Island Vulkane: Thorvaldseyri – Phönix aus der Asche des Eyjafjallajökull

Eyjafjallajökull Besucherzentrum Thorvaldseyri

Eyjafjallajökull Besucherzentrum Thorvaldseyri (Foto: lldóra Eldon, Creative Commons Licence / Flickr)

Eyjafjallajökull – der Alptraum für Flugreisende, Reiseunternehmen, Nachrichtenmoderatorinnen und –moderatoren, ist häufig eine der ersten Assoziationen mit Island. Kein Wunder, schließlich gingen vom Fuße des Vulkans im Frühjahr 2010 beeindruckende Bilder um die Welt und die Folgen waren weit über das Gebiet der Insel im Nordatlantik hinaus zu spüren. Insbesondere die Sperrungen des europäischen Luftverkehrs, wegen der riesigen Aschewolke, haben sich in das kollektive Gedächtnis gebrannt.

Wenig internationale Aufmerksamkeit hatten diverse Ankündigungen erregt, die Eyjafjallajökull teils schon 10 Jahre vor seiner eigentlichen Eruption ausgesendet hatte. Manche davon hatten sich nur als geringe Ausschläge der feinfühligen Messgeräte gezeigt, mit denen die gesamte Insel gespickt ist. Andere waren da schon deutlicher – so verformte sich etwa die Erdoberfläche rund um den Feuerspeier an einzelnen Tagen um wenige Zentimeter.

Der Ausbruch des Eyjafjallajökull und die Folgen für eine kleine Farm zu seinen Füßen

Eyafjallajökull

Fimmvörðuháls – Vulkanausbruch der dem System des Eyjafjallajökull zugerechnet wird. Bild: Ulrich Latzenhofer (Creative Commons Licence / Flickr)

Personen, die sich in dieser Zeit in der Gegend aufhielten, mussten sich nicht mit Warnungen durch die Behörden begnügen – auch die Erde sendete durch tausende leichte Erdbeben das unmissverständliche Signal aus, dass es in ihr brodelte. Nach dem sich die Lava gegen Mitternacht am 20. März dann den Weg an die Oberfläche gebahnt hatte, wurden rund 700 Menschen im Süden der Insel evakuiert.

Besonders betroffen waren Ólafur Eggertsson und seine Familie, die Besitzer der direkt am Fuße des Eyjafjallajökull gelegenen Farm Thorvaldseyri. Viele Bilder des Vulkanausbruches wurden von dort aus aufgenommen und der Hof der Familie ist wohl für einige Wochen das am häufigsten fotografierte Motiv auf der Insel aus Feuer und Eis gewesen – wenn auch nicht unbedingt als Mittelpunkt des Bildausschnittes.

Viel Arbeit und Abenteuer

Während man sich auf dem europäischen Festland über die Einschränkung des Flugverkehrs ärgerte, hatten die Eggertssons ganz andere Sorgen. Die gut 200 Kühe der Familie konnten in der Kürze der Zeit nicht aus ihren Ställen in Sicherheit gebracht werden – die behelfsmäßige Abdichtung war aber, das wissen wir im Nachhinein, ausreichend und alle Tiere überlebten. Dennoch mussten die Tiere täglich verpflegt und gemolken werden – eine schwierige Aufgabe, wenn man bedenkt das bereits die Fahrt zum Hof ein echtes Abenteuer war, wenn man wegen einer zentimeterdicken Asche-Schicht die Wege nicht mal mehr schemenhaft erkannte.

Als die Aufräumarbeiten so weit vorangeschritten waren, dass ein Besuch möglich war, ließen die ersten Schaulustigen nicht lange auf sich warten. Da Thorvaldseyri direkt an der Ringstraße liegt und quasi der Endpunkt einer kurzen Sackgasse ist, die direkt in Richtung des Vulkans führt, ist es ein bequem zu erreichender Ort mit exzellenter Aussicht. Die Besucherströme störten zwar bei der alltäglichen Arbeit – verhindern lassen konnten sie sich nicht. Also warum nicht aus der Not eine Tugend machen?

Vom Vulkanismus zum Vulkantourismus

Inga Eggertsson, Ólafurs Tochter, hatte die Idee, ein Besucherzentrum zu errichten, das die Geschichte und die Geschichten des Ausbruchs des Eyjafjallajökull erzählen sollte. Gleichzeitig würden so die Besuchermassen kanalisiert und sich nicht länger lavagleich über das Gelände ergießen.

Die durch Fernsehbilder und Zeitungen sichtbar gewordene Betroffenheit von Thorvaldseyri trug dazu bei, dass viele Menschen bei den langwierigen Aufräumarbeiten halfen. Teilweise völlig Unbekannte kamen extra aus dem rund zwei Autostunden entfernten Reykjavik angereist. Mit deren Hilfe mussten sage und schreibe 400 Tonnen Vulkanasche vom Gelände geschafft werden. Kleine Gläschen davon kann man heute bei den Eggertssons als Souvenir kaufen.

Eyjafjallajökull Erupts wird eröffnet

Gerade mal ein Jahr nach dem Vulkanausbruch eröffnete Familie Eggertsson, rund einen Kilometer vom Hauptgebäude ihres Hofes entfernt, die Ausstellung Eyjafjallajökull Erupts. Neben zahlreichen spektakulären Aufnahmen und vielen interessanten Fakten kann hier auch ein 20-minütiger Dokumentarfilm über den Ausbruch des Eyjafjallajökull angeschaut werden. Im Film nehmen Sie die Perspektive der Familie ein, Sie dürfen also keine nüchterne Auflistung der Fakten erwarten, sondern eine Schilderung der Ereignisse durch die am meisten Betroffenen. Geschichte wird so am Ort des Geschehens erlebbar gemacht.

Die perfekte Lage auf der Route des Goldenen Kreises und die starke Faszination, die von dem feuerspeienden Berg ausgeht, machten Eyjafjallajökull Erupts quasi zum Selbstläufer. Dass aber in einem Jahr über 70.000 Besucherinnen und Besucher die Ausstellung sehen wollen, wie in den letzten Jahren der Fall, kam dann doch überraschend. Nach Existenzängsten während des Ausbruches, da Lavaströme oder die herabstürzende Fluten schmelzender Gletscher Thorvaldseyri dem Erdboden hätten gleich machen können, hat sich das Blatt zum Guten gewendet. Selbst den Feldern hat die Asche nicht geschadet. Im Gegenteil – in der Folge musste sogar weniger Dünger ausgebracht werden und der Ertrag stieg deutlich an.

Der Eyjafjallajökull vom Tourismus-Hemmnis zum Tourismus-Motor

Der Ausbruch des Eyjafjallajökull hat die Lust der Reisenden auf Island nur im Jahr der Eruption selbst geschmälert. In den Jahren danach steigt die Zahl gar noch rasanter. Kein Wunder – wurde so doch noch einmal besonders sichtbar, was Island so spannend macht. Eine unwägbare Insel, mit scharfen Kontrasten aus Feuer und Eis, gespickt mit Einwohnerinnen und Einwohnern die aus den teils widrigen Bedingungen etwas Positives schaffen und dabei stets ein Lächeln auf den Lippen haben. Zauberhafte Reisen, die Sie an Thorvaldseyri und Eyjafjallajökull Erupts vorbei führen, finden Sie hier.

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Jan Schäfer

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