Stout, Irish Folk und nette Gespräche – Irland und seine Irish Pubs

Irish -Folk in einem Irish-Pub

Irish -Folk in einem Dubliner Pub. Foto: Dublin Regional Tourism Authority

Geht man durch eine durchschnittliche westeuropäische Stadt, so wird einem Irland höchstens einmal im Supermarkt begegnen, wenn man sich bei Butter, Käse oder Fleisch umschaut. Kommt man aber ins Vergnügungsviertel dieser x-beliebigen Stadt, dann stehen die Chancen nahe 100%, dass – auch ohne jegliche Beziehung der Stadt zur grünen Insel – ein Irish Pub zu finden ist. Doch was macht den Irish Pub so besonders, dass man ihn nahezu überall auf der Welt kopiert und dabei in vielen Fällen erfolgreich ist?

Auf den ersten Blick scheint es sich beim typischen Irish Pub um eine urige Kneipe zu handeln, wie sie auch in vielen deutschen Städten gang und gäbe ist – nur eben ein wenig mehr dunkles Holz und ein wenig mehr in grün und weiß gehalten. Dass das zu kurz greift, deutet ein Blick auf die Wortherkunft an: „pub“ kommt von „public house“, bedeutet also in etwa „öffentliches Haus“ und kommt seiner Rolle in der irischen Gesellschaft sehr nahe.

Der Irish Pub als Mittelpunkt des Ortes

Es gibt kaum eine Ortschaft, die keinen eigenen Irish Pub hat und die Einheimischen treffen sich dort zum gemütlichen Beisammensein, zum Bereden aktueller Geschehnisse und zum Diskutieren der Politik. Die Atmosphäre ist dabei völlig informell, egal ob nun Ärztinnen, Bauarbeiter, Fischerinnen oder Landwirte beisammenstehen. Dabei müssen Sie als Touristin oder Tourist keine Angst haben, in eine verschworene Gemeinschaft zu stoßen, die die Gespräche einstellt und Sie anstarrt sobald Sie den Raum betreten. Viele werden Sie bereitwillig in Ihre Mitte nehmen und unterhaltsame Anekdoten von Dorf und Region erzählen.

Doch Vorsicht: der übliche Trink-Modus sieht das Bestellen in Runden vor und es ist unhöflich zu gehen, bevor man selbst an der Reihe war – eine der informellen Regeln, die sich in vielen Jahrhunderten Irish Pub-Kultur herauskristallisiert hat (der älteste noch bestehende Pub, „Sean’s Bar“ in Athlone, kann bis 900 n. Chr. nachvollzogen werden). Eine weitere ist, dass üblicherweise am Tresen bestellt wird. Etwas weniger komfortabel womöglich, gleichzeitig spart es aber auch das Trinkgeld. Ein wenig aufgeweicht wurde dieses beinahe eherne Gesetz in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, als Pubs zunehmend auch Speisen mit in ihr Angebot nahmen. Seitdem gilt: wird am Tisch bedient, wird Trinkgeld gegeben – wenn nicht, dann nicht.

Irish Pub und Irish Folk – untrennbar verbunden

Nicht erst eine neue Entwicklung ist die zentrale Rolle der Musik in Irish Pubs. Viele Pubs bieten regelmäßig Musik-Events an, die in der Regel nur wenig oder gar keinen Eintritt kosten. Und dabei könnten Sie den nächsten Superstar der irischen Musik-Szene zu Ohren bekommen; Enya (und ihre Familien-Band Clannad) oder The Corrs spielten vor Ihrem internationalen Erfolg häufig in Pubs von Verwandten und der Erfolg der Dubliners entwickelte sich auch aus deren Pub-Auftritten heraus.

Typische Beispiele für Irish Pubs, die die Musik ganz besonders in den Mittelpunkt stellen, sind das O’Donoghue’s (Ausgangspunkt der Erfolgsstory der Dubliners), das Ha’penny Bridge Inn oder das Whelan’s, die allesamt in Dublin zu finden sind. Während erstere vor allem klassischen Irish Folk präsentieren, finden Sie in letzterem ein buntes Potpourri moderner irischer Musik, die verschiedenste Stile und Einflüsse verbindet.

Spontan mitreißen lassen oder still genießen – Sie haben die Wahl

Auch abseits vorangekündigter Veranstaltungen ist es durchaus üblich, dass sich irgendwann ein paar Menschen zusammenfinden und mit Ihren musikalischen Darbietungen die Menge unterhalten. Ist dies der Fall, sollten Sie Ihr Gespräch zumindest auf eine angemessene Lautstärke herunterfahren oder Sie lauschen andächtig. Im Idealfall aber lassen Sie sich von der sicher schnell aufkommenden Stimmung mitreißen und stimmen lauthals mit ein (ein wenig Textsicherheit schadet an dieser Stelle nicht).

Getrunken wird im Irish Pub vor allem Stout (ein dunkles, irisches Bier – weltbekannt ist das Guinness), irischer Whiskey oder Cider – es gibt aber natürlich auch eine Reihe nicht-alkoholischer Getränke. Doch in den letzten Jahren geht die Zahl der ausgeschenkten pints deutlich zurück und immer mehr Irish Pubs müssen schließen. Neben steigenden Preisen für Alkoholika im Pub, bei gleichzeitig sinkenden Preisen im Supermarkt, dem Mitte der 2000er etablierten Rauchverbot und allgemein schlechter Vorzeichen durch die Finanzkrise, hat auch eine Polizeireform Ihren Anteil daran.

Eine Polizeireform als Pub-Killer

Die Schließung kleinerer Reviere im ländlichen Raum, führte zu einem größeren Einzugsgebiet für die Polizei – was gleichzeitig bedeutet, dass die persönliche Beziehung zwischen Polizei und Kontrollierten nicht mehr gegeben ist. Wo früher ein paar Augen zugedrückt wurden wenn das Gerät über 0,8 Promille zeigte, oder die Polizei in Ausnahmefällen gar als Shuttle-Service fungierte, werden solche Vergehen heute konsequent geahndet. Seitdem mehren sich aber auch die Pubs, die Ihren Besucherinnen und Besuchern eine kostenlose Heimfahrt anbieten.

Wenn Sie Irland besuchen, ist der Gang in den Irish Pub quasi Pflicht. Nirgends können Sie Irland und seine Einwohnerinnen und Einwohner, ihre Geschichten und Gepflogenheiten so gut erleben, wie im kleinen Pub an der Ecke. Sollten Sie noch nicht wissen, wo es sich in Irland hinzufahren lohnt, können Sie sich hier einen Überblick über die schönsten Reiseziele verschaffen. Und egal für welchen Ort Sie sich entscheiden, ist es so ein bisschen wie mit Hase und Igel: ein Pub wird schon da sein und auf Sie warten.

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Jan Schäfer

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