Irland als Vorbild in puncto Nachhaltigkeit?

Nachhaltigkeit

Rinderweide mit herrlichem Ausblick
Foto: Reinhard Pantke

Wenn wir an Irland denken, denken wir oft an endlose Hügellandschaften voll saftig-leuchtendem Gras, an Kühe und Schafe, die friedlich auf ihnen weiden und an die von Wind und Lebenserfahrung gezeichneten Gesichter jener Menschen, die diese Tiere umsorgen. Wenn es nach der irischen Regierung geht, dann soll dieses Bild nicht nur eine romantische Erinnerung an die angeblich guten, alten Zeiten sein, sondern Leit- und Vorbild für eine Neuausrichtung der Landwirtschaft – in Irland und der ganzen Welt.

Zu diesem Zweck ging Irland im Jahr 2012 einen beispiellosen Schritt. In einer konzertierten Aktion von Regierung, Farmern und Bord Bia, einer halbstaatlichen Agentur, wurde ein Plan mit Namen Origin Green ausgearbeitet, nach dem bis zum Jahr 2016 100% der irischen Lebensmittelexporte aus nachhaltiger Bewirtschaftung stammen. Parallel dazu soll das Exportvolumens bis 2020 um 50% gesteigert werden. Nette Idee, aber völlig utopisch? Weit gefehlt. Die irischen Erzeugerinnen und Erzeuger sind auf dem besten Weg das hochgesteckte Ziel in die Tat umzusetzen und schon 2014 bei einem Anteil ressourcenschonender Produkte von 75% angelangt.

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Muckross Traditional Farm
Foto: Els Hochheimer

Nachhaltigkeit als Nische

Die Idee zu der groß angelegten Offensive kam nicht aus reiner Liebe zur Umwelt und Natur zustande. Von der Bankenkrise um 2008 wurde Irland besonders stark getroffen und nach Jahren des Aufschwungs stand Irland vor massiven Problemen. Von diesen wenig betroffen war der traditionell starke landwirtschaftliche Sektor, der durch verhältnismäßig kleine, häufig vererbte Betriebe geprägt war und ist.

Ein positives Image musste also nicht künstlich erzeugt werden – ein enormer Vorteil, wenn es um die Glaubwürdigkeit bei Verbraucherinnen und Verbrauchern geht. Und auch innerhalb des Landes muss nicht alles vom Kopf auf die Füße gestellt werden. Riesige landwirtschaftliche Produktionsbetriebe sind absolute Ausnahmeerscheinungen und die üblichen Familienbetriebe nutzten schon vorher deutlich weniger künstliche Futtermittel als der europäische Durchschnitt. Alles in allem keine schlechten Voraussetzungen, in den Boden der Nische „nachhaltige Lebensmittel“ eine irische Fahne zu rammen.

Der zwanglose Zwang des besseren Arguments?

Die Erzeugerinnen und Erzeuger schließen sich der Initiative per freiwilliger Selbstverpflichtung an. Durch den enormen Erfolg der Kampagne und das von Beginn an große Interesse Teil dieser zu werden, kommt eine Nichtteilnahme jedoch einem massiven Wettbewerbsnachteil gleich.

Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen verpflichten sich in mindestens zwei der drei Bereiche „Rohstoffbeschaffung“, „Produktionsverfahren“ und „Soziale Nachhaltigkeit“ kurz-, mittel- und langfristige Ziele festzulegen. Mindestens eines davon muss herausfordernd und nicht einfach zu erreichen sein. Die Ziele stecken sich die Unternehmen zwar selbst, es ist jedoch eine externe Agentur beteiligt, welche die Erarbeitung begleitet und später regelmäßig unangemeldet die Richtigkeit der von den Betrieben gemeldeten Daten überprüft.

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Muckross Traditional Farm
Foto: Els Hochheimer

Wertvolle Nebenprodukte

Die Ziele der Unternehmen sind genauso transparent wie ihr Fortschritt. Gemessen werden nicht nur Ergebnisse, sondern auch der Weg dorthin. Wie viel Nahrung brauchen die Tiere? Wie viel CO2 produziert der Betrieb? Wie viel Wasser wird benötigt?

All diese Daten werden bei Bord Bia zusammengetragen und analysiert. Dadurch wird mit modernster Messtechnik verglichen wie die einzelnen Betriebe im Hinblick auf die eigenen Ziele, aber auch im Vergleich mit anderen Farmen abschneiden und wo die Effizienz weiter gesteigert werden kann. Und Effizienzsteigerung ist ein zentrales Element des Vorhabens – schließlich sollen ja nicht nur alle Produkte aus nachhaltiger Erzeugung, sondern gleichzeitig auch der Gesamtertrag deutlich gesteigert werden. Gerade an dieser Stelle kann man davon ausgehen, dass für die Agrarwissenschaften wertvolle Ergebnisse anfallen.

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Temple Bar Food Market in Dublin
Foto: Reinhard Pantke

Irland als Global Player im Landwirtschaftssektor – mit professionellem Marketing

Und der Ausgangspunkt ist beileibe nicht der eines Agrar-Entwicklungslandes. Irland ist der viertgrößte Rindfleischexporteur der Welt, der größte in Europa. Irisches Milchpulver ist Grundlage für 10% der weltweit produzierten Säuglingsnahrung. Die Standards für die Haltung der Tiere sind – nicht zuletzt durch Origin Green – so hoch wie nirgends sonst auf der Welt. Derweil leben irische Kühe auf schlankem Fuß – der CO2-Fußabdruck ihrer Milch ist der kleinste im europäischen Vergleich.

Aufgabe von Bord Bia ist es Irland und Nachhaltigkeit in den Köpfen der weltweiten Konsumentinnen und Konsumenten zu verknüpfen. Sie produzieren dazu aufwendige wie sehenswerte Marketing-Videos, koordinieren die Präsentation Irlands auf der EXPO 2015 in Mailand, deren Thema die Ernährung der Welt ist und arbeiten mit Markenbotschaftern zusammen. Durch diese Anstrengungen wurden in den letzten Jahren neue Märkte, vor allem in Asien, erschlossen und die Bekanntheit irischer Produkte nachweislich und deutlich gesteigert.

Irland als grüne Musterinsel in Bezug auf Nachhaltigkeit?

Auch wenn Irland im Bereich Landwirtschaft in riesen Schritten vorauseilt und etwa der WWF Origin Green äußerst positiv sieht, dürfen wir nicht den Fehler begehen und Irland über den grünen Klee loben. Im Bereich erneuerbare Energien etwa hat Irland massiven Nachholbedarf. Die Initiative für mehr Nachhaltigkeit muss in ihrem Kontext – den heftigen Auswirkungen der Finanzkrise – gesehen werden. Doch genau darin liegt der Clou und Vorbildcharakter: Irland beweist eindrucksvoll, dass Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit Hand in Hand gehen und sich dabei gegenseitig vorantreiben können.

Natürlich ist Nachhaltigkeit auch vom Transportweg abhängig und die tatsächliche Bilanz im deutschen Supermarkt von Fall zu Fall verschieden. Was aber fallunabhängig feststeht ist, dass nachhaltiges Reisen wohl in wenigen Ländern so gut möglich ist wie in Irland. Bei weitem nicht der einzige, aber ein sehr guter Grund, warum wir Ihnen hier verschiedenste Irland-Reisen anbieten.

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Jan Schäfer

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