Elfen in Island – Mehr als nur Geschichten

Elfenfelsen

Typische Elfenwohnung in Island. Foto: www.iceland.is

In vielen Dingen gelten Island und seine Bewohnerinnen und Bewohner als sehr fortschrittlich und undogmatisch. Der Energiebedarf wird in großen Teilen aus erneuerbaren Energiequellen gespeist, die Breitbandinternet-Abdeckung setzt seit Jahren weltweit Maßstäbe und wenn der Regierung nachgewiesen wird, dass diese in zwielichtige Geschäfte verwickelt ist, dann wird Sie mit Kochtöpfen vom Hof gejagt. Im Anschluss lässt man sich dann nicht mit einem Personalwechsel abspeisen, sondern legt die Geschicke in gänzlich andere Hände.

Gleichzeitig konnte sich etwas sehr traditionelles in Island halten, nämlich der Glaube an das Huldufólk, das „versteckte Volk“. Das versteckte Volk umfasst vor allem Elfen, die überall auf der Insel, insbesondere in den so zahlreich vorhandenen Felsspalten, leben sollen. Laut einer Umfrage der Universität von Reykjavik glauben zwar „nur“ knapp 10% der Isländerinnen und Isländer, dass die kleinen Wesen existieren – wirklich überzeugt davon, dass diese nicht existieren, sind aber nicht einmal 50%. Ein ganz großer Teil, kann sich also zumindest vorstellen, dass sie sich mit ihnen die Insel teilen. Platz genug wäre ja.

Der Traum von einer Elfe

Elfen tauchen in der nordischen und germanischen Mythologie immer wieder auf und sind dabei keine homogene Gruppe. Die Wesen werden zwar überwiegend freundlich dargestellt, es gibt aber auch furchteinflößende Varianten. Das isländische „Álfur“ weist den Weg, aus der das heutige deutsche Wort einmal kam und ist mittlerweile nur noch als Vorsilbe in „Albtraum“ oder dem Namen von Alberich, dem Zwerg aus dem Nibelungenlied, geläufig. Nach und nach verschob sich das Wort jedoch in Richtung der englischen Variante und das heutige „Elfen“ entstand.

Dass sich in Island der Glaube an Elfen so lange halten konnte, hat vielerlei Gründe, die nicht alle rekonstruiert werden können. Eine wichtige Rolle spielt sicherlich die recht spät vollzogene Christianisierung, die außerdem nicht in letzter Konsequenz den nordischen Naturglauben verdrängt hat. Da die Elfen auch in zahlreichen Sagen und Geschichten eine zentrale Rolle spielten, konnten Sie neben dem christlichen Glauben weiter existieren.

Wo sonst sollten Elfen leben?

Weiterhin können alle von Ihnen, die schon mal in Island waren, gut nachvollziehen, dass sich hier der Glaube an ein Volk im Verborgenen halten konnte. Die zerklüfteten Felsen, eine Erde, die heißes Wasser ausspeit und von Lavaströmen gezeichnet ist, plötzlich aufziehende Nebelschwaden und bunt tanzende Nordlichter – wo sonst könnten Naturgeister leben, wenn nicht hier?

Der Elfen-Glaube treibt dabei aus kontinentaleuropäischer Perspektive durchaus seltsame Blüten. Während hierzulande weder vom Aussterben bedrohte Fledermäuse, noch die Aberkennung des Titels „UNESCO-Weltkulturerbe“ vom Straßenbau abhalten, kommt es in Island immer wieder zu Planungsänderungen bei Projekten oder zumindest Unterbrechungen der Bautätigkeiten, weil Elfenfelsen im Weg sind.

Gute Gründe für Kurven

Im direkt bei Reykjavik gelegenen Städtchen Kópavogur macht eine eigentlich gerade verlaufende Straße einen unvermittelten Knick und verengt sich, um einem Felsen Raum zu lassen. Dies passierte jedoch nicht, weil etwa das Abtragen des Felsens zu schwer gewesen wäre, sondern weil Elfen in diesem hausen sollen. Dass dem so ist, ist an dieser Stelle auch nicht weiter überraschend – die betroffene Straße heißt „Álfhólsvegur“ – Elfenweg.

In solchen und anderen Fällen, kommt es schon mal vor, dass offizielle Stellen Expertinnen oder Experten konsultieren, die dank ihrer Hellsichtigkeit Gutachten über Elfen und ihren Lebensräumen erstellen können. Immer wieder wurden in deren Folge Planungen verändert oder zumindest Pausen eingelegt, die es den Elfen ermöglichen sollten, in aller Ruhe weiter zu ziehen. Dies kommt vor, wenn es auf einer Baustelle zu einer Häufung ungewöhnlicher Begebenheiten, etwa von Unfällen, kommt.

Elfen-Expertise zur Absicherung

So geschehen erst vor wenigen Tagen: unachtsam hatte eine Baufirma einen Elfenfelsen zugeschüttet. Die Folge waren ein verletzter Mitarbeiter, versagende Maschinen, eine überflutete Zufahrtsstraße und ein in ein Schlammloch gestürzter Journalist. Nun, da der Felsen wieder freigelegt und gesäubert wurde, scheint alles wieder mit rechten Dingen zu zugehen.

Und nicht nur die isländische Verwaltung holt immer wieder Gutachten über die Elfenaktivitäten für Bauprojekte ein – auch zahlreiche Privatmenschen lassen sich beraten, bevor sie in ihrem Garten oder an ihrem Haus Veränderungen vornehmen. Zu einem gewissen Ruhm als Beraterin gelangte Erla Stefánsdóttir, die dank der Sensationslust mancher deutscher Zeitungen sogar zur Elfenministerin hochgeschrieben wurde. Ein solches Ministerium gab es jedoch nie und Erla war hauptberuflich Klavierlehrerin. Richtig ist aber, dass Sie sich selbst als hellsichtig verstand und immer wieder in Elfen-Themen zu Rate gezogen wurde.

Ob Sie daran glauben, dass die Vulkaninsel Island neben Menschen auch ein verstecktes Volk beheimatet oder nicht, ist Ihnen überlassen. Ein Island-Aufenthalt sollte jedoch keinesfalls zu Ende gehen, ohne dass Sie sich von einer einheimischen Urlaubsbekanntschaft die liebste Elfengeschichte erzählen lassen oder den nahegelegenen Elfenfelsen zeigen lassen. Was Sie sonst noch auf der Insel erleben können, finden Sie hier.

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Jan Schäfer

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