Nordirland – wunderschönes oder unsicheres Reiseziel?

Nordirland - Giants Causeway

Nordirland – Giants Causeway. Bild: Armagh City and District Council

17 Jahre nach dem Karfreitagsabkommen

An Ostern vor 17 Jahren schlossen die Regierung Großbritanniens, die Regierung Irlands und die nordirischen Parteien gemeinsam einen Vertrag, der den Schlussakt eines Konflikts einläuten sollte, der zeitweise schwelte, zeitweise lichterloh brannte. Ein Konflikt, der bis vor gerade einmal zwei Jahrzehnten unsere Nachrichten mit immer neuen Schreckensmeldungen bestimmte und dem heute kaum mehr Beachtung zukommt. Wie sieht der Alltag nun heute aus? Kann ich Nordirland guten Gewissens und sicher bereisen? Wir meinen uneingeschränkt: „Ja!“ Aber wir finden, dieses „Ja!“ bedarf einer ausführlicheren Erklärung. Beginnen wir mit ein bisschen Geschichte…

Religionskonflikte und Nationalismus

Ein exakter Zeitpunkt lässt sich als Beginn nicht ausmachen. Die Rivalität zwischen Iren und Engländern begann jedoch zweifellos mit der Eroberung Irlands durch die Normannen im Jahr 1169 und besonders durch die Ulster Plantation ab 1606, bei der systematisch die Provinz Ulster – ein Großteil davon bildet heute Nordirland – mit protestantischen Schotten und Briten besiedelt wurde. In diesem Zusammenhang kam es zu Enteignungen und Gesetze stellten die Siedler über die ursprünglichen Einwohner. Irland wurde schließlich im Jahre 1801 gänzlich unter die Herrschaft Großbritanniens gestellt.

Im 19. Jahrhundert erstarkte, wie in ganz Europa, der Nationalstaatsgedanke und in Irland fanden sich immer mehr Menschen zusammen, die eine Loslösung von Großbritannien forderten. Dies gipfelte im (gescheiterten) Osteraufstand 1916, einem Unabhängigkeitskrieg 1919-21 und einem Bürgerkrieg 1922-23. Als Folge des Unabhängigkeitskrieges stellte sich die heutige Situation, mit einem unabhängigen Irland und einem zum Vereinigten Königreich zählenden Nordirland ein. Durch den Staatsaufbau und die Gesetzeslage wurde die katholische und überwiegend einem vereinigten Irland zugetane Minderheit (die Anteile gleichen sich heute immer mehr an, eine katholische Mehrheit in nicht allzu langer Zeit ist absehbar) massiv unterdrückt. Ende der 1960er gründete sich zunächst eine Bürgerrechtsbewegung und, nachdem diese niedergeschlagen wurde, Freiwilligenverbände. Aus Protesten wurden schnell Aufstände, die eine Gewaltspirale in Gang setzten, die bis 1998 durch bürgerkriegsähnliche Gefechte und Anschläge fast 4.000 Todesopfer forderte.

Das Karfreitagsabkommen und seine Folgen

Dass ein Stück Papier allein die Probleme nicht lösen und schon gar nicht die Emotionen besänftigen kann, ist offensichtlich. Doch die schrittweise Umsetzung der ausgehandelten Annäherungen führte dazu, dass nach und nach die paramilitärischen Gruppen der Gewalt entsagten und sich zu großen Teilen selbst entwaffneten. In Irland und Nordirland wurden nach dem Aushandeln des Karfreitagsabkommens Referenden durchgeführt. In Irland stimmten deutlich über 90%, in Nordirland über 70% dem Vertrag zu. Die gewaltsame Durchsetzung von Interessen hat weder bei katholischen, noch bei protestantischen Nordiren einen Rückhalt. Es gibt nach wie vor einzelne radikale Gruppen, die der Gewalt nicht abgeschworen haben und es kommt hin und wieder bei Gedenkmärschen zu heftigen Zusammenstößen – diese Ereignisse sind jedoch absehbar und können somit gemieden werden.

Alles in allem waren die letzten Jahre die mit Abstand friedlichsten in der nordirischen Geschichte. Gerade in den Zentren der Städte ist es völlig ungefährlich. Dort leben beide Bevölkerungsgruppen Seite an Seite und unterscheiden sich in erster Linie dadurch, dass die einen die zweitgrößte Stadt Derry und die anderen sie Londonderry nennen.

Warum nach Nordirland reisen?

Sie würden in jedem Fall etwas verpassen, würden Sie an der Grenze kehrt machen. (London-)Derry ist eine der am ältesten durchgehend besiedelten Städte der Insel und hat mit ihren begehbaren Stadtmauern und einer geschichtsträchtigen Altstadt einiges zu bieten. Belfast wurde zwar erst 1603 gegründet, ist aber genauso eine Reise wert. Mit 250.000 Einwohnern ist es eine ausgewachsene Großstadt und neben einem alten Stadtkern lässt sich auch moderne Architektur bestaunen. Der irische Schutzheilige St. Patrick soll in Armagh seine erste Kirche erbaut haben und auch heute lohnt sich ein Besuch der Kathedralenstadt – besonders weil gleich um die Ecke der Lough Neagh liegt, der größte See der britischen Inseln. Von da aus ist es wiederum nicht weit zum absoluten Highlight, dem Giant’s Causeway. Ein Vulkanausbruch hat hier in Zusammenarbeit mit dem Meer ein unvergleichliches Naturschauspiel erschaffen: in geplant scheinender Regelmäßigkeit türmen sich unzählige sechseckige Basaltsäulen nebeneinander auf und lassen den Ort fast surreal erscheinen.

Interesse an Nordirland? Dann schauen Sie doch mal hier nach unseren Reisevorschlägen. Wir stellen Ihnen gerne Ihre individuelle Reise zusammen. Angst um Ihre Sicherheit brauchen Sie nicht zu haben – vielmehr sollten Sie die Chance nutzen, mit den Menschen vor Ort in Kontakt zu kommen und sich ein eigenes Bild zu machen. Die Möglichkeit mit so vielen Zeitzeugen eines Konfliktes in Berührung zu kommen, wird sich Ihnen nicht häufig bieten und solche Begegnungen können auch für das eigene gesellschaftliche Zusammenleben von großem Wert sein.

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Jan Schäfer

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  • Liebe Zeiträumer! Inzwischen gehöre ich schon zu den Stammkunden Ihres geschätzten Unternehmens. Wenn die Zeit und die Gesundheit es erlauben würden, wäre ich wohl viel öfters mit Ihnen unterwegs.
    Die Artikel Ihres Mitarbeiters Jan Schäfer lese ich mit besonderem Interesse. Sie sind interessant und informativ. Weiter so !
    Ich grüße Sie herzlich !

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