Irische Küche – vom Arme-Leute-Essen zur internationalen Spitzenklasse?

Dublin Temple Bar Food Market

Käsestand auf dem Dublin Temple Bar Food Market, Foto: Tourism Ireland Imagery/ Holger Leue

Wenn das Urlaubsziel in der Vergangenheit nach dem Kriterium des leiblichen Wohls ausgewählt wurde, ging es häufig nach Frankreich oder Italien. Den Weg auf die grüne Insel Irland hatte wohl lange Zeit niemand aufgrund der irischen Küche auf sich genommen. Und die lange vorherrschende, äußerst pragmatische Beziehung der Irinnen und Iren zu ihrem Essen ist daran sicher nicht unschuldig. Essen sollte satt machen – viel mehr nicht.

Und wer kann ihnen diese Einstellung verdenken? Die große Hungersnot, the Great Famine, hatte Mitte des 19. Jahrhunderts über eine Millionen Tote und zwei Millionen Auswandernde zur Folge. Bei einer Gesamtbevölkerungszahl von damals rund acht Millionen eine zentrale Zäsur der jüngeren Geschichte, die sich tief in die Köpfe der Irinnen und Iren eingebrannt hat.

Die Kartoffel – Segen und Fluch

Die aus der neuen Welt eingeführte Kartoffel führte auf der grünen Insel zunächst zu einer Bevölkerungsexplosion, da sie bei den klimatischen Bedingungen einen deutlich besseren Ertrag einbrachte, als zuvor verbreitete landwirtschaftliche Erzeugnisse. Da aber nun fast ausschließlich diese Pflanze angebaut wurde, fanden Krankheiten den optimalen Nährboden vor und konnten sich nahezu ungehindert ausbreiten. Nach mehreren kleineren Ernteausfällen gipfelte es schließlich in der Katastrophe der Great Famine 1845-52, die maßgeblich durch die Kartoffelfäule hervorgerufen wurde.

Trotz dieser traumatischen Jahre hat sich die Kartoffel als das Grundnahrungsmittel in der irischen Küche gehalten und die beiden wohl bekanntesten irischen Gerichte kommen nicht ohne die Knolle aus. Der Irish Stew ist ein Eintopf aus Hammelfleisch (heute wird eher zum weniger streng schmeckenden Lamm gegriffen), Kartoffeln und Wurzelgemüse, wie Karotten und Pastinaken. Das zweite recht bekannte Gericht ist der Shepherd’s Pie, der eine Art Auflauf aus einem Kartoffelpüree und einem Hackfleisch-Ragout ist (hiervon gibt es auch eine sehr empfehlenswerte vegetarische Variante).

Bodenständige irische Küche – aus exquisiten Zutaten

Beiden Gerichten ist ihre Bodenständigkeit gemein. Sie sind daher – wie häufig die gesamte irische Küche als Arme-Leute-Essen verschrien und werden von der irischen Bevölkerung nicht unbedingt gerne gegessen – zumindest nicht in einem Restaurant. Die Chance dass Sie in den Genuss einer der beiden Speisen kommen, ist daher in einem traditionellen Pub größer als in eine Restaurant. Am besten suchen Sie sich einen auch um die Mittagszeit geöffneten raus, da diese in aller Regel auch Speisen servieren. Da diese stark auf die einheimische, arbeitende Bevölkerung setzen, sind sie häufig auch recht preiswert.

In den vergangenen Jahren und Jahrzehnten haben sich vornehmlich internationale Restaurants in Irland ausgebreitet. In Kombination mit dem immer stärkeren Fokus auf qualitativ hochwertige und nachhaltig produzierte Produkte, nicht unerheblich durch die hier schon einmal vorgestellte Kampagne „Origin Green“ vorangetrieben, entsteht gerade eine junge irische Küche, die Gourmets von überall her mit Wohlwollen beobachten.

Was gut ist bleibt jetzt auch zu Hause

Irisches Lamm oder Rind hatte schon seit jeher einen exzellenten Ruf – über Jahre ging jedoch das Filet in die gehobenen Küchen in Feinschmecker-Nationen, wie etwa Frankreich, während sich die Irinnen und Iren mit dem Suppenfleisch begnügten. Dies ändert sich gerade und Sie müssen nicht an die Côte d’Azur reisen, um ein saftiges Steak vom irischen Lamm zu essen, sondern können wie es selbst die salzige irische Luft atmen.

Die junge irische Küche setzt vor allem auf klare und reine Geschmäcker. Sie verzichtet auf einen übermäßigen Einsatz von Kräutern oder Gewürzen, um die Hauptzutaten hervorzuheben. Neben dem schon erwähnten Fleisch, kennen wir in Kontinentaleuropa insbesondere Fisch von der irischen Küste sowie die gesalzene Butter. Beides kann im Aroma aber nur schwerlich mit den, auf der Insel selbst erhältlichen, frischen Varianten mithalten.

Irischer Käse – eine absolute Spezialität

Ebenfalls kaum über die See schafft es irischer Käse, der kein Cheddar ist – und wenn doch, dann bleibt er meist Kundinnen und Kunden von Delikatessen-Läden vorbehalten. In Irland selbst finden Sie im ländlichen Raum viele kleine Höfe, die lokale Käse-Spezialitäten aus Kuh-, Schafs- oder Ziegenmilch anbieten und in den vergangenen Jahren gewannen einige von Ihnen wichtige internationale Auszeichnungen.

Irland und die irische Küche bietet Ihnen inzwischen eine breite Palette an Möglichkeiten, die Reise auch zu einem kulinarischen Highlight werden zu lassen. Ob ein Picknick mit irischem Käse oder einer irischen Chorizo (ja, auch die wird auf der grünen Insel hergestellt und von Kritikerinnen und Kritikern einhellig gelobt) auf dem typischen Soda-Bread, ein bodenständiges Pub grub, frisch geräucherter Fisch vor dramatischem Küsten-Panorama oder ein hochklassiges Menu mit Zutaten aus unmittelbarer Umgebung – Sie werden für jeden Geschmack und jede Gelegenheit etwas finden. Die passende Reise zum Essen finden Sie sicher hier.

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Jan Schäfer

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