passhöhe zu Ihrem Ziel auserkoren haben. Einer der Zuschauer erzählt mir, dass der älteste Teilnehmer 74 Jahre alt ist – Norweger kennen beim Sport keine Grenzen! Man ist in Norwegen nie zu alt für etwas, eine sympathische Grundeinstellung! Ich rolle immer weiter ins Tal hinunter und freue mich auf das wilde Raumadalen und die Fahrt in Richtung Dombas. Doch das ist eine andere Geschichte! Wer auf weniger anstrengende Art diese wunderschöne Gegend Norwegens sehen will, wird sicher bei den Norwegenreisen von ZeitRäume fündig.

About the author

Reinhard Pantke

Der Globetrotter Reinhard Pantke (Jahrgang 67) erlebt seine Reiseziele grundsätzlich nur mit Fahrrad und Rucksack. Neben Fahrradtouren durch Norwegen (17x), Schweden, Island (3x), Schottland, England, Neuseeland (3x) und einigen Südseeinseln und den Kanaren war er auch in Kanada und Alaska unterwegs. Im Verlauf dieser Touren legte er in den letzten Jahren insgesamt 160.000 km per Fahrrad zurück.
Neben Artikeln in regionalen und überregionalen Zeitungen und Magazinen, Kalendern, Buchbeiträgen und Austellungen ist Reinhard Pantke auch Autor verschiedener Bildbände über Norwegen und Kanada. Im Jahr 2009 hatte der Abenteuerer bereits Kanada von Westen nach Osten durchquert. Seine große Leidenschaft ist Skandinavien, aktuell tourt er 3 Monate durch Schweden und Norwegen.

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