Isländer – Gemeinsam weniger einsam

Islandflagge mal anders Foto: Piotr Marcinski/ shutterstock;

Islandflagge mal anders
Foto: Piotr Marcinski/ shutterstock

Warum die Isländerinnen und Isländer merkwürdig sind

Setzt man sich mit Island und seiner Bevölkerung auseinander, so findet man schnell einen roten Faden, der sich durch alle Bereiche zieht. Es ist das harmonische Miteinander, dass für die Isländerinnen und Isländer stets im Vordergrund steht, und zugleich die Weltoffenheit, die in Island großgeschrieben wird. Hier erwarten fast alle, dass mit dem Prozess des Erwachsenwerdens ein längerer Auslandsaufenthalt einhergeht. Das Wort „heimskur“ bedeutet übersetzt „dumm“, aber auch „Einer, der zu Hause geblieben ist“.

„Ein Feind ist zu viel, hundert Freunde sind zu wenig“

Wirken die Bewohner zwar durch ihre ruhige und reservierte Art auf den ersten Blick etwas distanziert, erkennt man beim zweiten Hinsehen eine Vielzahl lebensfroher, gastfreundlicher und offener Menschen. Nachnamen gibt es nicht – zumindest spielen sie keine Rolle. So wohnt jeder noch so kleinen Begegnung gleich eine geringere Distanz inne. Außerdem ist das Potenzial groß, dass eine einmal geschlossene Freundschaft lange hält. Die Lebenserwartung ist in etwa gleichauf mit der Japans und somit die höchste der Welt.

Glückliche Isländer an der Gletschlagune Jökulsaron Foto: Maridav - shutterstock

Glückliche Isländer an der Gletschlagune Jökulsaron
Foto: Maridav – shutterstock

Und in diesen Jahren sind die Isländerinnen und Isländer meist glücklich – in internationalen Umfragen zeigt sich regelmäßig eine außergewöhnlich hohe Lebenszufriedenheit und das wird auch von objektiven Faktoren unterstrichen.

Gleichzeitig werden nur in wenigen Ländern mehr Ehen geschieden; etwa zwei Drittel der „Bünde fürs Leben“ werden wieder gelöst. Ein Widerspruch? Vermutlich eher einer der Gründe für die Zufriedenheit der Isländer! Patchworkfamilien sind in Island kein Phänomen der 2000er, sondern seit Jahrhunderten gang und gäbe. Schon die Wikinger machten damals kein Aufhebens, wenn ihre Frauen während langer Beutezüge Kinder mit den Sklaven bekamen und zogen diese nach der Rückkehr als ihre eigenen auf. Diese Einstellung änderte sich auch nach der Christianisierung nicht. Bis heute finden häufig Kindergeburtstage auch nach Trennungen mit allen Elternteilen, Großeltern, Onkels und Tanten statt und sind in der Regel eine harmonische Angelegenheit.

„Ein Kind taugt weder zum Lügen, noch zum Verheimlichen“

In der isländischen Gesellschaft gibt es keine so strikte Rollenaufteilung wie dies in Kontinentaleuropa häufig der Fall ist – nicht ohne Grund wurde zum ersten Mal hier eine Frau durch demokratische Wahl Staatsoberhaupt. Junge Eltern erhalten 9 Monate voll bezahlte Elternzeit. Jeweils drei Monate davon erhalten Vater und Mutter, das letzte Drittel wird frei unter ihnen aufgeteilt. Allgemein herrscht in Island ein kinderfreundliches Klima und dementsprechend hoch sind auch die Geburtenraten. Auf eine Frau kommen 2,20 Kinder – kein anderes Land in Europa erreicht diesen Wert (im Vergleich: Deutschland erreichte 2012 einen Wert von 1,39). Und zudem sind die Eltern häufig jünger als in vergleichbaren Ländern.

Doch auch am anderen Ende des Lebenszyklus wird die Gemeinschaft nicht aufgebrochen. Wer die Pflege von Angehörigen übernimmt, wird dafür entlohnt. Das Miteinander wird auch mit einem sehr fortschrittlichen Schulsystem gestärkt. Kinder und Eltern werden sehr oft mit eingebunden und einmal getroffene Entscheidungen werden immer wieder evaluiert und gegebenenfalls auch zurückgenommen.

Doch woher kommt diese Stabilität in der Gemeinschaft, bei gleichzeitigem Willen sich stets weiter zu entwickeln? Die Antwort ist sicher vielschichtig, doch die Isländer selbst beantworten sie gerne mit dem Verweis auf ihre unwirtliche Umgebung – diese verlangt Einfallsreichtum. Und an Ideen mangelt es den Isländern nicht wie die hohe Zahl an Schreibenden, international bekannten Musikerinnen und Musikern sowie Malern belegt.

Entdeckt im Myvatngebiet bei Krafla Foto: Reinhard Pantke

Entdeckt im Myvatngebiet bei Krafla
Foto: Reinhard Pantke

„Erst machen wir es, dann mögen wir es“

Dass die Isländer Neuem nicht ablehnend gegenüber stehen, zeigt auch ihre jüngere politische Geschichte. Aktuell steht die isländische Piratenpartei – weltweit die erste, die in ein nationales Parlament einzog – in Umfragen bei über 30% der Stimmen, sie ist somit stärkste Kraft. Und dass die Wählerinnen und Wähler so etwas auch durchziehen, bewiesen sie 2009. Da wählten sie zum ersten Mal in der Geschichte Reykjaviks keine konservative Regierung. So weit, so unspektakulär. Das höchste Amt der Stadt bekleidete aber bis 2014 Jón Gnarr – ein Anarchist, Punk und berühmtester Comedian seines Landes.

Nach der Finanzkrise, die Island durch seine zuvor sehr einseitige Fokussierung auf den Bankensektor besonders hart traf, war für die etablierten Parteien kein Vertrauen mehr übrig. Als Gnarr mit Heavy-Metal-Musikern, Punks und weiteren Komikern seine „Beste Partei“ gründete, war dies eigentlich ein Satire-Projekt. Einige Monate später war er auf fünf Jahre der Chef von 8000 Mitarbeitenden der Stadt und musste sich mit Schulreformen und einem völlig überschuldeten Energieversorger befassen. Das machte er so gut, dass er sich seiner Wiederwahl fast sicher hätte sein können, doch er selbst entschied sich dafür keine weitere Amtszeit anzustreben. Reykjavik wird heute von einer Koalition aus Sozialdemokraten und der Nachfolgepartei der „Besten Partei“ regiert.

Isländerinnen und Isländer sind merkwürdig – und das im besten wie positivsten Wortsinne. Nicht nur die außergewöhnlichen und einzigartigen Landschaftsbilder der Insel, sondern auch die liebenswerten Menschen sind ein guter Grund, um Island einen Besuch abzustatten. Unsere vielfältigen Angebote, die Ihnen genau das ermöglichen sollen, finden Sie hier.

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Jan Schäfer

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