Irischer Whiskey und sein zweiter Frühling

College green

Whiskeyverkostung Foto: Irish Whiskey Museum

Erleben Sie die Teeling Distillery und das Irish Whiskey Museum

Irland rückt immer stärker in den Fokus der internationalen Feinschmecker. Die Marketing-Kampagne Origin Green, die sicher ihren Anteil an dieser Entwicklung hat, haben wir vor kurzem schon vorgestellt. Einer der Gründe, warum sie funktioniert, ist der gute Ruf irischer Produkte – und eines mit besonderem Weltruf ist Irischer Whiskey.

Dass er auf der grünen Insel zu Hause ist, scheint selbstverständlich – Whiskey in the Jar ist nicht ohne Grund einer der Klassiker irischer Volksmusik. Mönche hatten im 5. Jahrhundert Gerätschaften und Wissen um den Prozess der Destillation auf die britischen Inseln gebracht und damit zunächst Heilmittel und Parfums hergestellt. Ob der Whiskey – oder in der schottischen Schreibweise Whisky – in Irland oder Schottland erfunden wurde, ist heute nicht ohne Zweifel zu sagen – eine Legende schreibt die Erfindung des ersten uisce beatha (ein Äquivalent von „aqua vitae“ also dem „Wasser des Lebens“) jedenfalls den Kelten zu.

Todbringendes „Wasser des Lebens“

Gesichert ist in jedem Fall die parallele Entwicklung, die das Getränk um das 15. Jahrhundert in beiden Ländern nimmt. Gesetze werden erlassen, die in erster Linie hohe Steuern auf Whiskey bedeuteten. In der Folge kam es zu blutigen Auseinandersetzungen, da die Bevölkerung sich mit diesen nicht zufrieden geben wollte. Die weitere Geschichte – egal ob in Irland, Schottland oder den USA – war stets gekennzeichnet von dem Versuch Whiskey hoch zu besteuern oder gar ganz zu verbieten und einer Bevölkerung, die versuchte die Gesetze zu umgehen und teils mit Gewalt gegen sie opponierte.

Anfang des letzten Jahrtausends war Irischer Whiskey sehr gefragt, im großen amerikanischen Markt war er gar der meistverkaufte. Genau deshalb wurde Irland die Alkohol-Prohibition in den Vereinigten Staaten in ganz besonderem Maße zum Verhängnis. Der Irische Unabhängigkeitskrieg und der anschließende Bürgerkrieg hemmten Produktion und Export – in der Folge kam hinzu, dass Irlands Handelsbeziehungen mit dem Vereinigten Königreich aufgekündigt wurden und mit allen Ländern des Commonwealth kein Handel mehr getrieben werden durfte. Die große Zeit des Scotch bricht an.

Auch Irischer Whiskey braucht Marketing

Das Sterben der Destillen in Irland ging so weit, dass in den 1960ern nur noch die Old Middleton – wo so wohlklingende Namen wie Jameson und Tullamore Dew gebrannt werden – und die Bushmills Distillery übrig blieben. Diese schlossen sich unter dem Namen Irish Distillers zusammen und schufen so finanziellen Spielraum, um die Position des Irish Whiskey im internationalen Wettbewerb zu stärken. Man konzentrierte seine Marketing-Bemühungen auf das Flaggschiff Jameson und konnte so eine Trendwende einläuten.

Ende der 1980er ging man einen schweren Schritt, der sich aber rückwirkend betrachtet mehr als ausgezahlt hat. Mit der Übernahme von Irish Distillers durch den in Frankreich ansässigen Getränke-Riesen Pernod Ricard war erstmals seit Jahrhunderten keine Destille in Besitz der einstigen Whiskey-Supermacht. Doch dies bedeutete eine weitere Intensivierung des Aufschwungs, da Pernod Ricard sein exzellentes globales Netzwerk nutzte, um den Ruf des Irish Whiskey wieder auf sein früheres Niveau zu bringen.

Teeling Whiskey Company in Dublin Foto: Gareth Byrne

Teeling Whiskey Company in Dublin
Foto: Gareth Byrne

Der Spirit of Dublin ist zurück – die Teeling Distillery

Irischer Whiskey erlebt seitdem eine neuerliche Blütezeit, die Produktionsmenge steigt kontinuierlich und erreicht im Jahr 2018 voraussichtlich wieder die Zahlen des Jahres 1900. Dazu tragen aktuell 12 Destillen bei, von denen die meisten erst in den letzten fünf Jahren öffneten. Einige weitere befinden sich gerade im Bau. Ein besonders spannendes Projekt entstand mitten in der Hauptstadt Dublin: die Teeling Distillery.

Der Name Teeling taucht 1782 am Whiskey-Himmel auf und bald gehören dessen Produkte zu den gefragtesten auf dem Markt. Das bewahrte jedoch nicht davor, eineinhalb Jahrhunderte später ebenfalls dem Destillen-Sterben zum Opfer zu fallen. Nachfahren des Gründers Walter Teeling hatten Ende der 1980er zunächst die Cooley Distillery im Norden des Landes aufgebaut, dann – nach rund 25 Jahren – an Jim Beam weiterverkauft und haben 2014, mit einem Neubau im Herzen der Stadt, den Whiskey zurück nach Dublin gebracht.

Dublin ist somit um ein absolutes Highlight reicher – die Chance eine im Betrieb befindliche Destille zu besuchen, sollten Sie sich nicht entgehen lassen. Am Ende der Führung durch die Anlage steht eine Kostprobe – was Sie bereit sind auszugeben, entscheidet welche Whiskeys Sie kredenzt bekommen; die Preise liegen bei 14€ bis 30€, Führung inklusive. Trotz seines kurzen Bestehens hat sich Teeling in der Fachwelt bereits einen sehr guten Ruf erworben – etwa mit einem in fünf verschiedenen Fässern ausgebauten Single Malt. Die Investition wird sich für den einen oder die andere also durchaus lohnen.

Jahrhunderte in fünf Räumen – das Irish Whiskey Museum

Knapp zwei Kilometer Fußweg entfernt, direkt gegenüber des Trinitiy College, wartet das zweite relativ neue Highlight für Whiskey-Fans: das Irish Whiskey Museum, das vor einem Jahr – also im November 2014 – seine Tore öffnete. In fünf verschiedenen Räumen bringen Ihnen die Guides die Geschichte edler und nicht so edler Tropfen aus Irland näher. Und auch wenn der Fokus auf Destillaten liegt, so wird auch ein Eindruck vom Leben im Irland vergangener Zeiten vermittelt. Auch hier findet im Anschluss an die Führung eine Whiskey-Verkostung statt, bei der Dank der fehlenden direkten Anbindung an eine der Destillen, ein Überblick über verschiedene irische Whiskeys gegeben werden kann.

Das Revival irischer Whiskeys schlägt sich mit dem Bau der Teeling Distillery und dem Irish Whiskey Museum nun also auch im touristischen Bereich nieder und macht Dublin um zwei Attraktionen reicher. Unzählige weitere Highlights haben wir für Sie auf unseren verschiedenen Irland-Reisen zusammengestellt, die Sie hier finden können.

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Jan Schäfer

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