Kerry International Dark Sky Reserve – dort, wo Irland am dunkelsten ist

Ich seh' den Sternenhimmel... Bild: Flickr Creative Commons: Michael Pollack

Ich seh‘ den Sternenhimmel… Bild: Flickr Creative Commons: Michael Pollack

Lichtverschmutzung ist ein Umwelteinfluss, der noch relativ unerforscht ist. Dass es sich bei der Scotobiologie, der Dunkelheits-Biologie, nicht um eine alteingesessene Teildisziplin handelt, liegt in der Natur der Sache: ob künstliche Beleuchtung Auswirkungen auf Ökosysteme hat, kann erst in jüngster Vergangenheit erforscht werden, da ihre weite Verbreitung Voraussetzung ist.

Wer sich des Nachts außerhalb von größeren Städten und mit Blick auf diese aufhält, sieht einen Lichtdom über den Dächern schweben. So nennt sich die Kuppel aus Licht, die durch nicht zielgerichtete Beleuchtung entsteht. Straßenlaternen, Leuchtreklamen oder Industrieanlagen sind Beispiele für solche Übeltäterinnen, die durch ihr diffus in alle Richtungen strahlendes Licht diesen Effekt erzeugen.

Folgen der Lichtverschmutzung für Tier und Mensch

Dass es Auswirkungen auf Tier und Mensch hat, dass es in den Nächten nicht mehr vollständig dunkel wird, ist unbestritten. Die Ausmaße sind aber höchst unterschiedlich. Fatal ist die nächtliche Dauerbeleuchtung etwa für Insekten. Pro Nacht und Straßenlaterne sterben rund 150 Exemplare. Doch auch größere Tiere sind nicht vor dem Einfluss des künstlichen Lichtes gefeit: Zugvögel verirren sich, da Sie sich an hellem Licht orientieren. Bei manchen Arten ändern sich die Fruchtbarkeitszyklen und sogar bei Bäumen lassen sich Veränderungen nachweisen: Sie werfen ihre Blätter später ab und erleiden dadurch häufiger Frostschäden.

Die Auswirkungen auf den Menschen sind weniger gravierend, aber auch längst noch nicht annähernd in ihrer Gänze erforscht. Fehlende Dunkelheit während des Schlafes führt zu veränderter Hormonausschüttung, sie könnte auch Depressionen und sogar die Entstehung von Brustkrebs begünstigen. Vollständige Dunkelheit lässt sich meist aber durch entsprechende Vorhänge herstellen und die negativen Auswirkungen ließen sich so auch im privaten Rahmen eindämmen.

Recht auf Dunkelheit?

Von staatlicher Seite wird aber das Problem der Lichtverschmutzung erkannt und beispielsweise in Deutschland im Immissionsgesetz geregelt – wenn auch bisher nur recht vage. Vor preschen vor allem einzelne Städte und Regionen, etwa mit dem Ersetzen des Dauerbetriebes an Straßenlaternen durch Bewegungsmelder oder strengen Richtlinien zur Lichtstreuung Richtung Himmel. Viele der möglichen Maßnahmen gegen Lichtverschmutzung haben den erfreulichen Nebeneffekt, dass gleichzeitig der Stromverbrauch sinkt – sei es durch effektivere Ausnutzung der Lichtquelle oder ihre zielgerichtetere An- und vor allem Abschaltung.

Insbesondere astronomisch interessierte Menschen fordern, ähnlich dem Recht auf sauberes Wasser oder saubere Luft, ein Recht auf Dunkelheit. Denn gerade für die Himmelsbeobachtung sind die Folgen der Lichtverschmutzung enorm. In Städten sieht man meist nur rund ein Dutzend, in Vorstädten vielleicht 200-300 Sterne am Himmel. Bei tatsächlicher Dunkelheit vervielfacht sich die Zahl der sichtbaren Himmelskörper auf 2.500 bis 6.000.

Das Kerry International Dark Sky Reserve

In Europa sind Regionen, in denen solche Beobachtungen möglich sind, kaum noch vorhanden. Eine Ausnahme bildet die Region Kerry im äußersten Süd-Westen Irlands, wo 2014 das Kerry International Dark Sky Reserve eröffnet wurde. Das von der International Dark-Sky Association ausgewiesene Lichtschutzgebiet gehört mit dem Grand Canyon in Amerika und einigen Wüsten auf dem afrikanischen Kontinent zu den dunkelsten Orten der Erde.

Die geringe Bevölkerungsdichte der Region und die Nähe zum Atlantik waren bereits gute Startbedingungen. Da es sich aber um bewohntes Gebiet handelt waren zusätzliche gezielte Anstrengungen nötig, um die Strahlung jeglichen Lichtes gen Himmel zu unterbinden. Und so ist das Kerry International Dark Sky Reserve nicht nur das einzige Lichtschutzgebiet mit maximaler Dunkelheitsstufe auf der Nordhalbkugel, sondern auch einzigartig, da es bewohnt – und gleichermaßen touristisch erschlossen – ist.

Nicht nur für Astronomie-Begeisterte: ein unvergessliches Erlebnis

Dies hat zur Folge, dass Sie einen kaum verfälschten Sternenhimmel genießen können, ohne dafür tagelange, entbehrungsreiche Fußmärsche hinzulegen (Wandern können Sie in der Region um das Kerry International Dark Sky Reserve ganz exzellent – nur entbehrungsreich wird es dank Pubs, Hotels und sogar einer Schokoladenfabrik nur schwerlich werden). Eine schöne Möglichkeit, die Gegend optimal kennen zu lernen, ist es, einen Guide zu engagieren, der nicht nur die Sternenbilder erklärt, sondern vor allem auch die Bedeutung der Sterne in der Geschichte der an historischen Stätten so reichen Region nahe bringt.

Da die Sommernächte deutlich kürzer sind, ist das Sternenreichtum im Kerry International Dark Sky Reserve ein guter Grund Irlands Südwesten außerhalb der touristischen Hochsaison zu besuchen. Dabei sollten Sie zusätzlich die Mondphasen berücksichtigen, denn je voller der Mond, desto mehr Licht lenkt Sie vom Wesentlichen ab.

In diesem Artikel zu kurz gekommen, aber schon mehrfach an dieser Stelle behandelt: auch des Tags wird Ihnen in Südwest-Irland alles andere als langweilig. Was Sie tun können, das können Sie zum Beispiel hier, hier, hier, hier oder hier nachlesen. Und wenn Sie schauen möchten, welche Reisen wir Ihnen empfehlen, geht es hier entlang.

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Jan Schäfer

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