Unten auf der Wolkeninsel Skye

Eilean Donan Castle Foto: Reinhard Pantke

Eilean Donan Castle
Foto: Reinhard Pantke

Der Globetrotter Reinhard Pantke war im Westen Schottlands unterwegs und nimmt uns mit auf die Isle of Skye, eine der schönsten Ferieninseln Schottlands. Lesen Sie einige seiner Eindrücke!

Per Zug geht es zunächst von der schottischen Hauptstadt Edinburgh nach Inverness und von dort auf einer der abwechslungsreichsten Zugstrecken Schottlands quer durch die frühlingshaften Highlands nach Kyle of Lochalsh.

Nur gut 20 km vom Endpunkt der Eisenbahnstrecke entfernt ist eine Burg, die wohl fast jeder kennen wird, auch wenn er noch nie in Schottland gewesen ist: Die spektakulär gelegene mittelalterliche Wasserburg Eilean Donan aus dem 13. Jahrhundert war in den letzten Jahrzehnten Drehort vieler bekannter Hollywood Blockbuster wie „Prinz Eisenherz“, „Braveheart“, „Highlander“ oder „Rob Roy“. Dabei wissen nur die wenigsten, dass die Burg nach den Jakobiteraufständen im 18. Jahrhundert für ca. 200 Jahre als Ruine daniederlag und erst Anfang des 20. Jahrhunderts wieder neu aufgebaut wurde und zu dem wurde, was jedes Jahr Hundertausende von Touristen bestaunen.

Skye

Isle of Skye
Foto: Reinhard Pantke

Paradies mit winzigen Lastern

Danach radele ich von dem einstigen Fährhafen Kyle of Lochalsh über die hohe Brücke nach Skye hinüber. Diese zu den Inneren Hebriden zählende Insel ist mit gut 1.600 qkm gerade mal halb so groß wie das Saarland, aber wegen ihrer vielfältigen Landschaft wird sie auch Schottland in Miniaturformat genannt. Skye ist ein beliebtes Ferienziel der Briten und dient zugleich als Sprungbrett zu den Inseln der Äußeren Hebriden. Abseits der Hauptstraßen und in den Bergen bemerkt man Ende Mai noch wenig vom Tourismus. Da außerdem in den Monaten Mai und Juni das Wetter oft stabiler und trockener ist als im Hochsommermonat Juli, ist diese Reisezeit absolut empfehlenswert. Die Landschaft ist vom intensiven Gelb der jetzt überall blühenden Ginsterbüsche überzogen und die kargen Berge spiegeln sich im völlig ruhigen Wasser.

„Skye“ bedeutet im altnordischen „Die Wolkeninsel“, doch von den namensgebenden Wolken bemerke ich glücklicherweise rein gar nichts. Über den Cullins spannt sich strahlend blauer Himmel und am Abend treiben mich bei Windstille Schwärme der winzigen Midges schnell ins Zelt. Die Plagegeister sind wesentlich kleiner als unsere hiesigen Mücken, verpassen aber ihren „Opfern“ einen nervigen Juckreiz. Es mag ein Trost sein, dass sie schon bei geringen Windgeschwindigkeiten auf dem Boden bleiben und mit den ersten Nachtfrösten stark dezimiert werden.

Cuillins auf der Isle of Skye Foto: Reinhard Pantke

Cuillins auf der Isle of Skye
Foto: Reinhard Pantke

Die Cuillins auf der Isle of Skye

Nicht nur für Bergsteiger interessant sind die „Black“ und die „Red Cuillins“, bizarr geformte Granitmassive, die ähnlich den Bergen auf den Lofoten in Norwegen fast 1.000 Meter aus dem Atlantik aufragen. Vom Campingplatz am Sligachan Hotel, einem optimalen Ausgangspunkt für viele sehenswerte Orte, wandere ich am nächsten Tag nicht per Rad, sondern zu Fuß auf den leicht zu begehenden 700 Meter hohen Marsco. Von der Spitze des Berges, der zwischen den abgerundeten Red Cuillins und den kantigen, schwarzen Granitbergen der Black Cuillins liegt, genieße ich eine phantastische Fernsicht über Berge und Meer. Fasziniert betrachte ich von oben die karge Urlandschaft, über die sich am Abend dann doch die Nebelbänke wie dicke Wattekissen schieben. Auch wenn die absolute Höhe der Berge nicht hoch erscheinen mag, sollte man die rasant schnellen Wetterwechsel nicht unterschätzen und nur gut ausgerüstet und mit etwas Proviant in die Berge starten.

Whisky und mehr

Am nächsten Tag radele ich über die kleine Inselhauptstadt Portree und vorbei am Dunvegan Castle, dem „Märchenschloß“ des über 700 Jahre alten Mac Leod Clans. Nach einem kurzen Stopp geht es weiter. Nun wartet ein Programmpunkt auf mich, der auf keiner Schottlandreise fehlen darf: die Besichtigung (selbstverständlich mit anschließender Probe!) einer Whisky-Brennerei.

Talisker Whisky-Brennerei Foto: Scottish Viewpoint

Talisker Whisky-Brennerei
Foto: Scottish Viewpoint

In diesem Fall handelt es sich um die Talisker Whisky-Brennerei, die schon von Robert Louis – dem Autor der Schatzinsel – in Gedichten gerühmt wurde. „Längere“ regenlose Phasen von mehr als drei Tagen werden hier eher missmutig aufgenommen, da dann sehr schnell das frische Quellwasser versiegt, das für die Produktion des schottischen Lebenselixiers essentiell ist.

Es geht weiter zu den Black Houses von Kilmuir. Die Vorstellung fällt mir schwer, daß ein Großteil der ärmeren Bevölkerungsschichten noch bis zum 2. Weltkrieg in den zugigen, fensterlosen Behausungen auf engstem Raum zusammengedrängt lebte.

Der abwechslungsreiche Norden

Im Norden der Insel liegt die wunderschöne Trotternish-Halbinsel. Lavagestein hat sich hier vielerorts zu skurrilen Felsformationen aufgetürmt, die man z.B. am steil abfallenden Kilt Rock Wasserfalll bewundern kann, der direkt ins Meer abfällt. Die bekannteste Felsformation ist die 50 Meter hohe und weithin sichtbare Felsnadel des „Old Man of Storr„.

Hinter Staffin windet sich eine steile Single-Track-Road in anstrengenden Haarnadelkurven mit über 15 % Steigung über die moosbewachsenen Tafelberge und durch das allseits beliebte Wanderparadies Quaring, das sich durch den Norden der Halbinsel zieht. Bei der Abfahrt hinunter in den Fährort Uig ratter ich fast in eines der schottischen Hochlandrinder hinein, das seelenruhig auf die schmale einspurige Strasse marschiert ist, um quer darauf stehen zu bleiben.

Letztendlich erreiche ich aber doch noch wohlbehalten Uig, von wo ich in wenigen Stunden zu den Äußeren Hebriden übersetze. Doch das ist eine andere Geschichte.

Wer auf den Geschmack gekommen ist, die Wolkeninsel Skye zu erleben, wird sicher bei den Schottlandreisen von ZeitRäume fündig. Wie es auf den Äußeren Hebriden weitergeht lesen Sie im zweiten Teil.

About the author

Reinhard Pantke

Der Globetrotter Reinhard Pantke (Jahrgang 67) erlebt seine Reiseziele grundsätzlich nur mit Fahrrad und Rucksack. Neben Fahrradtouren durch Norwegen (17x), Schweden, Island (3x), Schottland, England, Neuseeland (3x) und einigen Südseeinseln und den Kanaren war er auch in Kanada und Alaska unterwegs. Im Verlauf dieser Touren legte er in den letzten Jahren insgesamt 160.000 km per Fahrrad zurück.
Neben Artikeln in regionalen und überregionalen Zeitungen und Magazinen, Kalendern, Buchbeiträgen und Austellungen ist Reinhard Pantke auch Autor verschiedener Bildbände über Norwegen und Kanada. Im Jahr 2009 hatte der Abenteuerer bereits Kanada von Westen nach Osten durchquert. Seine große Leidenschaft ist Skandinavien, aktuell tourt er 3 Monate durch Schweden und Norwegen.

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