Grönlands Kultur und seine Menschen – Tradition und Moderne

Grönland

Grönländischer Junge
Foto: Gian-Rico Willy/ Hurtigruten

Wenn nach Assoziationen mit Grönland gefragt wird, kommen meist Antworten, die in direkter Beziehung zur Landschaft stehen. Und diese Verknüpfung existiert zu Recht. Wo sonst können wir einen solch zauberhaften Kontrast aus endlos scheinenden, saftig-grünen Wiesen und glitzernden Eisbergen oder schroffen Felsen und den quirligen Robben darauf bewundern? Die bunten Häuser der Hauptstadt Nuuk deuten aber auch darauf hin, dass hier Menschen leben, die ein sonniges Gemüt haben. Die grönländische Natur macht die Insel zu einem außergewöhnlichen Reiseziel. Ihre Einheimischen lassen den Trip unvergesslich werden.

Die Kultur Grönlands speist sich aus verschiedenen Einflüssen. Die wichtigste Rolle spielt die ursprüngliche Bevölkerung, die Inuit, oder genauer: die Kalaallit. Viele ihrer Mythen und Sagen haben überdauert oder sind auf vielfältige Weise adaptiert und in die heutige Zeit übertragen worden. Die Geschichten der Kalaallit kommen nicht aus dem Nichts, vielmehr spiegeln sie die täglichen Erfahrungen der Menschen mit Eis, Tieren, Meer und dem Wechsel der Jahreszeiten wieder. Im Januar und Februar – je nach Lage der Stadt – wird beispielsweise die Rückkehr des Lichtes gefeiert, wenn die ersten Sonnenstrahlen nach Monaten der Finsternis Grönland erreichen.

Kirchenchor in Uummannaq Foto: Thomas Haltner/ Hurtigruten

Kirchenchor in Uummannaq
Foto: Thomas Haltner/ Hurtigruten

Feiern auf grönländische Art

Auch der grönländische Nationalfeiertag orientiert sich am Lauf des Jahres. Er wird am 21. Juni begangen – also an dem Tag, an dem die Sonne am längsten am Himmel zu sehen ist. In jeder Siedlung wird dieses Fest begangen, und sei sie noch so klein. Dieser Tag wird nahezu überall mit gemeinsamem Gesang begonnen – solche vielstimmigen, traditionell grönländischen Volkslieder sind Ihnen wenn überhaupt vorher nur selten zu Ohren gekommen. Nach dem Gottesdienst – die GrönländerInnen sind überwiegend evangelisch – und Kaffemik, dem obligatorischen Kaffeetrinken, geht es mit Musik, Tanz und anderen Vorführungen weiter. Zur Schau gestellt wird dabei auch die traditionelle Tracht, deren dicke Felle gut gegen die Kälte schützen. Dank ihrer kräftigen Farben ist diese Kleidung gleichzeitig ein echter Hingucker und Zeichen dafür, dass die Menschen hier trotz der langen Abwesenheit der Sonne ihre Fröhlichkeit nicht verlieren.

Am dritten Wochenende im März ist es wieder so weit – die internationale Elite der EisskulpteurInnen trifft sich in Nuuk zum Snow Festival, um aus 27 Kubikmeter großen Quadern märchenhafte Skulpturen zu schaffen. Bis 2010 war das Ausgangsmaterial stets Schnee gewesen, doch da in den Vorjahren das Festival mehrfach wegen zu hoher Temperaturen abgesagt werden musste, wurde auf Eis umgeschwenkt. Der Klimawandel macht sich also auch in Grönland bemerkbar.
Die künstlerische Betätigung hat Tradition in Grönland – besonders das Schnitzen von Tupilak. Das sind kleine, meist aus Holz oder Walross-Elfenbein gefertigte Figuren, die der Sagenwelt der Inuit entstammen. In den Köpfen der Kalaallit gibt es sie schon seit Jahrhunderten, in Form gebracht werden sie aber erst seit Ende des 19. Jahrhunderts. Eine Geschichte besagt, dass der dänische Forscher Gustav Holm bei einem Grönland-Aufenthalt darum bat, ihm das Wesen zu zeichnen. Nachdem dies scheiterte, schnitzten ihm die Einheimischen eine Figur. Heute sind die Tupilak allgegenwärtig. Zum Teil werden sie klassisch dargestellt, aber auch modern adaptiert und verfremdet. Ihr ursprünglicher Zweck war der Schutz vor Feinden und so ranken sich viele düstere Geschichten um sie.

Grönland

Historische Siedlung Brattahlid
Foto: Andreas Spaeth/ Hurtigruten

Natur, Mystik und Moderne

Das gesamte grönländische Kunsthandwerk arbeitet viel mit Naturmaterialien, wie Fellen, Wolle, Muscheln, Speckstein, Rentiergeweihen oder Tierhäuten. Kleinere Ausstellungen und Läden findet man über die ganze Insel verteilt. Besonders in Nuuk lässt sich der Spannungsbogen zur aktuellen grönländischen Kunstszene schlagen. In diversen Museen und Ateliers kann man klassische Stücke genauso bewundern, wie Exponate der aktuellen und sehr aktiven Kunstszene Grönlands. Die enge Verknüpfung von Vergangenheit und Innovation ist auch in Nuuks Zentrum zu erkennen. In der Nähe der Erlöserkirche, der Domkirche Grönlands von 1849, steht eine Skulptur, die nur bei Ebbe zu sehen ist – bei Flut verschwindet sie im Wasser. In ihr liegt die wohl bekannteste Sage der Kalaallit versinnbildlicht: die Mutter des Meeres, welche die Menschen vor zu großer Gier warnen soll.

Die grönländische Literatur erlebte ihre Stunde Null im Jahr 1914. Mathias Storch, ein zeitweise in Dänemark ausgebildeter Theologe, schuf mit Sinnattugaq den ersten Roman, der das Leben auf der Insel zum Gegenstand hatte. Da er den Zustand der Gesellschaft schonungslos problematisierte und über die schwierige dänisch-grönländische Beziehung, das niedrige Bildungsniveau und den Aberglauben schrieb, wurde das Buch breit diskutiert. Storch brachte sich auch politisch ein und forderte die Gleichbehandlung seiner Landsleute durch die dänische Verwaltung. Ein Thema, das Grönland für lange Zeit beschäftigen sollte.

Grönland

Tourist auf Grönland
Foto: Marsel van Oosten/ Hurtigruten

Aktuelle Entwicklungen

Der größte Teil der Menschen ist auf Fisch-, Robben- oder Walfang angewiesen, da eine Selbstversorgung mit ausreichend landwirtschaftlichen Erzeugnissen unter den vorherrschenden klimatischen Bedingungen nicht gewährleistet ist. Diese Versorgungsquelle wurde aber in den letzten Jahren durch steigende Temperaturen und dadurch dünneres Eis stetig erschwert.
Die Kehrseite der Medaille kann im Süden Grönlands beobachtet werden. Hier lohnt sich vermehrt der Anbau von Obst und Gemüse – es exisitieren sogar Erdbeerfelder. Gleichzeitig gibt das sich zurückziehende Inlandeis Gebiete frei, in denen große Rohstoffvorkommen vermutet werden. Wie mit diesen umgegangen werden soll, führte zu heftigen Kontroversen innerhalb der Bevölkerung. Bei der Wahl 2013 setzte sich ein gemäßigter Kurs durch, der einen Abbau nur mit großer Rücksicht auf Natur und Menschen vorsieht.
Aktiv gefördert werden soll währenddessen der Tourismus. Hierbei gibt die Regierung strenge Richtlinien vor, damit die grönländische Landschaft so bezaubernd bleibt, wie sie ist. Die aktuellen Übernachtungszahlen lassen erkennen, dass Grönland keineswegs überlaufen ist. Diese liegen bei rund zwei Übernachtungen von Touristen aus dem Ausland pro Einwohner – Island etwa weist hier einen Wert von über sechs auf.

Wenn Sie Lust bekommen haben, Grönland und seine Bewohner kennenzulernen, finden Sie bei uns bestimmt das richtige Angebot.

 

About the author

Jan Schäfer

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

ZeitRäume - ZR-Reisen Individual UG (haftungsbeschränkt) Impressum - Datenschutz