Go West – durch Connemara nach Achill Island, Teil 3

See bei Leatherfrack in Connemara Foto: Reinhard Pantke

See bei Leatherfrack in Connemara
Foto: Reinhard Pantke

Text und Bilder: Reinhard Pantke, überarbeitet von Tanja Riehm-Wagner
Hier nun der dritte und letzte Teil der Erlebnis-Fahrradtour entlang der irischen Westküste von Reinhard Pantke.

Meine Radtour führt mich weiter nach Norden, von den Arran Inseln geht es hinauf nach Connemara. Der Spätsommer legt sich nochmal richtig ins Zeug: das Thermometer zeigt 22 Grad, im Leatherfrack Nationalpark kann ich mich kaum lösen vom Anblick des glatten Fjordes, in dem sich die sanften Hügel perfekt und mit unglaublicher Klarheit spiegeln. Jetzt Ende August wirken die Farben noch viel klarer und intensiver, als im Hochsommer. Bald danach taucht, eingebettet zwischen hohen Bergen, an einem See das schlossähnliche Anwesen der Kylemore Abbey auf, das einst von einem exzentrischen Millionär gebaut wurde und dann die neue Heimat von belgischen Nonnen wurde, die hier eine Zuflucht vor den Wirren des ersten Weltkrieges fanden. Auch wenn man nur einen kleinen Teil des Inneren besichtigen kann, lohnen der umliegende restaurierte „Walled Garden“ und das Mausoleum auf jeden Fall einen ausgedehnten Besuch.

Straße zwischen Doo lough und Westport Foto: Reinhard Pantke

Straße zwischen Doolough und Westport
Foto: Reinhard Pantke

Auf schmalen Nebenstraßen radele ich durch idyllische Landschaften über den Pass von Doolough weiter in Richtung Westport. Bei der Abfahrt hinunter zur Küste donnere ich fast in eine Horde Schafe hinein, die auf einmal die Straße ganz gelassen kreuzen. Der Berg Croagh Patrick taucht auf – mit seinen 764 Metern ist er nicht nur eine markante Landmarke, sondern auch so etwas wie der heilige Berg Irlands, den man in einer schönen Tageswanderung (Anmerkung: bergauf ca. 4 Stunden, Rückweg kürzer) relativ einfach erwandern kann. Am letzten Juli-Sonntag wandern jedes Jahr bis zu 25.000 Pilger auf den Gipfel, um in der kleinen Kapelle auf dem Gipfel zu beten!

Am Fuss des Berges erinnert das grausige National Famine Monument an die größte Katastrophe der irischen Geschichte und auch daran, dass die Insel Irland im 19. Jahrhundert mehr als doppelt so viele Einwohner hatte wie in heutigen Zeiten. Die Kartoffelfäule und die harte Haltung der Engländer führten dazu, dass geschätzte 1,5 Millionen Menschen verhungerten und Millionen Menschen Irland in diesen Krisenzeiten verzweifelt verließen. Das Totenschiff mit Segeln aus Skeletten symbolisiert, dass die verzweifelten Menschen oft auf dem Weg in andere Länder auf Seelenkäufern umkamen oder so geschwächt und krank in ihren Zielländern ankamen, dass sie dort nicht wirklich willkommen waren.

Westport und Achill Island

Wer nach der anstrengenden Bergwanderung am Croagh Patrick die Kehle mit einem Guiness anfeuchten möchte, wird sicher im nicht weit entfernten Westport fündig. Die romantische Kleinstadt wurde schon mehrfach zur schönsten Stadt Irlands gewählt und ist ein guter Ausgangspunkt für die Erkundung von Connemara. Durch die Stadt plätschert ein ruhiger, blumengeschmückter Kanal, der von typisch bunten Häusern gesäumt wird. Im Sommer sollte man hier Unterkünfte lange Zeit vorab buchen, da die kleine Stadt auch bei den Iren sehr beliebt ist.

Wer mal in Irland recht steigungsfrei radeln will, kann auf der einstigen Eisenbahntrasse „The great western Greenway“ 42 km bis Achill Sound fahren, wo eine Brücke hinüber nach Achill Island führt. Die 160 qkm große Insel ist das größte Eiland Irlands und bietet eine wunderschöne Mischung aus spektakulären Klippenlandschaften, langen Sandstränden und weiten Torfmooren. Der Atlantic Drive im Westen der Insel bietet mir nicht nur „knackige Steigungen“, sondern auch spannnende Ausblicke auf die wilden Klippenlandschaften.

Der deutsche Schriftsteller Heinrich Böll liebte diese Insel und besuchte sie immer wieder. Seine „irischen Tagebücher“ wären sicher nicht nur für einen Regentag eine empfehlenswerte Reiselektüre. Noch heute versuchen in seinem „Cottage“ schreibende Stipendiaten in seine Fußstapfen zu treten.

Auch die in den Bergen gelegenen Häuser de „Deserted Village“ sind für mich ein Highlight. Das Dorf in den Bergen, das im 19. Jahrhundert während der Hungersnot verlassen wurde, zeigt gut, wie sich die Menschen stets erneut den harten Bedingungen anpassen mußten. In diesem Fall mussten sie von Jägern und Bauern zu Fischern werden, um überleben zu können.

Keem Bay auf Achill Island Foto: Reinhard Pantke

Keem Bay auf Achill Island
Foto: Reinhard Pantke

Mein persönlicher Traumstrand auf Achill Island ist der Strand von Keem Bay, der von hohen Klippen eingebettet wird und von oben an sonnigen Tagen wie ein Karibikstrand anmutet. Mit ein bisschen Kondition kann man von der Bucht aus die weglosen, steilen Klippen von Croaghaun auf dem Achill Head erwandern, um an klaren Tagen wunderbare Fernsichten zu genießen. Meine Radreise und Beschreibung der irischen Westküste geht hier zuende.

Viele der Plätze, die ich Ihnen in den letzten drei Folgen kurz beschrieben habe, sind auch Teil des über 2.500 km langen Wild-Atlantic-Ways, einer Touristenroute, die von Cork im Süden bis nach Derry in Nordirland führt. Viele weitere Anregungen, wie Sie den wilden Westen Irlands auch mit dem Auto und auf eigene Faust erforschen können, finden Sie bei den Irlandreisen von ZeitRäume Reisen.

About the author

Reinhard Pantke

Der Globetrotter Reinhard Pantke (Jahrgang 67) erlebt seine Reiseziele grundsätzlich nur mit Fahrrad und Rucksack. Neben Fahrradtouren durch Norwegen (17x), Schweden, Island (3x), Schottland, England, Neuseeland (3x) und einigen Südseeinseln und den Kanaren war er auch in Kanada und Alaska unterwegs. Im Verlauf dieser Touren legte er in den letzten Jahren insgesamt 160.000 km per Fahrrad zurück.
Neben Artikeln in regionalen und überregionalen Zeitungen und Magazinen, Kalendern, Buchbeiträgen und Austellungen ist Reinhard Pantke auch Autor verschiedener Bildbände über Norwegen und Kanada. Im Jahr 2009 hatte der Abenteuerer bereits Kanada von Westen nach Osten durchquert. Seine große Leidenschaft ist Skandinavien, aktuell tourt er 3 Monate durch Schweden und Norwegen.

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