Tromsø und die nördlichste Brauerei der Welt

Tromsø

Eismeerkathedrale in Tromsø
Foto: Reinhard Pantke

Dies ist eine weitere Anekdote von dem fahrradfahrenden Weltenbummler Reinhard Pantke auf seiner Nordeuropatour im letzten Jahr.

Meine vier Monate lange Reise zum Nordkapp hat mich mittlerweile weit über den Polarkreis hinaus gebracht. Am 18. August komme ich in Tromsø an und immer noch liegen über 600 km zum Nordkapp vor mir!

Tromsø ist mit über 70.000 Einwohnern die letzte große Stadt auf dem Weg in den äußerten Norden Norwegens. Die Stadt war bis zum Beginn des 20. Jahrhundert oft Ausgangspunkt für Expeditionen in die damals noch unerforschten Arktisregionen und ist noch heute einer der wichtigsten Plätze zur Erforschung des Nordlichts. Eine lebendige Stadt mit vielen Studenten und Kneipen, die noch heute den Beinamen „Das Paris des Nordens“ trägt! Gerade nach vielen Wochen in der Natur genieße ich das quirlige Stadtleben ausgiebig!

Auf der anderen Seite des Fjordes steht die futuristische Eismeerkathedrale, deren riesige Glasmosaike in der Herbst-Sonne funkeln. Wenn man Glück hat, finden dort in der Sommerzeit Konzerte um Mitternacht statt. Wer gerne Nachts aktiv ist, sollte danach einfach mal mit der „Fjellheisen“ Seilbahn auf den über 450 m hohen Hausberg Storsteinen hinauffahren, von dem man von Ende Mai bis fast Ende Juli perfekt die Mitternachtssonne sehen kann.

Tromsø

Zapfhähne in der Ölhallen der Mack Bierbrauerei
Foto: Reinhard Pantke

Männerträume aus Hopfen und Malz …

In der Stadt ist ein besonderes „kulturelles Highlight“, dass ich mir natürlich nicht entgehen lassen will. Die „Mack Brauerei“ ist die nördlichste Brauerei der Welt und wurde einst von dem Sohn eines deutschen Einwanderers aus meiner Heimatstadt Braunschweig gegründet.

So lasse ich es mir trotz der hohen Preise nicht nehmen die berühmte dazugehörige „Ölhallen“ zu besichtigen. Wie stand es mal in einem Reiseführer: „Selbst der Sultan überlegt zweimal, bevor er in Norwegen ein Bier bestellt.“ Bei Preisen von 8 bis 12 Euro für ein großes Pils versteht man den Sinn dieser Aussage schnell und kann trotzdem der überbordenden Vielfalt der vielen Zapfhähne nur schwer widerstehen. In einem schummrigen und rustikalen Keller neben der Brauerei findet man in der Ölhallen die erste und lange Zeit einzige Kneipe der Stadt. Irgendwann befanden die Stadtobereren, dass es einen Platz geben müsste, an dem Männer der Stadt in Ruhe ihr Bier trinken dürfen. So kamen die Städter, aber auch auswärtige Seeleute, Abenteurer und Jäger in dieses „männliche Bollwerk“. Bis in die 60er Jahre hinein, hatten dort auschliesslich Männer Zutritt – Frauen durften allenfalls mal an einer kleinen Luke klopfen und fragen, ob der „Alte“ wieder die ganze Heuer vertrinkt oder irgendwann vielleicht doch nach Hause kommt. In den 70er Jahren haben sich die Frauen den Zugang erkämpft!

Die eigentliche Brauerei ist heute einige Kilometer südlich der Stadt. Die alte Produktionsstätte befindet sich direkt in Tromsø und kann incl. mehrerer Proben besichtigt werden. Einige der arktischen Kaltgetränke aus dem umfangreichen Sortiment können außerdem im daneben liegendem Shop erworben werden.

Tromsø

Tromsø und die Eismeerkathedrale
Foto: Reinhard Pantke

Immer weiter nordwärts

Es wird langsam und merklich Herbst, als ich die größte Stadt des Nordens verlasse und die letzten 600 km angehe, nieselt es bei grade 10 Grad Celsius. Bald nördlich von Tromsø überquere ich die sogenannte „Kartoffelgrenze“. In früheren Jahrhunderten war dies die Grenz nördlich derer man kaum überleben konnte, weil sich die kurzen Vegetationsperioden nicht mehr für den Anbau von Kartoffeln eigneten und die Menschen nicht aus eigener Kraft überleben konnten. Ich staune, den heute komme ich trotz alledem an kleinen Erdbeerfeldern vorbei, die wenn überhaupt, jetzt erst im späten August langsam reif werden. Tromsø liegt auf der Höhe Nordgrönlands oder Nord-Sibriens, wo in eisigen Permafrostregionen nichts mehr wächst und die Eisberge vor der Haustür treiben. Aber der Golfstrom sorgt auch hier für ein mildes Klima und lässt in milden Jahren auch hier Obst gedeihen. Wer nun selbst Lust bekommt hat, diese faszinierende Stadt im hohen Norden kennenzulernen, wird bei den Norwegenreisen von ZeitRäume sicher fündig werden!

Die letzte Etappen zum Nordkapp und wie die 5.000 km langen Tour zuende geht, können Sie demnächst in der letzten Folge nachlesen.

About the author

Reinhard Pantke

Der Globetrotter Reinhard Pantke (Jahrgang 67) erlebt seine Reiseziele grundsätzlich nur mit Fahrrad und Rucksack. Neben Fahrradtouren durch Norwegen (17x), Schweden, Island (3x), Schottland, England, Neuseeland (3x) und einigen Südseeinseln und den Kanaren war er auch in Kanada und Alaska unterwegs. Im Verlauf dieser Touren legte er in den letzten Jahren insgesamt 160.000 km per Fahrrad zurück.
Neben Artikeln in regionalen und überregionalen Zeitungen und Magazinen, Kalendern, Buchbeiträgen und Austellungen ist Reinhard Pantke auch Autor verschiedener Bildbände über Norwegen und Kanada. Im Jahr 2009 hatte der Abenteuerer bereits Kanada von Westen nach Osten durchquert. Seine große Leidenschaft ist Skandinavien, aktuell tourt er 3 Monate durch Schweden und Norwegen.

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