Natur in Skandinavien – Beziehungen sind keine Einbahnstraße

Am Götakanal in Schweden Foto: Reinhard Pantke

Am Götakanal in Schweden
Foto: Reinhard Pantke

Wenn es um nordische Länder geht, sprechen wir häufig in Superlativen. Die Menschen seien die glücklichsten der Welt oder sie hätten die am besten funktionierenden Sozialsysteme – Demokratie und Freiheitsrechte sind in wenigen Regionen unserer Erde auch nur annähernd so gut ausgeprägt. Der Demokratisierungsgrad ist schon seit Jahrhunderten eine Vergleichskategorie und auch Freiheitsrechte oder Sozialsysteme interessieren nicht erst seit gestern – vom Glück gar nicht erst zu reden (auch wenn gerade das häufiger unter die Lupe genommen werden sollte). Wesentlich kürzer im Fokus einer breiten Masse ist hingegen die Frage nach einem nachhaltigen Umgang mit der Umwelt. Doch auch hier sind die Skandinavierinnen und Skandinavier Spitze!

Energie im Überfluss

Nehmen wir beispielsweise die Stromerzeugung. Schweden bezieht über 50% aus erneuerbaren Energien – ein herausragender Wert im internationalen Vergleich. Während es in Schweden ein bunter Mix verschiedener Energieträger ist, sticht bei unserem direkten nördlichen Nachbarland Dänemark vor allem die Windenergie, mit rund einem Drittel des Gesamtvolumens, heraus. Zudem leisteten findige Däninnen und Dänen Pionierarbeit auf dem Gebiet. Bereits in den 1970ern wurde eine mächtige Windanlage in Betrieb genommen, deren Größe erst in den 2000ern, als die Windkraft immer lukrativer wurde, übertroffen werden konnte.

Unangefochtener Spitzenreiter ist nichtsdestotrotz Norwegen. Ganze 99% des Strombedarfs werden durch Wasserkraft gedeckt. Dennoch ruht sich das Land nicht darauf aus, sondern will die Windenergie stärken und so die hier brach liegenden Potenziale nutzen. Norwegen tut dies nicht in Ermangelung anderer Einnahmequellen – es verfügt über beträchtliche Mengen an Erdöl und Gas – sondern im Bewusstsein der Endlichkeit dieser Ressourcen.

Nachhaltigkeit als Lebensstil

Doch nicht nur klassische Wege werden neu überdacht, es sollen auch völlig neue hinzukommen. Darum fördern alle skandinavischen Regierungen die Forschung in diesem Bereich und unterstützen ihre Unternehmen tatkräftig dabei Innovationen rentabel zu machen. So entstehen etwa in Schweden gerade Stadtteile, in denen bis ins letzte Detail auf Nachhaltigkeit geachtet wird. Die Distrikte kommen dabei nicht nur ohne jegliche fossile Brennstoffe aus, sie haben sogar in ihrer Gesamtheit einen positiven Einfluss auf die Umwelt.

Dort zu leben ist nicht billig. Dennoch zeigen Umfragen, dass über 70% der Schwedinnen und Schweden gerne in einem solchen Viertel wohnen würden – auch dann, wenn sie dafür mehr Geld bezahlen müssten. Doch woher kommt diese Bereitschaft?

Eine umfassende oder gar vollständige Antwort dürfen Sie an dieser Stelle nicht erwarten – dafür sind eher dicke Schmöker geeignet. Stattdessen sollen hier ein paar kulturelle Aspekte herausgegriffen werden. Diese sind besonders interessant, weil es sich dabei nicht um unumstößliche Gegebenheiten handelt und sie sich in Gesellschaften durchaus verändern können. Vorbilder sind in diesem Fall echte Orientierungshilfen und keine unerreichbaren „Stars“, die durch äußere Umstände in ihre Position kamen.

In der Region Finnmark in Norwegen Foto: CH-visitnorway.com

In der Region Finnmark in Norwegen
Foto: CH-visitnorway.com

Mein, dein, unser – die Natur als Gemeinschaftsort

Ein wichtiger Einfluss für die Bereitschaft zu nachhaltigem Handeln ist das Verhältnis der Skandinavier zur Natur! Was zunächst redundant klingt – ist einem die Natur wichtig, ist man natürlich bereit, mehr für sie zu opfern – ist mit dem so genannten Jedermannsrecht ein tief verwurzelter Bestandteil der norwegischen, schwedischen und finnischen Kultur (Dänemark versucht etwas ähnliches zu etablieren). Alle Menschen haben das Recht, die Natur, die sie umgibt, für sich zu nutzen. Voraussetzung ist, sie gehen dabei maßvoll vor. Denn die Natur hält für jede und jeden genug bereit – aber eben nicht, wenn sich alle ungebremst bereichern wollen.

Dass das nicht passiert – oder zumindest nicht die Regel ist – liegt unter anderem an einem psychologischen Effekt, der hier eintritt. Die in Deutschland übliche Frage „Wem gehört das?“ wird für skandinavische Wälder, Wiesen und Seen mit „Uns!“ beantwortet. Und die wenigsten mögen ihren Garten zertrampelt oder ihren Wald kahl und vermüllt.

Skandinavien ist eine Frau

Ein weiterer kultureller Aspekt schwächt das Bedürfnis sich auf Kosten anderer zu bereichern. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können in Skandinavien ein Wertegerüst ausmachen, das sich von anderen Staaten und insbesondere von Deutschland unterscheidet. Das Kollektiv ist enorm wichtig – gleichzeitig wird dem Individuum viel Platz gelassen, es selbst zu sein. Das äußert sich etwa in den einerseits sehr hohen Steuern, aus denen etwa der ausgedehnte Sozialetat finanziert wird und den anderseits sehr fortschrittlichen Freiheitsrechten.

Zudem sieht die Forschung in Skandinavien Werte deutlich stärker im Mittelpunkt, die mit dem Label „weiblich“ versehen werden, während in Ländern wie Deutschland und Japan die „männlichen“ im Vordergrund stehen. Die wichtigsten Unterschiede bestehen darin, dass in „weiblichen“ Gesellschaften Empathie, Solidarität mit Schwächeren und Toleranz den Ton angeben. Nackte Leistung und Wettbewerb kennzeichnen hingegen die „männliche“ Gesellschaft, Konflikte werden vom „Sieger“ gelöst und nicht versucht gemeinsam den besten Ausweg zu finden. Die Bezeichnungen „männlich“ und „weiblich“ sind jedoch sehr umstritten – „Konsens-“ vs. „Konkurrenz-Kultur“ scheint beispielsweise geeigneter, um die Unterschiede zu verdeutlichen. Besonders auch, da es gerade die der Einteilung zu Grunde liegenden traditionellen Rollenunterschiede sind, die in den skandinavischen Ländern eben nicht so ausgeprägt sind. Sie sind nicht in Stein gemeißelt, sondern kultureller Ausdruck.

Länder der Zukunft

In jedem Fall haben die skandinavischen Werte einen größeren Zeithorizont im Blick. Die Zukunft tritt nicht wegen eines kurzfristigen Gewinns ins Hintertreffen. „Schwächere“ sind auch die jetzt noch nicht geborenen oder jetzt noch nicht wahlberechtigten Menschen und die verdienen Respekt und Schutz.

Auf Nachhaltigkeit setzen die Nordländerinnen und Nordländer auch im Bereich Tourismus. Unterkünfte, Unternehmen und auch ganze Reiseziele werden nach strengen Richtlinien zertifiziert – immer wichtiger werden dabei regionale und saisonale Produkte. Daher hat sich auch ZeitRäume dem nachhaltigen Tourismus verpflichtet.Wenn Sie Lust auf eine Reise in ursprüngliche Natur oder sich vor Ort von modernster Umwelttechnologie überzeugen wollen, finden Sie hier sicherlich das richtige Angebot, um genau das zu erleben!

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Jan Schäfer

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