Burren Slow Food Festival – cremiger Rohmilchkäse trifft spröde Karstlandschaft

Rohmilchkäse trifft Gin. Das Burren Slow food Festival. Bild: Dublin regional Tourist Authority

Rohmilchkäse trifft Gin. Das Burren Slow Food Festival. Bild: Dublin Regional Tourist Authority

In Irland findet an diesem Wochenende eines der meistbeachteten Food-Festivals statt: Das Burren Slow Food Festival. Im deutschsprachigen Raum ist Irland bekannt durch seine grüne Landschaften, die Musik in den Pubs und sein gutes Bier. Dass man in Irland auch auf Weltniveau essen kann, ist hierzulande faktisch noch unbekannt. Dass in Irland die Slow Food Bewegung einen solchen Erfolg hat, bringt immer mehr Szenekenner auf die grüne Insel.

Ernährungstrends halten sich meist zwei Sommer. Wenn im letzten kleinstädtischen Einkaufszentrum der zugehörige Laden eröffnet hat, ist die Welle des Hypes meist gebrochen. Wenige Jahre später sind die Produkte noch auf ein paar wenigen Speisekarten zu finden – bestellt werden sie nicht mehr. Wenn man sich überhaupt noch an sie erinnern kann, wird man rot bei dem Gedanken daran, wie viel Geld man damals in eine glibbrige, völlig übersüßte, neonfarbene Masse namens Bubble Tea investiert hat.

Dass es auch anders geht, dass ein Trend zur Bewegung werden kann, dafür hat die Organisation Slow Food in den letzten drei Jahrzehnten den Beweis erbracht. Passend zu ihrer inhaltlichen Ausrichtung ist sie langsam und organisch gewachsen und zählt heute weltweit rund 60.000 Mitglieder. Zugegeben – die Chancen, Mitstreiterinnen und Mitstreiter für die Verbreitung der Idee zu finden, standen für das Slow Food von Beginn an auch wesentlich besser als für den Bubble Tea…

Für Geschmack lässt sich streiten!

1986 gründete Carlo Petrini mit einigen Mitstreitenden das Netzwerk als direkte Antwort auf eine Eröffnung eines McDonalds-Restaurants in der Innenstadt Roms. Der Name ist also kein Zufall oder der Versuch eines lustigen Wortspieles, sondern direkte Opposition gegen eine – aus Sicht Petrinis – Fehlentwicklung. Von Anfang an stand für die Gruppe, neben der Bewahrung von Diversität, der Genuss im Vordergrund. Eine Eigenschaft den sie dem Fast Food per se abspricht, da es seinen Geschmack am kleinsten gemeinsamen Nenner orientiere.

Seither streitet Slow Food für den „guten Geschmack“ wie sie selbst es ausdrücken. Sorgsamer Umgang bei Produktion und Verarbeitung von Lebensmitteln spiegeln genauso den namensgebenden Aspekt des Langsamen, wie das sich-Zeit-nehmen beim genussvollen Verzehr. Slow Food ist dabei nicht nur der Ort, an dem Gleichgesinnte der Völlerei frönen. Vielmehr soll es darum gehen, lokale Vernetzung zu ermöglichen sowie mit Wissen über Vermarktung und Vertriebswege zur Seite zu stehen. Zudem ist inzwischen Slow Food als Label an sich schon ein Verkaufsargument.

Burren Slow Food Festival – das Leckerste aus Irlands Westen

Durch die Stärkung regionaler Produkte soll Vielfalt erhalten werden. Eben jene Vielfalt wird rund um den Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Beitrages, vom 12.-14. Mai 2017, auf dem elften Burren Slow Food Festival in Lisdoonvarna präsentiert. Das Hauptaugenmerk des Festivals in der Region im Westen Irlands, die für ihre Karstlandschaft berühmt ist, liegt in diesem Jahr auf Gin und Käse. In den drei Tagen soll gezeigt werden, dass die Assoziation des Wacholderschnapses mit England und des Cheddars, als dem Käse von der grünen Insel, voreilig sind – zumindest wenn nicht Quantität, sondern herausragender Geschmack der Maßstab ist.

Kernstück des Burren Slow Food Festival ist sein Food Market und ein großes Bankett. Dort und auf diversen Tastings wird das Facettenreichtum irischer Produkte vorgestellt. Das Festival birgt aber nicht nur geschmackliche Highlights. Eingeläutet wird es mit einem Bootspicknick vor spektakulärer Kulisse, den Cliffs of Moher. Vor dem Hintergrund eines der eindrucksvollsten irischen Küstenabschnitte, werden Meeresfrüchte und Champagner (hier wird mal mit dem Credo der Regionalität gebrochen) kredenzt.

Essen und Wissen

Zudem hat man sich Expertinnen und Experten aus allen möglichen Bereichen eingeladen. Einer der bekanntesten Barmänner Dublins zeigt etwa, dass aus einem Gin etwas Edleres entstehen kann, als ein Gin Tonic oder ein Gin Fizz – beziehungsweise auch bei diesen Klassikern nicht egal ist, welcher Gin und welches Tonic Water zusammengebracht wird. Und auch das Raw milk cheese-Presidium, die Interessenvertretung der Produzierenden dieser besonderen Käse, wollen den Menschen in Vorträgen und Workshops mehr über ihr Produkt auf den Weg geben, als nur dessen vorzüglichen Geschmack.

Slow Food ist sicher nicht die Bewegung, die die Ernährungsprobleme einer Welt mit 7,5 Milliarden Menschen lösen wird und ist auch in Industrienationen zunächst nur für eine sehr kleine Schicht an Menschen interessant, nämlich die, die sich Mehrkosten für außergewöhnliche Produkte leisten können und wollen. Unbestritten leistet die Organisation aber darüber hinaus Lobbyarbeit für Vielfalt im Kochtopf und in dessen Folge im Supermarkt. Und Vielfalt ist letztlich das, was unser Leben spannend macht.

Die saftigen Graslandschaften und die rauen Küsten sind längst nicht der einzige Grund, warum sich die Irland-Reise lohnt – auch kulinarisch finden Sie in vielen Bereichen Weltniveau. Begeben Sie sich auf die Suche – sei es nun auf dem Burren Slow Food Festival, dem preisgekrönten Burren Food Trail oder gleich auf einer Rundreise um die gesamte Insel.

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Jan Schäfer

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