Der Ring of Beara – Wandern wo Irland am typischsten ist

Wanderer in Irland Foto: shutterstock/ Katie Dickinson

Wanderer in Irland
Foto: shutterstock/ Katie Dickinson

In Irlands Südwesten muss sich wohl jede Rundstraße mit dem berühmten Ring of Kerry messen lassen. Dabei schneidet keine so gut ab, wie der Ring of Beara. Beara ist der mittlere der fünf Halbinsel-Finger, die Irlands Südwesten seine markante Form auf der Landkarte geben. Damit liegt er zwischen der Iveragh-Halbinsel im Norden und der Halbinsel Sheep’s Head im Süden.

Im Gegensatz zum Ring of Kerry darf der Ring of Beara nicht von Reisebussen und Wohnmobilen befahren werden. Dadurch ist er deutlich weniger touristisch geprägt als sein bekannteres Pendant im Norden. Doch Kenner schätzen Beara wegen seiner romantischeren Landschaft, die kaum etwas von ihrer Ursprünglichkeit eingebüßt hat. Der Wanderweg Beara Way ist insgesamt rund 200 Kilometer lang, kann aber auch nur in Teilen erkundet werden.

Purer Genuss für Augen und Seele

Gestartet wird üblicherweise in Glengarriff, einem 800 Einwohner zählenden Städtchen im Süden der Halbinsel. Dieses ist eingebettet in ein Panorama aus Bergen, Buchten sowie alten Eichen- und Birkenwäldern. Diese idyllische Landschaft macht es unverzichtbar den Martello Tower zu besteigen und so die Aussicht in ihrer ganzen Pracht zu genießen. Errichtet wurde er, um die Gegend vor der angekündigten Invasion napoleonischer Truppen zu schützen. Alternativ kann man auch den Weg zum Lady-Bantry’s Aussichtspunkt auf sich nehmen – dort wird man mit einem noch besseren Blick über die ganze Region belohnt.

Durch den Einfluss des Golfstroms ist das Klima hier besonders mild. Die vor Glengarriff gelegene Insel Garinish (auch Ilnacullin, „Insel der Stechpalme“ genannt) ist daher eine mediterrane Blumeninsel, wie man sie hier nicht erwarten würde. Sie kann von Glengarriff bequem mit der Fähre erreicht werden. Unterwegs kann man sich an possierlichen Robben erfreuen, die sich auf  Robbenbänken räkeln.

Die Wanderetappen sind von unterschiedlichem Anspruch. Die Halbinsel Beara bietet ein Kontrastprogramm zwischen Küste und bis zu 700 Meter hohen Bergen. Diese ermöglichen gleichzeitig eine Aussicht, die man nicht vergessen wird. Sei es der Blick auf die Bantry Bay, die Caha Mountains, den Clanmore Lake, die Sandstrände bei Allihies oder auch die Überreste des ehemaligen Kupferabbaus. Ausreichend Akkus, Filme und Speicherkarten sowie natürlich die Kamera selbst sollten ganz oben auf der Liste der Dinge stehen, die man keinesfalls auf dieser Reise vergessen darf!

Eine Gegend wie eine historische Schatztruhe

Auch Historiker werden vom Ring of Beara mehr als begeistert sein. Mystisch wird es, wenn man den Ogham-Stein von Ballycrovane betrachtet. Die Steine entstanden im Südwesten der grünen Insel im 4. bis 6. Jahrhundert und tragen Namens-Inschriften. Ihre Bedeutung ist nicht mit letzter Sicherheit geklärt. Die wahrscheinlichste Theorie ist aber, dass es sich um altertümliche Grabsteine handelt. Gesichert ist hingegen, dass es sich um den größten seiner Art handelt – er misst stattliche 5 Meter.

Ring of Beara

Seilbahn zur Dursey Island
Foto: shutterstock/ Captblack76

Schon die Überfahrt zur Insel Dursey Island, die vor der Westspitze der Beara-Halbinsel liegt, ist ein Erlebnis. Man kann hier nämlich in eine Seilbahn steigen, um die Distanz vom Festland aus zu überwinden. Dort angekommen finden Sie Spuren der letzten 5000 Jahre Menschheitsgeschichte. Aus dem Zweiten Weltkrieg stammt beispielsweise der, aus der Luft sichtbare, Schriftzug „Eire“, der den Luftstreitfkräften deutlich machen sollte, dass sie sich ab hier über dem neutralen Irland befanden. Aus napoleonischen Zeiten, also rund 200 Jahre alt, ist die gut erhaltene Ruine eines Leuchtturms. Bei der Betrachtung der Festung Oileán Beag braucht es mehr Phantasie, denn sie wurde während des Neunjährigen Krieges im Jahr 1602 zerstört – von ihr ist nur wenig übrig geblieben.

Dass die Insel schon wesentlich früher besiedelt war, belegen Steinkreise, ringförmige Markierungen in Steinen und Bullaun-Steine, die aus dem Neolithikum und der frühen Bronzezeit stammen – also rund 5000 Jahre alt sind. Und auch wenn man alten Gemäuern wenig abgewinnen kann, wird einen diese Insel begeistern. Sie beheimatet viele Vögel und das tosende Wasser im engen Dursey Sund mit seinen Strudeln und Stromschnellen ist ein tolles Schauspiel. Und mit etwas Glück zeigen sich hier auch Delfine und Wale!

Das bunte Leben der Einheimischen

Das gleiche Schicksal wie Oileán Beag ereilte Dunboy Castle. Es wurde im selben Jahr zerstört, ist aber heute noch deutlich besser zu erkennen. Der Ort liegt in der Nähe von Castletownbere, dem wohl lebendigsten, auf dem Ring of Beara gelegenen, Städtchen. Sein natürlicher Hafen macht es zu einem wichtigen Anlaufpunkt für den Fischfang. Ob die Klischees über irische Seefahrer stimmen, kann man in einem der Pubs selbst in Erfahrung bringen.

Einen scharfen Kontrast zu seiner kargen Umgebung bietet Eyeries im Nordwesten der Insel. Jedes seiner Häuser ist in einer anderen Farbe gehalten – lila, rot, türkis, grün und selbst die Kirche leuchtet in einem grellen Gelb. Fast könnte man meinen, in Grönland zu sein, aber dann entdeckt man die zahlreichen kleinen, typisch irischen Pubs, die einen geradzu einladen, mit Einheimischen ins Gespräch zu kommen. Vielleicht erfährt man dort, wie die oft mutigen Farbkombinationen der Hausanstriche ausgewählt wurden oder zustande kamen!

Bevor sich der Ring of Beara schließt und man wieder in Glengarriff ankommt, wird es noch einmal richtig lebendig. Das Städtchen Kenmare ist das größte auf der Rundreise – bei den gut 2000 Einwohnern kommt jedoch keine Hektik auf und die gesammelte Ruhe der letzten Tage ist nicht in Gefahr. Nichtsdestotrotz ist Kenmare bunt und lebendig, bietet ausgezeichnete Fischrestaurants und historische Sehenswürdigkeiten in einer wunderschönen Landschaft. Kenmare ist daher der perfekte Abschluss einer eindrucksvollen Reise – die Wanderreise am Ring of Beara wartet auf Sie!

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Jan Schäfer

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