Die Äußeren Hebriden – Eldorado für Outdoorer

Äußere Hebrideninsel Isle of Harris Foto: Reinhard Pantke

Äußere Hebrideninsel Isle of Harris
Foto: Reinhard Pantke

Text und Bilder: Reinhard Pantke, überarbeitet von Tanja Riehm-Wagner

Reinhard Pantke war per Fahrrad im Westen Schottlands unterwegs und nimmt uns mit auf die wunderschönen, einsamen Äußeren Hebriden. Lesen Sie den zweiten Teil der abwechslungsreichen Radreise …

Weite, Einsamkeit und helle Nächte

Wer Einsamkeit, Weite und wilde Landschaften sucht, wird auf den Äußeren Hebriden auf jeden Fall fündig. Die Inselgruppe ist ein wahres Naturparadies abseits der touristischen Trampelpfade. Ich strebe nun per Fähre das nächste Ziel meiner Radreise an: Lochmaddy auf der Insel North Uist. Diese erreiche ich nach einer mehrstündigen Überfahrt.

Die Äußeren Hebriden

Amüsantes Schild auf der Insel North Uist
Foto: Reinhard Pantke

Im Gegensatz zum Nordteil ist die Südhälfte der Hebriden ziemlich flach und durch Brücken und lange Dämme miteinander verbunden. Unendliche Moore im Osten und Wiesen im Westen prägen das Landschaftsbild. Mehr als acht Meter dick können die Torfschichten in den Mooren hier werden, ein optimales Brutgebiet für Myriaden von „Midges“, kleiner Blutsauger, die scheinbar in einem Radfahrer so etwas wie eine Blubank auf Rädern sehen! Erst gegen Mitternacht finde ich ein halbwegs ebenes Plätzchen und baue fluchend in einer großen Mückenwolke das Zelt auf. Aber so windstille Abende sind wohl eher hier draußen die Ausnahme. Obwohl Schottlands Norden weit südlich des Polarkreises liegt, wird es in klaren Juninächten nicht wirklich Dunkel!

Bäume wird man hier auf den südlichen Hebrideninseln vergeblich suchen. Der hohe Salzgehalt der Luft und die schweren Winterstürme, die hier oft mit 200 km über die Inseln fegen, würden jedem Baum das Leben schwer machen. Die Westseiten der Hebriden sind eine fantastische Aneinanderreihung kilometerlanger, unberührter Strände, die mir an seltenen Tagen wie diesem wie tropische Paradiese erscheinen. Wer allerdings der Verlockung erliegen sollte, den Zeh mal ins Wasser zu halten, wird bei Wassertemperaturen von 13 -15 Grad schnell der visuellen Illusion beraubt werden und merken, dass er im hohen Norden Großbritanniens gelandet ist!

Isle of Harris Foto: Reinhard Pantke

Isle of Harris
Foto: Reinhard Pantke

Die Inseln der Kontraste

Am nächsten Tag vertreibt eine kräftige Brise die lästigen Blutsauger und treibt mich zudem schnell voran in Richtung der Isle of Harris, die ich nach einer kurzen Überfahrt erreiche. Diese Insel der Äußeren Hebriden könnte kaum kontrastreicher sein: Während die Ostseite der Insel mondähnlich karg und steinig ist, wird die Westseite jetzt Anfang Juni überzogen von blühenden Frühlingswiesen. Endlose Sandstrände, grüne Gezeitenlandschaften, die von Schafen bevölkert werden, wechseln sich ab mit wilden Klippenlandschaften, unter denen türkisfarbene Buchten verlockend leuchten. Bei Ebbe entstehen endlose Sandflächen. Die Schafe, die darüber ziehen, bieten einen fast surrealen Kontrast. Nur selten überholt mich ein Auto, die Inseln sind dünn besiedelt und die meisten Urlauber scheuen die langen Fährfahrten, obwohl diese in den letzten Jahren günstiger geworden sind.

Der nächste Campingplatz liegt traumhaft über einem langem Sandstrand, an dem ich am späten Abend sogar einige Robben sehe, die immer wieder neugierig aus dem Wasser hervorlugen.

Stehende Steine

Es geht weiter in Richtung der Insel Lewis. Die nördlichste Hebrideninsel ist bergiger als die südlichen Inseln, ich muß so einige Höhenmeter abstrampeln. Auf der moorigen Isle of Lewis reizen mich zum Abschluss dieses Inselabstechers die „Standing Stones of Callanish“. Mitten in den moorigen Weiten stehen die Steine seit über 4.500-5.000 Jahren angeordnet in Form eines keltischen Hochkreuzes. Die Anordnung der Steine ließ Forscher vermuten, dass die dort versammelten Priester schon vor über 4.000 Jahren anhand der Steine und Gestirne die Jahreszeiten bestimmen konnten. Es mag etwas profan klingen, aber ihnen muß dazu klar gewesen sein, dass die Erde eine Kugel ist, eine Erkenntnis, die sich ja letztendlich erst vor gut 500 Jahren in unseren „kultivierten“ Breitengraden vollständig durchsetzen konnte. Diese bestehen aus 1,5 Milliarden Jahre alten Gneise, die in den wieder grauen Himmel Schottlands ragen. Ein wirklich magischer Platz, der einen Vergleich mit Stonehenge nicht scheuen muss!

Am Abend erreiche ich den Endpunkt meiner Inselhopping-Tour. Stornoway, die kleine „Hauptstadt“ der Hebriden, hat auch einen Fährhafen, von dem es nach Ullapool geht.

Sehr ruhige Sonntage

„Never go to Stornoway on a Sunday“ hatte man mir noch wärmstens mit auf den Weg mitgegeben. Als ich am Samstag Abend ankomme „tobt“ das Leben noch vor den Kneipen der kleinen Innenstadt. Als ich Sonntag Mittag von einem Ausflug wieder zurückkomme, ist die Stadt wie ausgestorben: Weder Cafes noch Restaurants sind geöffnet, noch sehe ich Menschen auf den Straßen. Das Golfen ist sonntags zum Beispiel auch verboten und das Spielen auf den Spielplätzen „nicht erwünscht“. Die meisten Einwohner sind auch heutzutage nicht nur gaelisch sprechend, sondern außerdem streng gläubige Calvinisten, die sehr auf die Einhaltung der Sonntagsruhe bedacht sind. In früheren Zeiten haben einige ganz „Harte“ die damals noch tickenden Uhren an Sonntagen angehalten oder Samstags gekocht, Sonntags gegessen und erst Montags abgewaschen.

Mit der Fähre setze ich nach Ullapool über, also zurück zum Festland, um die schottische Küste bis zu den Orkney Inseln abzufahren – doch das ist eine andere Geschichte.

Das Radfahren auf den äußeren Hebriden möchte ich nur outdoorbegeisterten Radlern empfehlen, die mit größeren Entfernungen zwischen touristischen Einrichtungen und manchmal auch schlechtem Wetter zurechtkommen. Naturbegeisterte, die ein einsames Inselleben lieben, werden voll auf ihre Kosten kommen!

Besuchen Sie die Äußeren Hebriden auf einer unserer Schottlandreisen!

 

About the author

Reinhard Pantke

Der Globetrotter Reinhard Pantke (Jahrgang 67) erlebt seine Reiseziele grundsätzlich nur mit Fahrrad und Rucksack. Neben Fahrradtouren durch Norwegen (17x), Schweden, Island (3x), Schottland, England, Neuseeland (3x) und einigen Südseeinseln und den Kanaren war er auch in Kanada und Alaska unterwegs. Im Verlauf dieser Touren legte er in den letzten Jahren insgesamt 160.000 km per Fahrrad zurück.
Neben Artikeln in regionalen und überregionalen Zeitungen und Magazinen, Kalendern, Buchbeiträgen und Austellungen ist Reinhard Pantke auch Autor verschiedener Bildbände über Norwegen und Kanada. Im Jahr 2009 hatte der Abenteuerer bereits Kanada von Westen nach Osten durchquert. Seine große Leidenschaft ist Skandinavien, aktuell tourt er 3 Monate durch Schweden und Norwegen.

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