ZeitRäume hilft – Kindergartenprojekt in Indien

Martha Kindergarten bei Ranchi / Indien.

Martha Kindergarten bei Ranchi / Indien. Foto: Sebastian Keller

Kindern zu Chancen zu verhelfen, die sonst nur wenig Förderung erhalten – das war unsere Grundüberlegung, als wir in unseren Newslettern im November und Dezember zur Unterstützung der Initiative „Sternstunden e.V.“ aufriefen. Über ihre Reaktionen, liebe Reisefreunde, haben wir uns sehr gefreut: Schließlich zeigen sie uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind und ein Anliegen vertreten, dass auch Ihnen wichtig ist.

In loser Folge wollen wir Ihnen hier Hilfsprojekte vorstellen, die – nach unseren Vorstellungen – Ihre Unterstützung verdient haben. Ganz besonders liegt uns ein Kindergarten-Projekt in der Nähe der indischen Stadt Ranchi am Herzen. Hier wird mit einer vergleichsweise geringen Summe ein großer Effekt erzielt und Kindern, die sonst keine Chancen im Leben haben, die täglicher Gewalt ausgesetzt sind und in den prekärsten Verhältnissen aufwachsen, kann ein Stück Kindheit zurückgegeben werden. Auch ist unsere persönliche Verbindung mit diesem Projekt sehr groß: Die Projektleiterin Frau Helga Ottow ist die Mutter unserer Geschäftsführerin Els Hochheimer und berichtet uns immer wieder eindrucksvoll über die für uns oft unvorstellbaren Bedingungen, unter denen Kinder dort aufwachsen. Frau Ottow leistet vor Ort ehrenamtlich harte Arbeit, die unseren Respekt verdient.

Wir freuen uns, dass wir heute Frau Ottows Anliegen und ihren Spendenaufruf abdrucken dürfen. Und gerne verbinden wir diesen Abdruck mit der Bitte an Sie, die Arbeit in Indien mit einer Spende zu unterstützen:

 

„Verehrte Leserinnen und Leser,

auf Ihren Reisen entdecken Sie oft geographisches „Neuland“. Es gibt aber auch das menschliche „Neuland“, und das kann genauso spannend sein. Wenn Sie z.B. jemand fragen würde, was ein Adivasi ist, könnten sie es beantworten? Keine Sorge, die meisten Menschen können mit diesem Wort nichts anfangen. Ich selbst weiß es auch erst seit ca. 8 Jahren. Die Adivasi, die Ureinwohner Indiens gehören zur ethnischen Gruppe der Melanesier, genauso wie die Aborigines in Australien und die Papuas in Neuguinea und sind eine marginalisierte Minderheit, die heute mehr denn je ums Überleben kämpft. Unter der Armut leiden, wie überall auf der Welt, die Kinder am meisten. Kinderarbeit aus Not ist sehr verbreitet.

Doch die Eltern wünschen sich Bildung für ihre Kinder, können sie aus Geldmangel aber nur auf die Regierungsschulen schicken, die oft qualitativ einen sehr niedrigen Standard haben. Auch die städtischen Kindergärten, selbst wenn sie sich in einem desolaten Zustand befinden, sind teuer und gleichen eher Zuchtanstalten, in denen die absolute Disziplin oberstes Gebot ist. Die Kinder verharren stundenlang still sitzend, dürfen nur das nachsprechen, was die Erzieherin ihnen sagt oder zeigt und müssen ab dem 3. Lebensjahr Schreiben, Rechnen und Lesen lernen. Wer nicht spurt, bekommt den Stock zu spüren. Auch die Eltern, die ja selbst nichts anderes als diese „schwarze Pädagogik“ kennengelernt haben, gehen bei aller Liebe für ihre Kinder sehr hart mit ihnen um. Von Freude am kindgerechten kreativen Lernen keine Spur.

Wer einmal mit ansehen musste, wie kleine Kinder, nur weil sie sich nicht „diszipliniert“ verhalten haben, geschlagen wurden, den lässt das nicht mehr los.

So erging es mir nach meiner ersten Reise zu den Adivasi in Ranchi, der Hauptstadt des Bundesstaates Jharkhand im Jahr 2009. Eine Vision entstand in meinem Kopf, und aus der Vision wurde ein Plan. Der Plan, einen reform-pädagogischen Kindergarten zu bauen für die Kinder der Ärmsten, wie Rikscha-Fahrer, Lastenträger, Tagelöhner usw. Einen Plan zu haben, ist eine Sache. Ihn umsetzen zu können, eine andere. Als Privatperson bin ich ja nicht berechtigt, Spenden anzunehmen. Wohl aber die Gossner Mission (www.gossner-mission.de), die schon seit 175 Jahren bei den Adivasi tätig ist als Partner der dortigen Adivasikirche GEL Church. Beide Institutionen haben meinem Plan zugestimmt, Startkapital stand zur Verfügung und ein spezielles Kindergarten-Konto für eingehende Spenden wurde bei der Gossner Mission, die das DZI Spendensiegel trägt, eingerichtet.

Der Startschuss war gefallen, und nach drei extrem arbeitsreichen Jahren, fünf längeren Aufenthalten in Indien und zahlreichen zupackenden Händen, durfte ich bereits im November 2011 das rote Band zur Eröffnung des ersten gewaltfreien Adivasi-Kindergartens durchschneiden. Er trägt den Namen „Martha Kindergarten“ nach dem ersten 1846 getauften Kind.

Damit begann die eigentliche spannende Zeit. Würden die von mir ausgebildeten Erzieherinnen die für sie völlig neue Pädagogik in der Praxis umsetzen können? Und würden die Eltern diese gewaltlose Erziehungsmethode akzeptieren? Alles was wir in Deutschland an kindgerechter kreativer Förderung unserer Kinder in einem guten Kindergarten voraussetzen, existierte ja schließlich bisher für sie nicht.

Bei meinen zahlreichen weiteren Aufenthalten, die der Vertiefung der Ausbildung und der Begleitung des Projektes vor Ort galten, konnte ich mit großer Freude beobachten, wie die Erzieherinnen immer sicherer werden. Die Kinder, deren Zahl ständig steigt, sind mit großem Spaß bei der Sache und auch die Eltern und sogar die konservativen Großeltern bekundeten mir gegenüber ihre Begeisterung über die positive Entwicklung ihrer Kinder bzw. Enkelkinder. Heute ist es ein Kindergarten, in dem sich Jung und Alt wohlfühlt, in dem gemeinsame Ausflüge und Feiern stattfinden und Freiwillige aus Deutschland und Indien mitarbeiten. Vertreter umliegender ländlicher Gemeinden besuchen den Kindergarten, um sich vor Ort zu informieren.

Gesundheit durch gesunde Ernährung

Auf Grund der armutsbedingten einseitigen Ernährung leiden viele Adivasikinder an Mangelerscheinungen, und auch Hautausschläge sind keine Seltenheit. Ein einheimischer Arzt, der sich bereit erklärt hatte, die Kinder im Kindergarten einmal im Monat kostenlos zu untersuchen, berichtete mir, dass sich durch die tägliche vollwertige Ernährung und konsequente Hygiene der Gesundheitszustand der Kinder signifikant verbessert habe.

Liebe Leserinnen und Leser, können sie sich vorstellen, wie glücklich ich als Initiatorin und Projektleiterin über diese Entwicklung und vor allem über das Umdenken dieser Menschen bin? Und es soll weitergehen!

Neuer Martha Kindergarten für Govindpur

Govindpur, ca. 50 km südl. von der Hauptstadt Ranchi gelegen, hat dringend um einen Martha Kindergarten für 100 Kinder gebeten. Es ist eine kleine ländliche Gemeinde mit fast ausschließlich Klein- und Kleinstbauern mit minimalem Einkommen. Aber es ist ein großes Einzugsgebiet, in dem es keinerlei Bildungs- und Betreuungsangebote für noch nicht schulpflichtige Kinder gibt. Sie müssen mit den Eltern auf’s Feld und mitarbeiten, was besonders für die Kleineren bei Temperaturen bis zu 50°C sehr hart ist.

Die Gemeinde hat sich auch schon intensiv bemüht, die benötigten Mittel selbst aufzubringen. Aber sie schaffen es nicht alleine. Für eine fundierte Ausbildung der vier erforderlichen Erzieherinnen, die diesmal auch z.T. in Deutschland erfolgen soll und ein Gebäude für 100 Kinder werden ca. 80 000 € benötigt. Hier bei uns würde es sicher ein Vielfaches kosten, aber für diese Menschen ist es eine unvorstellbare Summe. Glauben Sie mir, es ist nicht übertrieben, wenn ich sage, dass man sich diese Armut und die damit verbundenen Lebensbedingungen bei uns kaum vorstellen kann, wenn man es nicht selbst gesehen hat.

Ich habe inzwischen einen Förder- und Freundeskreis „Martha Kindergarten“ ins Leben gerufen, mit dem durch eine monatliche Spende von 20.- € ein Platz im Kindergarten finanziert wird, denn es gibt viele Kinder, deren Eltern nicht in der Lage sind, selbst den kleinsten Beitrag zu zahlen. Diese Kinder sollen nicht abseits stehen.

Das spezielle Kindergarten-Konto bei der Gossner Mission garantiert seit 2009, dass alle eingehenden Gelder ausschließlich für das Projekt verwendet werden. Abzüge durch Reisekosten entstehen nicht, da ich meine Reisen selbst finanziere. Spendenquittungen ab 25.- € werden zu jedem Jahresanfang verschickt, wenn Sie Ihre Anschrift mitteilen.

Konto: IBAN DE35 5206 0410 0003 9014 91

Wichtig: Kennwort: Martha Kindergarten Indien

Wir freuen uns über jede Spende. Auch Einzelspenden sind herzlich willkommen.

Bei der Eröffnung des ersten Martha Kindergartens habe ich meine Rede mit dem Satz begonnen: „Für mich gibt es auf dieser Erde keinen schöneren Klang, als das Lachen fröhlicher Kinder.“ Lassen Sie uns gemeinsam dazu beitragen, dass auf dieser Erde ein paar mehr Kinder in behüteter und fördernder Umgebung, wo stumpfsinniger Frontalunterricht und Prügelstrafe der Vergangenheit angehören, fröhlich lachen können.

YESHU SAHAY!

Mit diesem Gruß der Adivasi grüße auch ich Sie herzlich

Ihre Helga Ottow“

Kontaktaufnahme mit Frau Ottow per Email unter helgaottow@web.de.

About the author

Klaus Becker

In Tromsø schon mal den Bus zum Schiff verpasst und richtig viel Spaß bei einer samischen Familie gehabt, in Schottland schon mal versucht, alle Malt Whiskys zu probieren. Im echten Leben aber Geschäftsführer und Blogger mit Leidenschaft.

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