Island – die deutschen Handball-Europameister und das Kex Hostel in Reykjavik

Kex Hostel - Reykjavik

Das Kex Hostel in Reykjavik. Foto: Kex Hostel – Reykjavik

Die deutsche Handball-Nationalmannschaft überraschte im Januar 2016 Fachwelt wie Laienpublikum gleichermaßen mit ihrem Europameister-Titel. Dabei war nicht nur der Titelgewinn an sich bemerkenswert, sondern vor allem auch die Art und Weise, mit der sich die außergewöhnlich junge Mannschaft bis ins Finale vorgearbeitet hatte.

Die Ausfälle von mehreren Kandidaten für die Startformation, darunter Kapitän und Ersatzkapitän, wurden scheinbar mühelos kompensiert – die Mannschaft steigerte sich gar noch von Spiel zu Spiel. Im Finale ließ man schließlich dem Weltmeister von 2013, nicht den Hauch einer Chance und siegte für Handball-Verhältnisse überdeutlich mit 24:17.

Dagur Sigurdsson – ein Weitgereister für den Fortschritt

Einen großen Anteil am Sieg, vor allem aber auch daran, wie die Mannschaft auf und neben dem Spielfeld auftrat, hat Trainer Dagur Sigurdsson. Der ehemalige Spielmacher ist weit herum gekommen. Nach seiner Anfangszeit in Reykjavik spielte er in Wuppertal, Hiroshima und Bregenz – bei letzteren beiden hatte er den Posten des Spielertrainers inne. Nach dem Ende seiner aktiven Karriere trainierte er die österreichische Nationalmannschaft, die Füchse Berlin und übernahm schließlich 2014 die deutsche Nationalmannschaft.

Sigurdsson setzte stark auf junge Spieler und eine moderne Art Handball zu spielen. In Interviews fällt er derweil durch eine sehr ruhige und besonnene Art auf und vermittelt ein großes Vertrauen in sein Team. Diese lösungsorientierte Herangehensweise, bei gleichzeitig enormer Offenheit für Neues, kennen wir bereits durch die Beschäftigung mit der isländischen Gesellschaft – Sigurdsson hebt dies jedoch noch einmal auf eine andere Stufe. Bereits mit 20 stellte er unter Beweis, dass er mehr kann, als mit einem Ball umzugehen. Um Studium und Handball-Karriere zu finanzieren, eröffnete er mit seinem Bruder ein Café in der Innenstadt von Reykjavik. Heute bringt er es auf rund 20 Geschäftsbeteiligungen in völlig unterschiedlichen Branchen.

Das Kex Hostel – viele Menschen verderben den Brei nicht zwangsläufig

Die spannendste Beteiligung ist das Kex Hostel. Wie der Name schon vermuten lässt, ist es aus einer ehemaligen Keksfabrik entstanden und hat ein ganz besonderes Flair. Die tolle Lage mitten in Reykjavik und nahe am Wasser, sollte ursprünglich Standort neuer Luxus-Appartements werden. Durch die Finanzkrise kam die Investitionsfreude ins Stocken und eins führte zum anderen. Ein Freund Sigurdssons, ein Filmregisseur, schickte Sigurdsson mit einer Freundin in die Keksfabrik, um deren Tauglichkeit als Film-Location zu begutachten. Beiden gefiel der Ort so gut, dass bald Ideen entstanden, ihn zu entwickeln.

Mehrere Freundinnen und Freunde waren schnell im Boot, etwa der ehemalige Fußballprofi des F.C. Barcelona, Eidur Gudjohnssen, der wohl beste isländischer Fußballer aller Zeiten. Nachdem der Plan stand, in der alten Keksfabrik ein Hostel zu errichten, ging alles ganz schnell und es dauerte gerade einmal vier weitere Monate, bis das Kex seine Pforten öffnete.

Wohlfühlatmosphäre und viele kleine Überraschungen

Sie müssen nicht damit rechnen, von fachfremdem Personal umsorgt zu werden, das seine Qualitäten im Befördern von Bällen von A nach B hat – ums operative Geschäft kümmern sich andere. Doch das Kex Hostel ist für die Beteiligten nicht eine bloße Geldanlage, sondern auch Herzblut. Die Truppe um Sigurdsson wollte einen Ort schaffen, an dem Sie sich auch selbst wohl fühlen würden. Und mit viel Liebe zum Detail hat man das auch geschafft.

Das Kex Hostel ist beileibe kein 08/15 Hostel mit Mobiliar von der Stange. Die Dekoelemente sind scheinbar wild zusammengewürfelt – stammen sie doch in großen Teilen von den quer über die Welt verstreuten Teilhabenden. Was chaotisch klingt, fügt sich zu einem runden und äußerst ästhetischen Gesamteindruck, der in gleicher Form auch in Berliner Szenekiezen gefunden werden kann – was keineswegs bedeuten soll, dass es beliebig wirkt.

Mehr als Schlafen

Neben allerlei Schlafplätzen – insgesamt sind es rund 140, die Zimmergrößen variieren von Doppelzimmern, bis zu Räumen für 16 Personen – bietet das Kex aber noch weit mehr. Das angeschlossene Restaurant kredenzt Essen, wie man es von einer modernen Hauptstadt erwartet – heimische und hochwertige Produkte, kreative Kombinationen und dabei bezahlbar. Wer möchte kann sich aber auch in einer der zwei Küchen selbst versorgen. An den Barbereich angrenzend, kann man sich dank einer gemütlichen Leseecke gut alleine die Zeit vertreiben.

Sollten Sie gerade frisch von einer Backpacking-Tour durch die isländische Einöde zurückkommen, kann der Haus-eigene Barbier die Haarpracht wieder in geordnete Bahnen bringen. Nicht weniger interessant ist der Raum „Gym & Tonic“, in dem Sie alles nötige für eine Konferenz vorfinden, die durch Trainingseinheiten an Sandsack oder Stufenbarren unterbrochen werden kann. Außerdem kann der Raum für Parties gemietet werden. Die lebendige Kulturszene Islands macht natürlich auch vor dem Kex nicht Halt und so finden dort immer wieder Veranstaltungen statt.

Isländisches Improvisationstalent

Im Kex Hostel ist es Grundprinzip, bei den deutschen Handballern wurde es durch äußere Zwänge nötig, doch beide zeigen: Improvisation kann funktionieren und das auch in größeren Gemeinschaften, wenn jede und jeder sich einbringt.

Wenn Sie Lust bekommen haben, sich einmal anzusehen, wie das junge Reykjavik aussehen kann, dann werfen Sie doch einen Blick auf unsere Angebote für Island-Reisen. Viele davon beinhalten einen Aufenthalt in der isländischen Hauptstadt und lassen sich so mit einem Besuch des Kex Hostel verbinden.

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Jan Schäfer

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