Go West – Per Fahrrad unterwegs auf der Dingle Halbinsel

Blasket Islands in Irland Foto: Reinhard Pantke

Blasket Islands in Irland
Foto: Reinhard Pantke

Text und Bilder: Reinhard Pantke, überarbeitet von Tanja Riehm-Wagner

Ein weit verbreitetes Klischee besagt, dass es in Irland vierzig verschiedene Grün-Töne gibt. Vor vielen Jahren hatte ich bei meiner ersten Irlandreise das Gefühl, dass an manchen Tagen auch vierzig verschiedene Regenarten auf einen herabfallen. Ursprünglich wollte ich sechs Wochen bleiben, aber nach gut zwei Wochen im hartnäckigen Dauerregen gab ich vollständig durchnässt auf. Doch jedes Land verdient eine zweite Chance und so machte ich mich im August 2013 erneut auf, um per Fahrrad einige der schönsten Plätze entlang der irischen Westküste zu erleben, die mittlerweile auch Bestandteil des über 2.600 km langen, spektakulären Wild Atlantic Way sind, der sich zwischen Cork im Süden und den rauen Küsten der Antrim Coast in Nordirland erstreckt. Natürlich bin ich auch dieses Mal per Fahrrad unterwegs.

Irlands kleinräumige und vielfältige Landschaften eignen sich prima zum Radeln. Wer die wenigen stärker befahrenen Hauptstraßen meidet, kann auf ruhigen, schmalen Nebenstraßen fast verkehrsfrei radeln. Die Entfernungen scheinen beim Blick auf die Karte nicht groß zu sein, aber wer auf gewundenen Wegen die vielen Halbinseln abfährt und in die eine oder andere Sackgasse fährt, merkt schnell, dass man viel mehr Zeit zum intensiven Kennenlernen Irlands benötigt. Auch wer mit dem Auto unterwegs ist, wird schnell merken, dass die Durchschnittsgeschwindigkeit hier wesentlich niedriger ist als auf deutschen Straßen!

Dingle

Dingle
Foto: Reinhard Pantke

Dingle und die Dingle Halbinsel

Über den Connor Pass, der mit nur ca. 450 m Irlands höchster Straßenpass ist, radele ich nach Dingle. Die Passstraße ist noch heute so schmal und kurvig, dass Busse sie nicht befahren können.

Die Kleinstadt Dingle ist mit ihren gerade mal 2.000 Einwohnern der Hauptort der weit ins Meer vorgeschobenen, gleichnamigen Halbinsel. Die bunten Häuser, die zahllosen Kneipen, viele Restaurants und die Lage direkt am Meer machen Dingle für mich zu einem der schönsten Orte Irlands. Daß es in Irland noch immer viele Kneipen gibt, ist ja bekannt, aber in Dingle reihen sich die gemütliche Trinkstätten dicht aneinander: Man(n) kann zwischen über 50 Orten irischer Gemütlichkeit wählen und in nicht wenigen Pubs gibt es jeden Tag im Jahr Live-Musik. Neben dem Essen & Trinken schätze ich als Alleinreisender die Lockerheit und wohldosierte Neugier der Iren, man sitzt nie lange allein und unterhält sich schnell mit Fremden, ohne aufdringlich zu sein.

Dingle

Slea Head Drive auf der Dingle Halbinsel
Foto: Reinhard Pantke

Lange Zeit war die Dingle Halbinsel das Armenhaus Irlands. Auf dem Slea Head Drive passiere ich die Spuren uralter Geschichte: Über 6.000 Jahre alte Steinforts und einzigartige Kirchen wie das Gallarus Oratory bedecken die schroffe Halbinsel.

Auch wenn manchmal einige Ausflugsbusse auf dem Slea Head Drive unterwegs sind, sind die Verkehrsströme geringer als auf dem Ring of Kerry und die Szenerie könnte kaum schöner sein! Immer wieder kann man zudem auf kleine Straßen ausweichen, die oft zu einsamen Traumbuchten hinunterführen. Je weiter ich nach Westen radele, desto spektakulärer windet sich die schmale Straße westwärts und gibt wunderbare Ausblicke über Traumstrände frei, die von wilden Klippen eingerahmt werden, an denen sich die Brandung meterhoch bricht. Die in der Sonne glitzernden Strände lassen fast karibische Gefühle aufkommen.

Raue Perlen: Die Blasket Inseln

Der Wettergott meint es besonders gut: Die See ist ruhig genug, um von Dunquin Pier zu den heute unbewohnten Blasket Inseln überzusetzen. Trotzdem ist die Überfahrt nichts für „schwache“ Mägen…

Esel auf den Blasket Islands Foto: Reinhard Pantke

Esel auf den Blasket Islands
Foto: Reinhard Pantke

Die Inseln zeigen beeindruckend das einst entbehrungsreiche Leben der Menschen am westlichen Rande Europas. Heute streunen nur die wuscheligen Esel halbwild über die Insel und ziehen durch die verfallenen Ruinen der einstigen Siedlungen. In den teils winzigen Einraum-Häusern lebten noch im 20. Jahrhundert ganze Familien im Winter teils mit ihrem Vieh. Alte Trampelpfade führen zu den wunderschönen Stränden der Insel. Im Sommer zieht es einige der Nachfahren der menschlichen Siedler zurück auf die Inseln, einige wenige Häuser sind bewohnbar. Im Winter waren die Inseln früher oft tagelang von der Außenwelt abgeschnitten, da man den kleinen Naturhafen nicht ansteuern konnte. Auch heutzutage kann man nur an ruhigen Tagen mit kleinen Schlauchbooten anlegen. Menschen starben früher aufgrund der schlechten Erreichbarkeit an einfachsten Dingen und die Jungen verließen die Inseln, bis die Regierung entschied die letzten 22 verbliebenen Einwohner in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts aufs Festland umzusiedeln.

Wer mehr über das harte und archaische Leben auf den Inseln erfahren will, sollte sich unbedingt das Blasket Islands Centre am westlichen Rand des Slea Head Drive anschauen. Nicht nur für Regentage ist die wunderbare Autobiographie von Thomas O’Crohan, der in seinem Roman „The Islandman“ das entbehrungsreiche Leben der Insulaner eindrucksvoll beschreibt. Ich ziehe weiter nach Norden, wie es weitergeht Lesen Sie im nächsten Teil.

Wer schon jetzt Lust auf eine Irlandreise hat, wird sicher bei Zeiträume Reisen fündig werden!

About the author

Reinhard Pantke

Der Globetrotter Reinhard Pantke (Jahrgang 67) erlebt seine Reiseziele grundsätzlich nur mit Fahrrad und Rucksack. Neben Fahrradtouren durch Norwegen (17x), Schweden, Island (3x), Schottland, England, Neuseeland (3x) und einigen Südseeinseln und den Kanaren war er auch in Kanada und Alaska unterwegs. Im Verlauf dieser Touren legte er in den letzten Jahren insgesamt 160.000 km per Fahrrad zurück.
Neben Artikeln in regionalen und überregionalen Zeitungen und Magazinen, Kalendern, Buchbeiträgen und Austellungen ist Reinhard Pantke auch Autor verschiedener Bildbände über Norwegen und Kanada. Im Jahr 2009 hatte der Abenteuerer bereits Kanada von Westen nach Osten durchquert. Seine große Leidenschaft ist Skandinavien, aktuell tourt er 3 Monate durch Schweden und Norwegen.

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