Vulkaninsel Island – Himmel oder Hölle?

Vulkaninsel Island

Kerlingarfjöll
Foto: Reinhard Pantke

Weitab vom europäischen Kontinent und auf halbem Weg gen Amerika liegt die größte Vulkaninsel der Welt: Island im Nord-Atlantik. Mit einer Entfernung von knapp 300 km ist Grönland dieser Insel aus Feuer und Eis im Nordatlantik am nächsten. Dagegen sind Schottland mit 800 km und Norwegen mit 1000 km deutlich weiter entfernt. Trotzdem ist Island geographisch betrachtet ein Teil Nordeuropas.  Aus geologischer Sicht verhält sich das ganz anders.

Island gehört geologisch betrachtet seit Jahrmillionen zum Mittelatlantischen Rücken, dessen Kamm 1500 bis 3000 m unter der Wasseroberfläche liegt. Island ist der größte zusammenhängende Teil dieses Rückens, der aus dem Meer herausragt. Der in Nord-Süd-Richtung verlaufende  20.000 km langen Gebirgszug des Mittelatlantischen Rückens trennt die eurasische von der amerikanischen Kontinentalplatte, was auf Island im Nationalpark Þhingvellir besonders gut zu sehen ist. Eine gut 5 km lange Erdspalte lässt das Zusammentreffen der beiden Kontinente sichtbar werden. Dieser besonderen Lage verdankt die Vulkaninsel Island ihre einzigartige Landschaft.

Von Steinen, Pflanzen und Tieren auf Island

Der Boden besteht zu über 80% aus dunklen, basischen Basalt-Gesteinen, die zum größten Teil vulkanischen Ursprungs sind und nur wenig Vegetation zulassen. Daher wirkt die Landschaft an diesen Stellen recht dunkel und bedrückend. Befinden sich dort außerdem noch heiße, nach Schwefel stinkende Wasserquellen , denkt man wirklich, man sei der Hölle näher als irgendeinem anderen Ort. Aber Island hat auch seine grünen Seiten. Dank der starken Erosion durch Witterungseinflüsse entstehen Sedimentgesteine, die zwar nur um die 10 % ausmachen, aber immerhin Vieh- und Landwirtschaft erlauben. Die Produktivität ist allerdings eher bescheiden, hat aber jahrhundertelang die geringe Bevölkerungszahl ernähren können. Die eher kargen Wiesen eignen sich nur in einigen Regionen in Küstennähe für die Rinderhaltung, aber dafür um so mehr und intensiver für die Schafhaltung. Neben dem beliebten Islandpferd sind Schafe daher die häufigste Tierart auf Island.

Vulkaninsel Island

Sprühende Lava
Foto:Visit Iceland

Die Ursprünge der Vulkaninsel Island

„Die isländischen Landschaften sind aus geologischer Sicht noch sehr jung. Ihr jugendlicher Charakter resultiert aus der Rivalität zwischen den aufbauenden und den abtragenden Naturgewalten, die die Gestalt dieser Insel fortwährend verändern. Seit nunmher rund 20 Millionen Jahren dringt heißes Magma aus der Tiefe an die Oberfläche und schafft Lavafelder und Vulkane in verschiedener Ausbildung. Der oft für die Menschen zerstörerischen und für die Landschaft aufbauenden Aktivität des Vulkanismus stellen sich seit den Anfängen der Insel die unermüdlichen abtragenden Kräfte des fließenden Wassers,  des Meeres und später des Eises und des Windes entgegen.“  [ Quelle: DuMont Landschaftsführer Island von Achim Schnütgen, 3. Auflage 1990]

Diesen Machtkampf der Naturgewalten haben bisher glücklicherweise die aufbauenden Kräfte gewonnen, sonst gäbe es die Vulkaninsel Island nicht mehr. Dank dieser Tatsache können wir uns auch weiterhin an der einzigartigen landschaftlichen Vielfalt dieser Insel erfreuen, denn der Einfluss des Menschen ist hier bis heute sehr gering, auch wenn Island immerhin schon seit 1100 Jahren von Menschen bewohnt wird. In den Küstenbereichen des Landes hat der Mensch zwar einen gewissen Einfluss geltend gemacht, aber sobald man ins Landesinnere kommt, steht der Sieger in dem Duell Mensch-Natur eindeutig fest. Und genau das fasziniert die Islandreisenden, die oft auf der Suche nach Ursprünglichkeit, Abgeschiedenheit und etwas Abenteuer sind.

Neben der Landschaft ist auch das Wetter extrem wechselhaft. Es ist nahezu gleichgültig, ob man im Frühling, Sommer, Herbst oder Winter nach Island reist. Regen, Schnee, Sonne und Wind bekommt man zu jeder Jahreszeit in ständigem Wechsel präsentiert. Aber genau dadurch wird eine Reise auf die Vulkaninsel Island erst zum echten Abenteuer. Das Wetter ist glücklicherweise noch nicht planbar. Man muss es nehmen wie es kommt und mit der richtigen Einstellung dazu steht einem unvergesslich schönen Erlebnis nichts im Weg.

Vulkaninsel Island

Geothermalkraftwerk
Foto: Reinhard Pantke

Mietwagenrundreise „Vulkane und heiße Quellen“

Eine sehr schöne Einführung in dieses von den Naturgewalten so stark geprägte Land bietet unsere achttägige Mietwagenrundreise „Vulkane und heiße Quellen“ . Die Tagesetappen und Programmpunkte sind bereits passend zusammengestellt und somit vorgegeben, aber da man eigenständig mit dem Mietwagen unterwegs ist, kann man sich den Tagesablauf selbst einteilen.

Man lernt auf dieser Reise den Süd-Südwesten der Vulkaninsel Island intensiv kennen. Am Anreisetag geht es nicht wie meist üblich nach Reykjavik, sondern direkt Richtung Südküste zu den Solfatarenfeldern Krisuvik. Man ist dadurch gleich zu Beginn mitten im Thema der Reise, denn diese Solfatarenfelder sind eine vegetationsfreie, hügelige, stark abgetragene, aber farbenfrohe Wüstenlandschaft mit brodelnden Schlammlöchern und dampfenden Gesteinshügeln, die extrem nach Schwefel riechen. Man fragt sich, ob man noch auf der Erde weilt oder nicht vielleicht doch auf einem anderen Planeten gelandet ist!

Etwas irdischer ist das Programm am nächsten Tag: Da erwarten den Reisenden zuerst zwei wunderschöne Wasserfälle – der Seljalandsfoss und der Skogafoss. Auch die stürmische Atlantikküste mit ihrem schwarzen Sandstrand bei Vik und dem mächtigen Felsbrocken Dyrholaey mit seinem markanten Loch ziehen die Besucher immer wieder in ihren Bann.

Am dritten Tag setzt man mit der Fähre zu den interessanten Westmännerinseln über und am vierten Tag steht der Vulkan Hengill, die Geysire und das berühmte Þhingvellir auf dem Programm. Von dort geht es weiter nordwestlich zum Borgarfjord und zur Halbinsel Snæfellsnes mit dem Gletschervulkan Snæfellsjökull. Spannend ist auch Europas größte Heißwasserquelle, Deildartunguhver. Nicht weniger als 180 l heißes Wasser stößt diese brodelnde, glasklare Quelle pro Sekunde aus.

Vulkaninsel Island

„Inside the Vulcano“
Foto: K.Maack

Nach dem Besuch des Lavawasserfalls Hraunfossar geht es zur Hauptstadt Reykjavik. Von dort hat man am vorletzten Tag der Reise die Möglichkeit an einem Programmpunkt aus der Vogelperspektive teilzunehmen: Ein Rundflug über den dank der jüngsten Geschichte berühmt gewordenen Vulkan Eyjafjallajökull, außerdem die Hochlandregionen Thorsmörk und das farbenprächtige Landmannalaugar sowie Þhingvellir und das Geysirgebiet. Alternativ kann man an diesem Tag auch einen Ausflug in die Unterwelt unternehmen mit „Inside the Vulcano„.

Ob man sich auf der Reise „Vulkane und heiße Quellen“ nun himmlisch oder höllisch gut fühlt, bleibt jedem selbst überlassen. Spannend und erlebnisreich wird es auf jeden Fall. Das trifft auch auf unsere anderen Islandreisen zu, da ist mit Sicherheit für jeden Geschmack etwas Passendes dabei.

About the author

Tanja Riehm-Wagner

Überzeugte Nordeuropa-Fanfrau, die schon in Jugendzeiten Reisen nach Island, Norwegen, Finnland, Schweden und England mit ihrer Familie in den 1980er Jahren unternommen hat. Irland folgte in 1994. Später machte sie ihr Hobby zum Beruf. Sie lernte dabei mehrere Hurtigrutenschiffe kennen und ist jetzt begeisterte Reisebloggerin für ZeitRäume.

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