Go West – Highlights in Westirland per Fahrrad , Teil 2

Highlights in Westirland

Abend-Dämmerung bei Doolin
Foto: Reinhard Pantke

Was lange währt, … ja, den erste Teil dieser Reihe von Reinhard Pantke hatten wir bereits am 13.7. veröffentlicht. Krankheits- und reisebedingt hat sich die Fortsetzung dieser Irlandreihe etwas verzögert. Um so mehr freuen wir uns, Ihnen jetzt den zweiten Teil von Reinhard Pantkes Fahrradtour durch Irland präsentieren zu können. 

Auf der Tour entlang der irischen Westküste geht es von der Dingle Halbinsel langsam aber stetig weiter nach Norden zu vielen weiteren Highlights in Westirland.

Ich starte in Dingle. Nach zwei Radtagen kommen die vielbesungenen und besuchten Klippen von Moher in Sicht, die sich über 8 Kilometer zwischen Liscannor und Doolin erstrecken. Dabei konzentrieren sich die meisten Besucher aus Unkenntnis oder Zeitmangel nur auf den kleinen Bereich, den man rund um das „lebhafte“ Touristenzentrum und den riesigen Parkplatz findet, der an Großveranstaltungen erinnert. Der Riesenrummel ist schon ein kleiner „Kulturschock“ für mich.

Wer sich in einer der nahegelegenen Touristeninformationen eine Wanderkarte geben lässt und halbwegs schwindelfrei ist, wird spektakuläre Klippenabschnitte auf dem ca. 20 km langen „Cliff Coastal Walk“ fast ganz allein für sich entdecken.

Doolin Foto Reinhard Pantke

Doolin
Foto Reinhard Pantke

Eine knappe Radstunde später erwartet mich etwas nördlich der Klippen das nächste der Highlights in Westirland: Das typisch irische Dorf Doolin. Zugleich ist dies eine wahre Musikerhochburg, wie sich an den vielen Lokalitäten schnell erkennen lässt. Ich zähle beim Durchgehen – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – acht Kneipen und Restaurants, wohlbemerkt ein Dorf von nicht mehr als 800 Einwohnern. Abends gibt es hier in mindestens 3 Kneipen Live-Musik – man ernährt sich wohl eher „flüssig“. Das lebhafte, bunte Fischerdorf, indem ein Wettbewerb zu laufen scheint, wer die fröhlichste Farbe auf sein Haus pinselt, ist von Mai bis Oktober Startpunkt für Bootstouren zu den Klippen. Dabei sieht man nicht nur die Klippen aus der Frosch-Perspektive, sondern mit ein wenig Glück auch putzige Papageientaucher, sowie fast 30 andere Vogelarten und machmal auch Delfine. Am Abend gibt es an der Hafenmole einen romantischen Sonnenuntergang zu bestaunen.

The Burren: Geheimnisvolles Karst-Land …

Am folgenden Tag radele ich ausnahmsweise mal ohne Gepäck durch „The Burren“, einer zum Nationalparkgebiet erklärten Karstlandschaft, die sich nördlich von Doolin steinig und ohne Wasser, Baum und Strauch ausbreitet. Ein englischer General, der mit nicht unbedingt freundlichen Absichten hier auf dem Durchmarsch war, sagte über diese Gegend: „Hier findest du weder einen Baum, an dem Du einen Mann erhängen kannst, noch einen See in dem du ihn ertränken kannst“. Die Menschen der Steinzeit sahen das anscheinend anders und siedelten hier schon vor mehr als 6.000 Jahren und schufen mit dem Poulnabrone Dolmen einen geheimnisvollen Ort. Bis heute rätselt man, wie die Menschen damals den tonnenschwere Deckstein des Grabs bewegen konnten.

Auf schmalen Straßen, die sich teils unglaublich steil und einspurig durch die Landschaft winden, erkunde ich das Karstland. Irische Straßenbauer machen keine Kompromisse: Da, wo andere Serpentinen bauen würden, sagt der Ire „Wozu, alles Verschwendung, wir gehen da grade den Berg hoch“. Obwohl kein Hügel höher als 150 m ist, stehen am Tagesende der 70 km langen Etappe mehr als 1.000 Höhenmeter (nur rauf) auf dem Tacho.

Die steinigen Arran Inseln

Und schon erwartet mich das nächste der Highlights in Westirland. Am nächsten Morgen setze ich nämlich zu den drei vorgelagerten Arran Inseln über, die man von Doolin aus nur von April bis Oktober mit einer kleinen Personenfähre erreicht. Diese nimmt Fahrräder nur mit, sofern Platz ist – ich hatte Glück! Wer außerhalb der Sommerzeit auf die Inseln will, kann dies von Rossaveal (westlich der Stadt Galway), auch mit größeren Personen-Fähren tun.

Highlights in Westirland

Auf den Arran Islands
Foto: Reinhard Pantke

Schnell wird man sehen, was die Menschen auf den abgelegenen Eilanden hier an den eher grauen Wintertagen machen, wenn die Touristen weg sind: Die Frauen sind vielleicht mit der Produktion der überall zu erwerbenden „Arran Sweater“ beschäftigt, während die Männer, wenn sie denn mal nicht im Pub sind, die unzähligen Steinmauern instandhalten und wieder aufbauen, die die Inseln in kleinste Flächen aufteilen. Anfangs habe ich mich gefragt, was für einen Sinn diese immense Handarbeit macht, aber wer an einem windigen Tag dort war, versteht, dass ohne die Steinmauern Tieren und Menschen jeglicher Windschutz fehlen würde und besonders in der winterlichen Sturmzeit die ohnehin dünne Humusschicht verweht werden würde. Irgendwohin mußte man schliesslich auch mit den Steinen, die die Inseln bedecken.

Die Straßen auf den Inseln sind so schmal, dass sie mich eher an deutsche Feldwege erinnern. Fahrräder sind auch einfach wegen der Überschaubarkeit das beste Fortbewegungsmittel. Wer sein eigenes Rad nicht dabei hat, muss trotzdem nicht aufs Radfahren verzichten. Auf der größten Arran Insel –Inishmore – zähle ich sieben verschiedene Radverleiher. Zwischen den steinigen Küsten locken außerdem immer wieder wunderschöne Sandstrände zu einer Radlpause.

Auf Inishmore bietet sich vom steinzeitlichen Fort Dun Aengus, das vor 5.000 Jahren oberhalb der mächtigen Klippen angelegt wurde, ein fantastischer Ausblick über einen in der Sonne glitzenden grünen Flickenteppich, der von Steinmauern eingerahmt und von steilen Klippen begrenzt wird.

Highlights in Westirland

Schiffswrack auf Inisheer
Foto: Reinhard Pantke

Wer es etwas ruhiger mag, sollte sein Glück eher auf der kleineren Insel Inisheer versuchen, wo man die Ruinen einer alten Burg und ein Schiffswrack bestaunen kann, das dort seit den 60er Jahren liegt.

Weiter geht es am nächsten Morgen per Fähre hinein ins „Herz Irlands“ – nach Connemara – und hinauf zum Endpunkt meiner Irland-Reise zur Böll-Insel Achill Island. Aber davon erzähle ich im nächsten Teil mehr.

Wer auf den Geschmack gekommen ist Irlands wilden Westen auch mal zu erkunden, wird bei den ZeitRäume Irlandreisen sicher fündig werden.

Text und Bilder: Reinhard Pantke, überarbeitet von Tanja Riehm-Wagner

About the author

Reinhard Pantke

Der Globetrotter Reinhard Pantke (Jahrgang 67) erlebt seine Reiseziele grundsätzlich nur mit Fahrrad und Rucksack. Neben Fahrradtouren durch Norwegen (17x), Schweden, Island (3x), Schottland, England, Neuseeland (3x) und einigen Südseeinseln und den Kanaren war er auch in Kanada und Alaska unterwegs. Im Verlauf dieser Touren legte er in den letzten Jahren insgesamt 160.000 km per Fahrrad zurück.
Neben Artikeln in regionalen und überregionalen Zeitungen und Magazinen, Kalendern, Buchbeiträgen und Austellungen ist Reinhard Pantke auch Autor verschiedener Bildbände über Norwegen und Kanada. Im Jahr 2009 hatte der Abenteuerer bereits Kanada von Westen nach Osten durchquert. Seine große Leidenschaft ist Skandinavien, aktuell tourt er 3 Monate durch Schweden und Norwegen.

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