Vestfirðir – Fjordlandschaft in Islands Nordwesten

Vestfirðir

Isafjördur auf der Halbinsel Vestfirðir
Foto: Reinhard Pantke

Vestfirðir ist der Kopf der Island-Ente, die Richtung Westen blickt, wenn man sich die Landkarte dieser sagenhaften Atlantikinsel ansieht. Diese von Fjorden tief eingeschnittene Halbinsel liegt im äußersten Nordwesten von Island. Die Nähe zu Grönland ist hier schon deutlich spürbar, sowohl in Form der Temperatur wie auch in der Einsamkeit dieses Landstrichs. Auf Vestfirðir hat man keine Touristenströme zu befürchten, man kann die Natur in ihrer ganzen Ursprünglichkeit genießen. Noch handelt es sich um einen echten Geheimtipp! Die bis zu 500 m tief hinabreichenden Fjorde entlang der Küste sind beeindruckend. Das Kap von Bjargtangar im Südwesten von Vestfirðir ist zudem der westlichste Punkt Europas.

Kurzgefasste Landeskunde von Vestfirðir

Vestfirðir ist eine Halbinsel, die nur über einen ungefähr 20 km breiten Landstreifen im Südosten Verbindung zum isländischen Festland besitzt. Sie liegt 500 Straßenkilometer nördlich von Reykjavik. Das landschaftlich Markanteste sind die vereinzelt bis zu 10 km tief ins Land reichenden 50 Fjorde und Buchten, wodurch sich eine Küstenlinie von 2100 km ergibt – eine beeindruckende Zahl, wenn man bedenkt, dass Vestfirðir nur um die 9400 km² groß ist, also  noch nicht einmal 100*100 km groß ist! Imposant ist auch die Steilküste entlang des tosenden Atlantiks, genau genommen handelt es sich im Nordosten um die Grönlandsee und im Nordwesten um die Dänemarkstraße. Im Inneren der Halbinsel liegt eine 400-800 m hohe Plateaulandschaft. Das Bergmassiv des Latrabjargs im Südwesten hat ein internationales Highlight zu bieten: Seine äußerste Spitze nennt sich Kap von Bjargtangar, das gleichzeitig die westlichste Landzunge Europas ist. Aber dieses Bergmassiv führt noch eine weitere Bestenliste an: Hier befindet sich Europas größter und dicht besiedelster Vogelfelsen. Ornithologen kommen in Latrabjarg voll und ganz auf ihre Kosten!

Der Hauptort der Halbinsel Vestfirðir heißt Isafjörður. Heute leben in dieser Stadt um die 3000 Menschen, das ist ein gutes Drittel der Gesamtbevölkerung von Vestfirðir. Im 18. Jahrhundert gehörte Isafjörður zu den sechs wichtigsten Handelszentren Islands, auf seine Stadtrechte musste der Ort allerdings noch bis 1866 warten. Die Blütezeit Anfang des 20. Jahrhunderts ebbte bereits nach einigen Jahrzehnten ab. Grund hierfür war die veränderte Beschäftigungssituation. Die Haupterwerbszweige waren jahrhundertelang die Fisch- und Landwirtschaft. Da diese Wirtschaftszweige seit Mitte des 20. Jahrhundert mit immer weniger menschlicher Arbeitskraft auskommen, setzte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine Landflucht ein. In den 1980er Jahren standen viele Häuser leer. Bedingt durch die Finanzkrise Islands im Jahr 2008 kehrte sich dieses für Island typisch gewordene Phänomen kurzzeitig ins Gegenteil um, weil man sich wieder mehr auf seine traditionellen Tätigkeitszweige besann. In dieser Zeit keimte ein für die Region Vestfirðir neuer Wirtschaftszweig auf: Der Tourismus.

Sehens- und Erlebenswertes auf Vestfirðir

Neben Europas größtem Vogelfelsen Latrabjarg, bei dem die Vogelliebhaber bestens aufgehoben sind, finden aber auch passionierte Angler in den Westfjorden ihr Glück. Reiche Bestände an Dorsch, Heilbutt und Steinbeißer lassen jedes Anglerherz höher schlagen! Hierfür ist im besonderen der Eisfjord Isafjarðardjup bekannt.

Andere naturbegeisterte Reisende können den Anblick des Dunjandi genießen. Er ist der größte Wasserfall von Vestfirðir. Nicht zu vergessen die bereits erwähnten Fjorde und Steilklippen entlang der Küste. Sie haben zwar mit ihren bis zu 500 m tiefen Fjorden nicht die Ausmaße norwegischer Fjorde, sind aber dennoch sehenswert.

Man kann im nord-nordöstlichsten Teil von Vestfirðir – in den Regionen Strandir und Hornstrandir – tagelange Wanderungen auf dem Hochplateau unternehmen, ohne auch nur einer Menschenseele zu begegnen. Seit 50 Jahren ist diese Gegend nicht mehr bewohnt. Drangajökull, der einzige Gletscher auf dieser Halbinsel, liegt ebenfalls in diesem Gebiet. Nicht nur Wanderer, auch Bergsteiger, Kletterer und im Winter Ski-Langläufer finden hier wahre Paradiese zum Ausüben ihres Hobbys.
Wer es weniger einsam mag, sollte sich Isafjördur oder Bolungarvik ansehen. Das Stadtbild von Isafjördur wird bis heute von den in der Blütezeit der Stadt erbauten Gebäuden geprägt. Trotzdem ist die Stadt nach den Flaute-Jahrzehnten Ende des 20. Jahrhunderts nun wieder mit Leben gefüllt und man findet auch einiges an moderner Architektur. Ein blumenreicher, kleiner Park lädt zum Spazierengehen ein. Bolungarvik ist mit knapp 900 Einwohnern der zweitgrößte Ort von Vestfirðir, trotzdem hat es einen unverkennbar dörfischen Charakter im Gegensatz zu Isafjördur, das deutlich städtische Züge besitzt. Bolungarvik punktet bei seinen Besuchern einerseits mit seiner idyllischen Lage und andererseits mit seinem scheinbar gegensätzlichem Erscheinungsbild eines Fischerdorfes in den Alpen. Bolungarvik hat aber auch Kulturelles zu bieten: das naturhistorische Museum lohnt auf alle Fälle einen Besuch, ebenso das nahegelegene Freilichtmuseum mit der Fischereisiedlung Ósvör. Ein Zeuge der Neuzeit ist dahingegen der leuchtend orange Leuchtturm Óshólaviti von 1937.

Zur Zeit kann man auf drei Mietwagenrundreisen und zwei Busrundreisen von ZeitRäume Vestfirðir kennenlernen. Ganz individuell mit einem Mietwagen auf den Reisen „Zauberhafte Welten„, „Naturperlen des Westens“ und „Große Islandumrundung“ oder gemeinsam mit Gleichgesinnten auf den Busrundreisen „Glanzlichter des Nordens“ und „Island-Panorama“

About the author

Tanja Riehm-Wagner

Überzeugte Nordeuropa-Fanfrau, die schon in Jugendzeiten Reisen nach Island, Norwegen, Finnland, Schweden und England mit ihrer Familie in den 1980er Jahren unternommen hat. Irland folgte in 1994. Später machte sie ihr Hobby zum Beruf. Sie lernte dabei mehrere Hurtigrutenschiffe kennen und ist jetzt begeisterte Reisebloggerin für ZeitRäume.

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