Island im Winter: Nordlichter, Weite und wilde Pferde, Teil 1

Island im Winter bei Olafsfjördur, Foto: Reinhard Pantke

Island im Winter bei Olafsfjördur, Foto: Reinhard Pantke

Islandreisen boomen und das nicht nur im Sommer. Auch im Winter wird die Insel aus Feuer und Eis immer beliebter. Was vor ein paar Jahren noch klang wie Abenteuer für gestählte Individualisten, wird immer populärer und einfacher. Viele entdecken dabei nicht nur die nähere Umgebung der isländischen Hauptstadt Reykjavik, sondern bereisen auch Plätze an denen die Einheimischen im Winter bislang eher unter sich waren. Doch lesen Sie einen Ausschnitt  der Eindrücke, die der Globetrotter Reinhard Pantke ausnahmsweise mal ohne Fahrrad auf der Insel aus Feuer und Eis im Februar 2015 erlebte und lassen Sie sich inspirieren für eigene Wintertouren.

Tourismusmagnet Reykjavik

Reyjavik ist mittlerweile selbst im Winter ein beliebtes Reiseziel, gerade für die viele Touristen, die die Feuerinsel auf dem Weg von und nach Nordamerika als Stopp-over-Ziel nutzen.

Die isländische Hauptstadt empfängt uns wenig winterlich, es regnet bei 4 Grad. Die isländische Südküste hat in vielen Wintern ein Durchschnittsklima, das mit dem Norddeutschlands vergleichbar ist.

Beim Stadtbummel fällt uns auf, dass die Stadt „brummt“, selbst an normalen Wochentagen sind die Restaurants und Attraktionen der Stadt gut gefüllt, auf der Haupteinkaufsstraße sind viele Touristen unterwegs und in vielen Restaurants und kultigen Imbissen wie dem „Seebaron“ hallt ein babylonisches Sprachgewirr durch die Lokale.

Viele machen nur einen Dreitages-Stopp, um sich zum Beispiel die leicht erreichbaren Attraktionen des Goldenen Dreiecks von Gullfoss, Geysir und dem Nationalpark Thingvellir anzusehen oder um einfach mal auf Nordlichtjagd zu gehen. Ein Teil des gigantischen Gullfoss ist an den Seiten gefroren und der Blick auf das schneebedeckte Hochland ist gigantisch, auch im Winter stehen hier mehrere Busse. Je weiter wir nach Norden fahren, desto winterlicher und einsamer wird es.

Von zähen Pferden, wilden Landschaften und der Entdeckung der Ruhe

Island im Winter

Islandpferde trotzen dem kalten Winterwind
Foto: Reinhard Pantke

Die einzigen, die es bei diesen Witterungsbedingungen noch in den eisigen Weiten aushalten, sind die zähen und robusten Islandpferde, die sich in der dunklen Jahreszeit zu kleinen, wuscheligen „Fellmonstern“ verwandeln, die sich bei starkem Wind dicht aneinanderdrängen, um sich gegenseitig zu wärmen. Das Fell ist so dicht und gut isoliert, dass sogar der Schnee darauf liegenbleibt. Im Gegensatz zu den Schafen bleiben viele Pferde das ganze Jahr über draußen, die Schafe werden im September zusammengetrieben, da sie mit ihren kurzen Beinen im Tiefschnee steckenbleiben würden.

Viele der kargen, weiten Landschaften, die jetzt mit unberührten reinen Schneefeldern überzogen oder zugefroren sind, wirken auf mich nun noch spektakulärer und unberührter als in den Sommermonaten. Die Landschaft strahlt unglaubliche Ruhe und Kraft aus, abseits der Ringstraße kann man die Anzahl der Autos, die uns auf den Nebenstraßen in einer Stunde begegnen, an einer Hand abzählen!

Auch das Vorurteil, dass die isländischen Winter dunkel sind, stimmt nur von Ende November bis Ende Januar, wenn die Tageslichtlängen deutlich kürzer als in unseren Breitengraden sind. Aber im Norden Islands gewinnt man ab Februar jede Woche ca. 70-80 Minuten Tageslicht hinzu, ab Mitte Februar sind die Tage ungefähr genauso lang wie in Deutschland, es ist von ca. 9 Uhr bis 18.30 Uhr hell. An sonnigen Tagen genießen wir die vielen Dämmerstunden, die die Landschaften ab dem Nachmittag in fantastisches, mildes Dämmerlicht tauchen und wunderbare kräftige Farben zaubern.

Abends ziehen wir bei der Unterkunftssuche das große Los und finden eine super gemütliche, voll ausgestattete Holzhütte, die an einem zugefrorenem See liegt. Was gibt es Schöneres als einen kalten Wintertag im heißen Pot ausklingen zu lassen, der hier geschützt auf der Veranda jeder Hütte eingebaut ist? Auch außerhalb der Hauptstadt stellen sich immer mehr Unterkünfte auf Winterurlauber ein!

Nordlicht bei Dalsvik im Winter Foto: Reinhard Pantke

Nordlicht bei Dalsvik im Winter
Foto: Reinhard Pantke

Gerade als wir es uns im heißen Pot gemütlich gemacht haben , beginnt am Abend eine Lightshow der Extraklasse: Die Nordlichter jagen in fantastischen Farben und Formen über den Himmel! Kein Wunder, dass Menschen, die dieses Schauspiel in früheren Zeiten sahen, sich davor fürchteten. Alles um uns herum vergessend stehen wir bei scharfem Wind und 5 Grad Minus über zwei Stunden draußen und versuchen das einzigartige Schauspiel mit der Kamera festzuhalten. Vollkommen durchgefroren genießen wir danach noch ein mitternächtliches Bad im Hotpot. Alles ist still und nur das Eis des Sees knackt gelegentlich.

Wie Reinhard Pantkes Winterreise durch Island weitergeht, erfahren Sie im zweiten Teil.

Text und Bilder: Reinhard Pantke

About the author

Reinhard Pantke

Der Globetrotter Reinhard Pantke (Jahrgang 67) erlebt seine Reiseziele grundsätzlich nur mit Fahrrad und Rucksack. Neben Fahrradtouren durch Norwegen (17x), Schweden, Island (3x), Schottland, England, Neuseeland (3x) und einigen Südseeinseln und den Kanaren war er auch in Kanada und Alaska unterwegs. Im Verlauf dieser Touren legte er in den letzten Jahren insgesamt 160.000 km per Fahrrad zurück.
Neben Artikeln in regionalen und überregionalen Zeitungen und Magazinen, Kalendern, Buchbeiträgen und Austellungen ist Reinhard Pantke auch Autor verschiedener Bildbände über Norwegen und Kanada. Im Jahr 2009 hatte der Abenteuerer bereits Kanada von Westen nach Osten durchquert. Seine große Leidenschaft ist Skandinavien, aktuell tourt er 3 Monate durch Schweden und Norwegen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

ZeitRäume - ZR-Reisen Individual UG (haftungsbeschränkt) Impressum - Datenschutz